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Langenfeld/Monheim
Im Café Immi nehmen Obdachlose Platz

Langenfeld/Monheim: Im Café Immi nehmen Obdachlose Platz
Der Langenfelder Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) kümmert sich nicht nur im Café Immi um Obdachlose. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld/Monheim. Die Städte helfen Wohnungs- und Obdachlosen: Die Zahl der Ratsuchenden steigt in letzter Zeit. Von Dirk Neubauer

Zwei Tassen, zwei Teebeutel, zwei Löffel: Das Langenfelder Café Immi deckt ein. Jeden Werktag, um Punkt 10 Uhr. Den beiden, die da gleich kommen werden, sind das Ritual und der Stammplatz an der Immigrather Straße 40 wichtig. Bald 30 Jahre lang kümmert sich dort der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) um "Menschen in prekären Wohnverhältnissen", wie das von Amts wegen heißt, wenn man den Boden unter den Füßen verliert. Im Café Immi können sie durchschnaufen, Wäsche waschen, eine preiswerte Mahlzeit und - wenn sie keinen Platz in einem Wohnheim wie etwa gleich nebenan an der Bahnstraße 90 haben - auch eine Postadresse bekommen. Denn ohne Anschrift gibt es auch keine Sozialleistungen.

"Eine Bank ist kein Zuhause", hat der SkF seinen Jahresbericht 2015 untertitelt. Erste Erkenntnis von Sozialarbeiter Rainer Sartoris: "Obdachlosigkeit ist in Langenfeld ein weitgehend verdecktes Problem; aber eines was von Jahr zu Jahr an Bedeutung zunimmt." Die Erste Beigeordnete Marion Prell weist dagegen auf die Belegungszahlen in den drei städtischen Aufnahmeeinrichtungen für Obdachlose hin: "Dort sind die Belegungszahlen seit 2012 nahezu unverändert."

312 (Vorjahr: 242) Menschen kamen im Jahr 2015 in die SkF-Beratungsstelle für alleinstehende wohnungslose Frauen und Männer. Viele waren anscheinend hoffnungslos überschuldet. "In solchen Fällen gilt: Am Wichtigsten ist es, die eigene Wohnung zu erhalten", sagt Sartoris. Viele Betroffene setzten die falschen Prioritäten, bedienten zu allererst die Konsumschulden und dächten an ihren Vermieter zuletzt. "Das muss man genau umgekehrt angehen: Erst der Vermieter, dann die Versorger, dann alle übrigen", predigt Sartoris. In jedem Fall aber gilt: Mahnungen nicht ungeöffnet unters Kopfkissen stopfen, sondern das offene Gespräch mit den Schuldnern suchen. So habe man bereits einigen Ratsuchenden die Wohnung erhalten können.

Sind diese vier Wände erst einmal verloren, wird der Weg zurück in eine bürgerliche Existenz mühsam. Deshalb bekommen in Monheim und Langenfeld die Sozialämter vorab Hinweise, falls ein Gerichtsvollzieher eine Räumungsklage durchsetzen soll. Wie Prell versichert der Abteilungsleiter für Ordnung und Soziales im Monheimer Rathaus, Dieter Marx, dass die Ämter versuchten, die Räumung in letzter Minute abzuwenden. "Die Betroffenen müssen sich aber auch von uns helfen lassen." Monheim hat darüber hinaus laut Marx gute Erfahrungen mit zwei so genannten Trainingswohnungen gemacht. Darin üben Obdachlose, wie es ist, wieder in einer eigenen Wohnung für sich selbst zu sorgen. Auch dabei sei die Bereitschaft mitzumachen die Startvoraussetzung. Nicht jeder Wohnungslose bekommt das Angebot, in eine der Trainingswohnungen zu wechseln.

Der Langenfelder Sartoris weist darauf hin, dass es einen Mangel an kleinen und bezahlbaren Wohnungen in der Stadt gebe. Dies gehe aus der Wohnungsmarktuntersuchung des Instituts Gewos für Langenfeld hervor. Bereits Anfang 2015 fehlten demnach 70 solcher Wohnungen in Langenfeld. Anerkannte Flüchtlinge kämen hinzu. Prell hält dem entgegen: "Wir haben jetzt einige Projekte gestartet, die dem entgegensteuern." Auch Flüchtlinge mit einem Aufenthaltstitel würden nicht aus den städtischen Flüchtlingsunterkünften vertrieben, sondern bei der Wohnungssuche von zumeist ehrenamtlichen Helfern unterstützt.

Quelle: RP
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