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Manes Meckenstock
"Ich mag Baumberg lieber als die Düsseldorfer Kö"

Manes Meckenstock: "Ich mag Baumberg lieber als die Düsseldorfer Kö"
Manes Meckenstock. FOTO: abr
Langenfeld. Der komische Frisör und seine "Sweethearts" bringen am 4. März Anekdoten und Schlager aus den 60ern nach Baumberg.

Herr Meckenstock, Sie sind seit 2007 mit den Sweethearts und ihrem Programm "Fröher" auf Tour. Was war vor neun Jahren alles noch besser?

Meckenstock Heute ist alles noch schnelllebiger geworden - und man glaubt, dauernd erreichbar sein zu müssen. Ich glaube, 2007 war es eher noch unschick, sein Handy neben den Teller zu legen. Ach ja, und damals gab es noch kein Rauchverbot. Die aussterbenden Eck-Kneipen sind ein echter Verlust für die rheinische Gastronomie!

Nun bezieht sich Ihre Wirtschaftswunder-Revue ja eher auf die Skurrilitäten der damaligen Alltagskultur. Was verbinden Sie als 54-Jähriger mit dieser Zeit?

Meckenstock So Sprüche beispielsweise, dass man aufessen muss, damit das Wetter schön wird. Darauf antworten die Sweethearts dann mit dem Trude-Herr-Hit "Ich will keine Schokolade".

Könnten Sie auf Süßes verzichten?

Meckenstock Nee, vor allem nicht auf Kamelle. Die liebe ich, seit ich von der Omma früher immer ein Bonbönchen aufs blutende Knie bekommen habe. Gummibärchen und so, das ist ja eher Anti-Materie.

"Omma" und die "Tant" kommen in ihren Vertellkes als wichtige Bezugspersonen vor. Wohl auch, weil Ihre Mutter bei Ihrer Geburt erst 17 war?

Meckenstock Ja, und mein Vater 20. Ich kann sagen, dass ich mich mit Fleiß und Disziplin aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet habe. Deshalb mag mich die Düsseldorfer Haute Volée auch nicht, weil ich gern alles auf einfach runterbreche.

Sie haben nach dem Abi aber erst einmal Verwaltungsrecht studiert ...

Meckenstock Ja, ein dunkles Kapitel in meiner Biografie ... Aber wenn mich die Leute heute fragen, ob ich auch was Anständiges gelernt habe, kann ich das mit Fug und Recht bejahen. Ich bewundere auch heute noch Buchhalter - aber mir würde auf Dauer das Publikum fehlen.

Trotzdem spielen Sie lieber in kleinen Sälen wie jetzt in Monheim ...

Meckenstock In Baumberg, bitte - ich weiß, dass das ein großer Unterschied ist! Aber ja, ich möchte gern mein Publikum sehen, wenn das Saallicht angeht. Menschliche Nähe ist mir lieber, als in einem großen Haus kulturelle Verdauungshilfe für arrogante Düsseldorfer zu leisten.

Scheint fast, als würden Sie Ihre Mitbürger nicht besonders mögen.

Meckenstock Ich liebe an Düsseldorf das, was mich zugleich nervt: ein Dorf mit städtischem Charakter. Mit meiner alternativen Stadtführung "Dorfschönheiten" gehe ich in die Stadtteile; das läuft wie jeck. Aber um die Kö herum ist es schwer, diese Herzlichkeit zu entdecken.

Sie sind auch mit Ihrem Solo "Lott jonn" unterwegs. Wussten Sie, dass dies der Einstieg in Ulla Hahns Roman "Das verborgene Wort" ist?

Meckenstock "Lommer jonn?" Nee, wusste ich nicht. Aber Ulla Hahn kenne ich natürlich. Und ich bin immer wieder gern in Monheim - wohl auch, weil hier viele Exil-Düsseldorfer leben!

Was sagen Sie denn dazu, dass der Düsseldorfer Rosenmontagszug auf den 13. März verschoben wurde?

Meckenstock Ich fahre eigentlich immer beim Zoch mit, und ich hatte mich sehr auf eine Session ohne lange Unterhosen gefreut. Aber ausgerechnet an dem Tag ist auch die "ProWein", und da muss ich als Sommelier natürlich zur Messe.

Haben Sie eigentlich mal erwogen, politisches Kabarett zu machen?

Meckenstock Ich habe ja immer einen kleinen Politsatire-Block. Aber generell finde ich, dass die Politiker selbst das beste Kabarett machen. Und die Bundespolitik überlasse ich gern Volker Pispers und anderen Kollegen, die in ihrer Boshaftigkeit immer den richtigen Ton treffen. Ich habe schon genug Feinde auf kommunalpolitischer Ebene ...

Was sagen Sie zu Pegida und AfD?

Meckenstock Ich bin sehr befremdet von dieser deutschnationalen Bewegung; vor allem die Übergriffe auf Flüchtlinge in Ostdeutschland machen mich wütend. Am liebsten würde ich diese braunen Arschlöcher ins zerbombte Aleppo schicken! Daraus könnte man auch ein geiles TV-Format machen: Kriegs-Camp! Wär das nichts für RTL?!

ST. MERGEHENN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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