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Stefan Drießen
"Ich will ein Türöffner sein"

Stefan Drießen: "Ich will ein Türöffner sein"
Seit August ist Stefan Drießen Gemeindereferent in der katholischen Gemeinde Monheim. Er leitet auch das Cube. FOTO: Matzerath
Langenfeld. Der neue Gemeindereferent der katholischen Gemeinde Monheim ist für die Jugendarbeit und die Messdiener zuständig.

Auf der Homepage der Kirchengemeinde geben Sie an, Sie hätten vor Ihrer Ausbildung zum Gemeindereferent viele andere Dinge gemacht. Welche waren das?

Drießen: Ich habe Elektroinstallation gelernt. So ein praktisches Hintergrundwissen eröffnet mir heute eine andere Sichtweise, ich habe das Gefühl, dass ich mich so in viele Menschen anders reindenken kann. Nach der Ausbildung habe ich dann das Abi nachgemacht und gedacht, jetzt steht mir die Welt offen. Jura war immer mein Kindheitstraum, ich war ja vorher auf der Hauptschule. Der Weltjugendtag 2005 in Köln war dann aber ein Ereignis, das mich in die Richtung gebracht hat, die wohl für mich bestimmt war. Ich war zwar vorher schon viel mit Jugendarbeit beschäftigt gewesen, kannte aber den Beruf des Gemeindereferenten nicht. Jedenfalls hat der WJT bewirkt, dass ich mich gefragt habe, was meine Rolle ist, was ich wirklich machen will. Und da ich eher praktisch orientiert bin, habe ich mich für das Fachhochschulstudium entschieden.

Jetzt sind Sie seit August in Monheim unter anderem für die Messdiener zuständig. Waren Sie selber einer?

Drießen: Ja, als mein Bruder Messdiener wurde, wollte ich auch einer werden. Ich habe so eine schöne und erlebnisreiche Jugend verbracht. Das Organisieren von Fahrten und die Jugendarbeit - das hat mich stark geprägt. Hier in Monheim-Baumberg konzentriere ich mich aber auf die Vorbereitung von Jugendmessen und Andachten, die Fahrten auch Feste usw. organisieren die Jugendlichen selber.

Sie haben an diesem Wochenende ein Modul der Firmvorbereitung hinter sich gebracht. Ist es schwierig, Jugendliche heute für die Firmung zu begeistern?

Drießen: Wir haben in diesem Jahr in Monheim 55 Firmlinge. Wir laden alle Jugendliche ab 16 Jahren ein, beim Firmkurs mitzumachen. In dem Alter ist man alt genug, zu entscheiden, in wieweit Gott eine Rolle in meinem Leben spielt, wozu ich Kirche brauche. Das hinterfragen die Jugendliche ja auch kritisch. Ich will dabei ein Türöffner sein.

Stammen viele der Firmlinge aus der Messdienerschaft?

Drießen: Ja, es gibt aber auch Jugendliche, die ich über die Schule eingeladen habe. Ja, ich habe das gewagt und dort für den Firmkurs geworben, ob sie etwas über ihren Glauben 'rausfinden wollen. Ich bin ja von meinem Glauben überzeugt, deshalb wünsche ich mir, dass dies' auch andere Menschen können. Es gibt unter den Firmlingen auch augenscheinlich kirchenfernere Jugendliche, die jetzt einsteigen und wissen wollen, worum es dabei geht. Einige, die von ihren Eltern geschickt werden, sind sicherlich nicht so überzeugt; was aber ja noch werden kann. Mir ist dann trotz alledem lieber, sie entscheiden sich am Ende womöglich dagegen, als wenn sie etwas mitfeiern, wo sie nicht hinterstehen. Das wäre einfach falsch.

Wie lässt sich die Firmvorbereitung mit der Belastung dieser Jugendlichen durch die weiterführende Schule vereinbaren?

Drießen: Wir haben den Kursus so angepasst, dass es machbar sein müsste. Aber Kursus klingt so nach Lernen, für mich ist Glauben etwas, das man erlebt. Dabei muss jeder gucken, ob sich das für ihn gut anfühlt. Wir haben die Zeit, die wir - die Katecheten - intensiv mit den Jugendlichen verbringen, sehr komprimiert - auf zwei Module. Das sind die Aktionstage und die Fahrt nach Taizé. Wichtig ist, dass sie am Ende wissen, worum es bei dem Firm-Fest geht, was sie empfangen.

Was können die Jugendlichen bei dem Kurs für ihr Leben mitnehmen?

Drießen Was Gemeinschaft ist. Wenn die Jugendlichen etwas erleben, in dem Gott innewohnt, dann ist das Ziel erreicht. Sie sollen erfahren, dass sie Gott überall in unserer Welt begegnen können, dass dies nicht zwangsläufig nur im Kirchengebäude passieren muss. Einfach, wenn sie morgens aufstehen und sich am Leben erfreuen. Unter dem Motto "Glauben erleben" haben wir die Jugendlichen unter anderem auch ans Gottesdienstfeiern herangeführt. Sie konnten die Gestaltung des Gottesdienstes selber übernehmen, Lieder auswählen, Gebete schreiben. Sie haben dann den Ambo für die Lesung in die Mitte des Stuhlkreises in der St. Ursula Kirche gestellt, um die Bibel in die Mitte zu nehmen. Das wurde dann eine sehr anrührende Feier. Weil die Jugendlichen sich ernst genommen fühlten.

Tun sich die Jugendlichen mit der Beichte vor der Firmung schwer?

Drießen: Ich glaube, wenn man so ein Fest feiert, sollte man gut vorbereitet sein, indem man sich fragt: Was hat mir im Leben leidgetan? Ich versuche, nicht floskelhaft zu reden. Wir sind ja eigentlich das ganze Leben über damit beschäftigt, Dinge auszusprechen, die uns leidtun, um so Vergebung zu bekommen. Das sollte man dann auch den Betroffenen sagen. Im Beichtgespräch erhält man diese Zusage von Gott, man kann einen Neuanfang machen. Das man das Alte zurücklassen kann, ist doch etwas Wunderbares.

DOROTHEE SCHMIDT-ELMENDORFF STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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