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Langenfeld
"Heimat gibt es nicht per Verordnung"

Langenfeld. Vortrag und Diskussion bei der Langenfelder Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Flügelsaal. Von Dirk Neubauer

"Heimat" ist der rote Sand unter den Füßen: ein Ort, ein Sinneseindruck, eine Zeit oder eine Empfindung; manchmal auch alles zusammen. Da hat jeder ein ganz eigenes, sehr persönliches Bild von diesem Begriff. Heimat ist ein zutiefst deutsches Konzept. In anderen Sprachen gibt es "homeland" oder "roots", "Patrie" oder "Pays", im arabischen "al watan" - aber keines dieser Wörter umfasst so viel wie der deutsche Heimat-Begriff, immer Singular, nie Plural - mehrere Heimate sind in unserer Sprache nicht vorgesehen.

Über Heimat wird dann nachgedacht und gesprochen, wenn sie vermeintlich in Gefahr zu sein scheint, wenn sie erschüttert wird. Ansonsten ist sie wie die Luft zum Atmen - einfach da. "Für mich war 'Heimat' unter anderem das Käsebrot, das ich nach einer langen Auslandsreise als erstes gegessen habe", erzählt Sophia Falkenstörfer bei einem Diskussionsabend der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) im Flügelsaal des Kulturzentrums. Verbunden war die Stulle immer mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit: "Hier bei uns in Deutschland bin ich zuhause." 60 Zuhörer schauen die Wissenschaftlerin der Universität zu Köln und Sonderschullehrerin an. Und das Lächeln der Frau mit der dunklen Hautfarbe, geboren in Äthiopien, zeigt, dass sie diesen Blick kennt: "Bei uns in der deutschen Familie gibt es exakt eine Ausländerin - meine Mutter stammt aus Österreich." Noch als Baby in Äthiopien adoptiert, wächst Falkenstörfer in Süddeutschland auf. "Da dachte ich immer, niemand hat einen so starken Heimatbegriff wie die Bayern." Bis sie nach Köln kam. Dem Ort, der von sich singt, er sei ein Jefööhl...

In der Heimat, sagt Sophie Falkenstörfer, darf man so sein, wie man ist. Man kennt die Gebräuche. Man kennt nicht nur die Sprache, sondern kann auch zwischen den Zeilen lesen. Das müssen sich die, die ihre Heimat gerade verloren haben, nun erst wieder mühsam erarbeiten. Heimat gibt es nicht per Verordnung. Auch da ist die Vortragende völlig klar: "Das Wichtigste ist das Erlernen der Sprache. Und das Befolgen der Regeln, die hier in Deutschland gelten." Das seien Mindestvoraussetzungen; erst danach beginne Integration.

In der Diskussion mit Psychiater Dr. Christian Benz, Banker Dr. Klaus Bauknecht, Pfarrer Dr. Jürgen Rentrop berichtete die Langenfelder Beigeordnete Marion Prell, wie der Einsatz für die derzeit 822, am Jahresende eventuell 2000 Flüchtlinge in Langenfeld sie verändert habe: "Ich treffe mittlerweile sehr klare Ansagen." Aus dem Vortrag nahm Prell das Bild eines Eisbergs mit - bei dem der größte Teil unter der Oberfläche verborgen ist. "Das macht mir dann keine Angst, wenn man sich dessen bewusst ist." So hat Prell gelernt, dass das europäisch unverbindliche Lächeln einer Frau in anderen Kulturen als Einladung missverstanden werden kann. "Wir müssen daran arbeiten, solche Missverständnisse zu vermeiden."

Quelle: RP
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