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Rp-Heimattour Emil Drösser führt durch Monheim
Heimspiel für ein Urgestein: "So wor dat"

Rp-Heimattour Emil Drösser führt durch Monheim: Heimspiel für ein Urgestein: "So wor dat"
Emil Drösser (mit gehobener Hand) stammt aus einer Bäckerfamilie und ist in Monheim aufgewachsen. Er wohnt an der Alten Schulstraße - im Herzen der Stadt. Gestern führte er RP-Leser durch sein Viertel. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Die Altstadttour mit Lesern der Rheinischen Post startete am Bibi-Brunnen und führte zum Schelmenturm und in die Poetengasse. Von Heike Schoog

Monheim "Ah. Da ist er ja." Das Monheimer Urgestein Emil Drösser - der übrigens gestern 76 Jahre alt geworden ist - wird schon erwartet. Der Mann in Cargo-Hose und kariertem Hemd mit leicht schütterem Haar, zum Pferdeschwanz gebunden, kommt gut gelaunt auf die Gruppe zu und wird von den meisten mit "Hallo Emil" begrüßt. Ein Heimspiel für den Stadtführer, der auf Initiative der Rheinischen Post sein Monheim vorstellt. 25 Drösser-Fans haben sich angemeldet. Sie kommen aus Monheim, Baumberg und Hitdorf.

Treffpunkt ist der Bibi-Brunnen am Doll Eck - benannt nach den Hüten der Paniker. Aus dem siebten Hut fließt zu besonderen Anlässen Bier. "Das Fass steht dann bei mir im Keller", sagt Drösser, der seine Vorliebe für Bier auf seine Jugenderinnerung zurückführt. "Bei Fliegeralarm musste ich mit meiner Großmutter immer in den Brauereikeller", erzählt Drösser. Die Großmutter immer im warmen Pelz. "So wor dat." 29 000 Fliegerbomben sind rund um das Shell-Gelände auf Monheim niedergegangen. "Auch in der Altstadt wurde viel zerstört", berichtet er. Die Brauerei, in der er Schutz suchte, ist inzwischen abgerissen. Lediglich "Peters Brauhaus" in Köln erinnere noch an das Kölsch, das in Monheim gebraut wurde. Monheim war die einzige Stadt, die auf Nicht-Kölner Boden Kölsch brauen durfte. "So wor dat."

Weiter geht's - bei gefühlt 45 Grad - zum Schelmenturm. Dort steht bereits eine Gänseliesel mit Erläuterungen im Torbogen. "Es wird weitere Aufsteller geben", kündigt Maximiliane Richtzenhain von der Tourismus-Abteilung der Stadt an. Die so genannte MonChronik werde Schritt um Schritt erweitert. Der Turm soll künftig zugänglich sein, erläutert sie. Wie die Besucher reinkommen können, sei noch offen. Wer jedoch die Marienkapelle besichtigen möchte, kann den Schlüssel in der Gaststätte "Zum Vater Rhein" abholen.

79 Stufen führen hoch in den Schelmenturm. Drösser nutzt die Gelegenheit für einen Ausflug in die Stadtgeschichte - über die Schwierigkeit, das Alter der Stadt zu bestimmen, über den Bau der Neuen Heimat in den 1960er Jahren und den Kinder-Boom. Über die Glocken des Schelmenturms, von denen jetzt zwei in St. Gereon hängen. Und die Bäckerzunft, zu der seine Familie gehörte. "Vor Weihnachten haben wir Christstollen gebacken. Die gab es für die Arbeiter der Shell. Vorher entbrannte immer ein spannender Wettstreit unter den Bäckern, wer den begehrten Auftrag bekommen wird." Sein Vater war dabei. "So wor dat."

Drösser plaudert, würzt Geschichte mit Anekdoten. "Habt ihr noch Zeit?" fragt er in die Runde und zählt die drei Besonderheiten der Stadt auf: Den einst jüngsten Bürgermeister, die meisten Zwangsarbeiter gemessen an der Einwohnerzahl und das Piwipper Böötchen. "Ein Rheinanleger soll ja jetzt auch kommen." Vermutlich noch in diesem Jahr, bestätigt Richtzenhain. Dann stoppen Kreuzfahrtschiffe statt in Köln oder Düsseldorf in Monheim. Wer wissen will, warum die Poetengasse in Monheim so heißt, bekommt Antwort. "Eigentlich hieß sie Puutengasse. Puuten waren Kinder, die dort ihren Schulweg hatten." Ein findiger Beamter habe aus den Puuten schlicht Poeten gemacht. "So wor dat."

Vor der evangelischen Kirche erzählt er, dass er, katholisch, nicht mit den evangelischen Kindern spielen durfte. "Haben wir natürlich trotzdem gemacht. Aber es war verboten", beschreibt er die damals noch strenge Trennung der Religionen. "Dat wor so."

Hochwassermarken, Kradepohl, charmante, verwinkelte Gässchen, die zum alten Markt führen, runden das Bild ab. "Werden Sie jetzt nach Monheim ziehen?", fragt Drösser abschließend die wenigen, nicht ortsansässigen Teilnehmer der Heimattour. Die versprechen, es sich noch einmal zu überlegen. "So wor dat."

Quelle: RP
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