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Kreis Mettmann
Im Neanderland herrscht nachts tierisches Treiben

Kreis Mettmann. Nicht lange her: Es war eine lauschige Sommernacht. Jörg Iseke saß auf der Terrasse seines Hauses, unweit der Grube Osterholz. Nichts Ungewöhnliches für den Geschäftsführer der Kalkwerke Oetelshofen, der inmitten seines ländlichen Wohnquartiers bestens vertraut ist mit abendlichen Froschkonzerten und nächtlichem Stimmengewirr. Wäre da nicht plötzlich dieser Schrei eines Uhus gewesen. Bis zu diesem Augenblick - der mittlerweile mehr als zehn Jahre zurückliegt - galten die "Könige der Nacht" in den hiesigen Gefilden nahezu als ausgestorben. Mittlerweile haben sie sich ringsum Mettmann, Erkrath und Wülfrath wieder angesiedelt und einige von ihnen werden mit Senderrucksäcken bepackt, um ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Von Sabine Maguire

Was man im romantischen Schummerlicht so alles erleben kann, dürfte die Herzen nicht unbedingt höher, dafür aber schneller schlagen lassen. Da wären schon mal diese reizenden kleinen Glühwürmchen. Da gibt es diese verlogenen Weibchen der Gattung Photuris. Mit einem ausgeklügelten Mimikry-Spiel locken sie artfremde Männchen an, um sie schlicht und einfach zu verspeisen. Aber es gibt sie eben auch noch in harmlos, ausgestattet mit dem Leuchtstoff "Luciferin", der sie strahlen lässt.

Aber nun ist's wirklich genug mit nächtlichen Schauergeschichten und wir fragen in Sachen Nachtleben einfach mal nach bei einem, der es wissen muss. Landschaftspfleger Detlef Regulski kennt sich jedenfalls bestens aus inmitten von Fledermäusen, Eulenvögeln und allem, was des Nachts so durch die Lande "kreucht und fleucht". Und nicht nur das: Er ist gern nachts unterwegs und hält den Menschen selbst für den größten Unhold, der schon seit langem die Nacht zum Tag mache. Lichtverschmutzung heißt das Phänomen, von dem Detlef Regulski sagt: "Viele Tiere kommen darin um oder sind gezwungen, ihr Verhalten anzupassen."

Da wären zum einen die Amseln, die zu noch nächtlicher Stunde in Balzgesänge einstimmen, weil sie die Straßenlaternen nicht vom Sonnenaufgang unterscheiden können. Oder die unzähligen Insekten, die dem menschlichen Beleuchtungswahn zum Opfer fallen. "Bei Füchsen und Rehen muss man sich auch fragen, ob sie freiwillig nachtaktiv werden", macht Detlef Regulski unter anderem dem hohen Freizeitdruck für die tierische Flucht in die Nacht verantwortlich.

"Bei so viel Stress steigt die Aggressivität unter den Artgenossen und irgendwann reicht die Kraft nicht mehr, um die eigene Brut zu versorgen", weiß Detlef Regulski. Aber irgendwo mittendrin in den lauschigen Neanderland-Nächten gibt es sie dann doch noch, die nächtliche Flug- und Kriechgesellschaft. "Allein hier in der Gegend leben über 1000 Nachtfalterarten", plaudert der Landschaftspfleger über die zuweilen auch noch unberührte Natur.

Hinzu kommen possierliche Fledermäuse, Igel und Füchse. Wollen wir all das auch in Zukunft noch erleben, sollten wir vielleicht einfach mal zwischendurch das Licht ausmachen.

Quelle: RP
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