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Langenfeld
Hitdorf probt den Hochwasserschutz

Langenfeld: Hitdorf probt den Hochwasserschutz
Stück für Stück wuchs die Schutzwand, die fleißige Helfer aufstellten. Klaus Niesen (links) achtete darauf, dass alles am richtigen Platz war. FOTO: Uwe Miserius
Langenfeld. Die mobile Wand in Hitdorf wird alle sieben Jahre getestet. Anwohner kritisiert Ausführung: "Schildbürgerstreich!" Von Tobias Brücker und Bernd Bussang

Schon sehr früh herrschte am Morgen auf der Rheinstraße in Hitdorf rege Betriebsamkeit. Der Grund: Alle sieben Jahre muss in einer Übung, federführend durch die Technischen Betriebe Leverkusen, die mobile Hochwasserschutzwand aufgebaut werden. Das ist im Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung festgehalten. Dann wird die 910 Meter lange Deichmauer entlang der Rheinstraße auf 11,90 Meter erhöht. "Auf der Mauer sind Ankerlatten angebracht. Dort ragen Propfen heraus, auf denen später Doppel-T-Träger angebracht werden", erklärt Simone Möller, die bei den Technischen Betrieben für den Hochwasserschutz zuständig ist und den Aufbau beobachtet. Dammplatten aus Alu komplettieren die mobile Wand - und machen diese massiv.

Darüber hinaus werden sechs Tore geschlossen, durch die im Normalfall Autos und Fußgänger zum Rhein gelangen. So wäre Hitdorf für ein 200-jähriges Hochwasser gewappnet. Das bedeutet: ein Ereignis, das sich maximal alle 200 Jahre wiederholen kann.

Schon die festinstallierte Anlage ist für ein 100-jähriges Geschehnis und einen maximalen Wasserstandspegel von 9,10 Meter ausgelegt. "Ganz Leverkusen ist mindestens für ein 100-jähriges Hochwasser gesichert", berichtet Bauingenieurin Möller. Gemessen wird der Pegel in Köln.

Einen Ernstfall, bei dem die mobile Schutzwand hätte aufgebaut werden musste, gab es noch nicht. Nur die Tore hatten zweimalig geschlossen werden müssen - zuletzt 2013. Man hätte die Wand aber 1993 und 1995 gut gebrauchen können, sagt die 44-Jährige. Zuletzt wurde der Aufbau in Hitdorf im Jahr 2010 geprobt, nachdem die Hochwasserschutzanlage fertiggestellt war.

Insgesamt hat die Anlage rund zehn Millionen Euro gekostet, erzählt Möller. Jeder Aufbau kostet den TBL zufolge 80.000 Euro.

Abseits der Rheinstraße ist die Schutzwand nicht nötig. Die dortigen Häuser und Wohnungen - zum Beispiel an der Wiesenstraße - sind so hoch gebaut, dass sie das Wasser nicht erreicht, erklärt die Bauingenieurin. Nur die Garagen könnten volllaufen.

Der jüngste Aufbau nahm sechs bis acht Stunden in Anspruch. Heute wird die Wand wieder abgebaut. Das Verfahren geht mit Einschränkungen für Anwohner einher. So gilt auch heute noch ein Parkverbot auf Rhein-, Fähr- und Werftstraße. Echte Beschweren, berichtet Möller, habe es nicht gegeben.

Gleichwohl hätten einige Personen das Verbot missachtet. "Das ist der Normalfall", betonte die 44-Jährige. Der Grund für das Halteverbot sind die Lkw, die die Materialien aus dem TBL-Lager vom Betriebshof in der Borsigstraße anliefern. Sechs waren aktuell im Einsatz, mehrmals hatten sie neue Materalien geholt.

Kritik kommt unterdessen von Anwohner Gerd Ziervogel: Die Tore seien sieben Zentimeter niedriger als die Betonwand. "Das steht im Widerspruch zu den Projektplänen", reklamiert der Bauingenieur. In Hitdorf sei der Hochwasserschutz ohnehin schon niedriger ausgelegt als in der Nachbarstadt Monheim. Ziervogel hatte damals gegen den Planfeststellungsbeschluss Einspruch eingelegt. Der war aber abgewiesen worden. Der Anwohner sorgt sich um die Sicherheit der Hochwasserschutzanlagen und spricht in diesem Zusammenhang von einem richtigen "Schildbürgerstreich".

Quelle: RP
 
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