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Langenfeld
Hier ist es heute noch kälter als draußen

Langenfeld. In dieser Woche sanken die Außentemperaturen endlich auf ein paar Grad satt unter Null. Doch es geht noch kälter. Hier sind fünf Beispiele aus Langenfeld und Hilden. Von Dorian Audersch, Thomas Gutmann und Christoph Schmidt

Draußen ist es derzeit kalt - aber drinnen mitunter noch kälter. So wie das Lager der Firma Bofrost an der Raiffeisenstraße in Langenfeld. Tiefgefrorene Lebensmittel aller Art warten hier auf ihre Kunden. Insgesamt sind es über 550 verschiedene Produkte. Die Mitarbeiter sind echte Kälte-Profis. Sie sind unter anderem für Lagerung, Ausgabe und Bestandsaufnahme der Waren verantwortlich - bei konstant Minus 24 Grad Celsius. Ihre Kleidung ist speziell für Kühlhäuser entwickelt und hält sogar noch bei Minus 35 Grad warm. Jacke, Hose, Thermo-Socken, Handschuhe und Kopfschutz gehören dazu. "Außerdem machen sie nach einer Stunde im Lager eine Aufwärmpause", sagt Unternehmenssprecher Manuel Sentker.

Aufwärmpausen gibt es im Cockpit nicht. Joel Wagner ist seit 2001 begeisterter Segelflieger. Seine Leidenschaft lebt er in der Luftsportgruppe Erbslöh auf, die ihren Flugplatz in Wiescheid hat. Rund 2500 Ausbildungsflüge macht er im Jahr. Im Winter, sagt der 31-Jährige, sei das eine besonders kalte Angelegenheit: "Im Schnitt sinkt die Temperatur um 0,65 Grad pro 100 Meter." In rund 1800 Meter Flughöhe kann es also ziemlich frostig werden. "Dafür haben wir dann Skihosen, dicke Socken und andere wärmende Klamotten an. Anders geht es nicht."

Segelflugzeuge, gerade die älteren Modelle, sind nicht besonders Luftdicht und haben in der Regel keine Heizung. "Trotzdem ist es im Winter ein besonders schönes Erlebnis", findet Wagner. "Die Landschaft hat dann ihren ganz eigenen Reiz - vor allem bei Schnee." Das sei dann allerdings wirklich nur etwas für Enthusiasten.

Andreas Engelen (40) aus Berghausen hat wochenlang dort gezeltet, wo es gewöhnlich kälter ist als in Langenfeld. "Ich habe für meine Doktorarbeit die Vegetation der Antarktis beobachtet", erzählt der Biologe. Zweimal - 2003 und 2004 - lebte er deshalb im antarktischen Sommer auf dem Eiskontinent. "Am Kohl Nunatak, einem Berg auf der Halbinsel, die von Südamerika am wenigsten weit entfernt ist, war es aber gar nicht so kalt, wie die meisten Leute glauben", sagt Engelen. Bis zu minus 10 Grad - weniger ist an dieser Stelle im Januar, wenn die Sonne nie untergeht, kaum drin. Dennoch: Was vegetiert überhaupt da unten in Richtung Südpol? Doch wohl keine Zitronen? "Flechten", sagt der Forscher, "zum Teil auch Moose". An seinem Wissen über Flechten können Interessierte am Karnevalssonntag bei einer Exkursion durch die Urdenbacher Kämpe (ab 11 Uhr) teilhaben. Dann führt der ehrenamtliche Auenerlebnisbegleiter der Biologischen Station in die "verborgene Welt" dieser hartgesottenen Felsbewohner - womöglich bei minus 10 Grad.

Qiagen ist eines der größten Biotechnologie-Unternehmen Europas. Mit den in Hilden entwickelten Tests könne viele Krankheiten entdeckt und die Erfolgsausschichten von Therapien für jeden einzelnen Patienten vorausgesagt werden. Kleine Mengen von Zellkolonien werden mit Stickstoff bei -196 Grad Celsius konserviert, erläutert Przemek Jedrysik (Public Relations). Enzyme für die Test-Kits werden in Kühlschränken bei -80 Grad gelagert, bevor sie weiterverarbeitet werden. Der größte Kühlschrank im Unternehmen ist mehrere Meter hoch und breit: "In diesem Tiefkühl-Lader werden bei -20 Grad die fertigen Tests bis zum Versand gelagert."

Qiagen beschäftigt in Hilden rund 1000 Mitarbeiter, weltweit rund 4500 an 35 Standorten.

Das St. Josefs Krankenhaus Hilden ist als Schwerpunktkrankenhaus für die Bereiche Brustkrebs und Koronare Herzkrankheiten zugelassen. Hier, in der Senologie (Brustzentrum), wird es an einer Stelle besonders kalt: In Stickstoffbehältern lagern Proben von Brustgewebe bei -179 Grad zur späteren Typisierung. Eine Temperatur, bei der es bei Berührung zu gefährlichen Verbrennungen der Haut kommen kann. Schutzkleidung ist Pflicht.

Quelle: RP
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