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Heimat genießen
Herbst - die schönste Zeit im Wald

Heimat genießen: Herbst - die schönste Zeit im Wald
Förster Karl Zimmermann nutzt die Herbstzeit auch, um bei einem Spaziergang im Knipprather Wald kränkelnde Eichen-Exemplare auszumachen. FOTO: Ralph matzerath
Monheim. Der Knipprather Wald lockt zurzeit mit stimmungsvollen Bilder und weichem Licht. Von Dorothee Schmidt-Elmendorff

Im Herbst wird der Wald zu jenem Sehnsuchtsort der Kindertage, wenn das milde, durchs bunte Blätterdach einfallende Licht vermischt mit aufsteigendem Bodennebel eine geradezu mystische Kulisse schafft. Selbst für einen professionellen Waldgänger wie Förster Karl Zimmermann ist der Herbst die schönste Jahreszeit im Wald. "Wenn das Farbenspiel zwischen dem Grün der Eichen, den gelblichen Buchen und den rötlichen Roteichen wechselt - das hat man nur einmal im Jahr."

Besonders eindrucksvoll sei dies in seinem schon etwas bergigen Leichlinger Revier, wo sich der Wald dem Betrachter aus verschiedenen Perspektiven bietet. Im Knipprather Wald mit seinem hohen Anteil an deutschen und amerikanischen Eichen ist zwar die Farbpalette nicht so vielfältig, dafür ist die Strauchschicht ausgeprägter als in reinen Buchenbeständen. "Die lockeren Kronen der Eichen lassen viel Licht durch, so dass Brombeeren, Traubenkirsche und Holunder wachsen können", erklärt der Förster bei einem Waldspaziergang. Allerdings sei der Lichteinfall zu gering, als dass die Pflanzen Früchte hervorbringen könnten. "Die Rehe fressen aber die Brombeerblätter gerne", so Zimmermann.

Nur am Waldesrand tragen Pfaffentütchen, Hagebutten und Holunder auch Früchte und bieten damit ein wichtiges Nahrungsangebot für Vögel. "Auch diese Früchte machen für mich Herbst aus", sagt er und reicht eine der Schlehenbeeren zum Probieren. Sauer ist sie und hat wenig Fruchtfleisch. Der Kern landet im weiten Bogen im Unterholz - zur "Naturverjüngung". Essbar sind auch die Hallimaschpilze, die auf moosigen Baumwurzeln wachsen. "Ansonsten ist dieser Wald kein gutes Pilzrevier, dazu ist der Boden in diesem ehemaligen Rheinarm zu sandig", so der Förster.

Wer in diesen Tagen über die Waldwege spaziert, hört weniger Laub rascheln als das Knacken der Eicheln. "In diesem Jahr gibt es auffällig viele, aber fast keine Bucheckern", sagt Zimmermann. Das hängt mit dem Wetter während der Blütezeit zusammen. Gäbe es Wildschweine, sie hätten im Winter eine Fettleber. Aber noch hält die A 59 die Langenfelder Rotten ab.

Auf dem relativ sandhaltigen Boden gedeihen Eichen, Buchen und Birken am besten. Die Kirschen, die man vereinzelt antrifft, wurden durch Vögel ausgesät. Nadelgehölze wie Fichten, Kiefern und Douglasien wurden künstlich angesiedelt, die wenigen Wehrmouthkiefern und Lebensbäume sind forstwissenschaftliche Experimente.

"Die Kiefer hat sich nicht bewährt, sie ist anfällig für Pilze, leider erfährt man das als Förster erst nach Jahrzehnten." Die Douglasie soll langfristig die hitzeempfindliche Fichte ersetzen. Wenn der Spaziergänger die Nadeln zerreibt, entströmt kein typischer Tannengeruch, sondern ein fast parfürmierter Duft.

Die hohen Temperaturen in diesem Sommer haben auch den Eichen zugesetzt. Deshalb nutzt der Förster die Herbstzeit auch, um im Wald kränkelnde Exemplare auszumachen. Die Ursachen für das Eichensterben, das sich an kahlen schon teilweise entrindeten Ästen in der Krone ablesen lässt, sind vielfältig: Klimawandel, Insekten- und auch Pilzbefall. "Der Prachtkäfer ist der schlimmste, er schädigt die Bastschicht, also die Zone zwischen Holz und Rinde", sagt Zimmermann.

Später im Jahr wird er einige schon abgestorbene Bäume herausnehmen, um den restlichen Bestand vor den schädlichen Insekten zu schützen. Dazu zählt auch eine Eiche an einer Wegkreuzung mit Parkbank. "Wer den Wald betritt, tut dies zwar auf eigene Gefahr, aber man muss das Schicksal nicht herausfordern", sagt er augenzwinkernd.

Quelle: RP
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