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Analyse
Immer mehr Kinder leben von Hartz IV

Analyse: Immer mehr Kinder leben von Hartz IV
Martina Würker präsentierte im Monheimer Sozialausschuss ernüchternde Zahlen zur Kinderarmut. FOTO: Michael nacke
Monheim. Seit 2012 ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Familien, die Hartz IV beziehen, von 1183 auf 1378 gestiegen. Das berichtete Martina Wörker, Geschäftsführerin des Jobcenters ME-aktiv, Von D. Schmidt-Elmendorff

10,9 Prozent der erwerbsfähigen Monheimer im Alter von 15 bis 65 Jahren beziehen Arbeitslosengeld II, der Kreisdurchschnitt liegt bei 8,7 Prozent. Und während die Anzahl der erwerbsfähigen Leistungsbezieher in Monheim seit Dezember 2012 von 2659 auf 2996 (Dez 2014), also um 12 Prozent, gestiegen sind, betrug der Zuwachs im Kreisdurchschnitt nur fünf Prozent. Dabei machen die 25- bis 49-Jährigen mit 57 Prozent den größten Anteil aus.

Hartz IV beziehen Menschen, die entweder mit ihrem Einkommen nicht über die Runden kommen, oder solche, die langzeitarbeitslos sind. Dabei rechnet das Jobcenter ME aktiv in Bedarfsgemeinschaften (BG). Während - das gesamte Kreisgebiet betrachtet -, die Hälfte dieser "Gemeinschaften" aus einer Person und nur ein Viertel aus drei und mehr Personen bestehen, sind in Monheim fast ein Drittel Familien mit ein und mehreren Kindern. "Wenn es gelingt, die Einzelempfänger in den Arbeitsmarkt zu integrieren, fallen sie als Bedarfsgemeinschaft auch aus unserer Zuständigkeit", erklärte Martina Würker, Geschäftsführerin des Jobcenters ME-aktiv, im Sozialausschuss. "Bei Familien bezieht trotz der Erwerbstätigkeit des Ernährers die BG oft weiterhin Leistungen." Seit 2012 ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen (unter 15 Jahren) in Familien, die Hartz IV beziehen, von 1183 auf 1378 (Dez 2014) gestiegen - ein Plus von 16 Prozent gegenüber sechs Prozent im gesamten Kreis. Überdurchschnittlich stark ist dabei der Anteil der Sieben- bis 14-Jährigen gewachsen (19 Prozent mehr).

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"Obwohl wir jedes Jahr etwa 6000 Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren und 60 Prozent davon länger als ein Jahr in Arbeit sind, ist der Zustrom an Menschen ungebremst", sagte Würker. Inzwischen habe das Jobcenter aber seine personellen Probleme behoben und den üblichen Betreuungsschlüssel erreicht. Denn nur bei einer engen Begleitung könne man Perspektiven entwickeln. Am meisten Fördermöglichkeiten gebe es für Jugendliche, auch wenn das Jobcenter als "Oberspießerbehörde" ihnen natürlich keine besonders behaglichen Angebote mache. Auch Leistungsbezieher über 25, die keinen Berufsabschuss haben, könnten mit Hilfe des Jobcenters eine Erstausbildung machen, aber mit 32 Jahren in einem Betrieb als Lehrling anzufangen, sei "schwierig", und es fehle oft auch der finanzielle Anreiz.

Immerhin 11,9 Prozent der betreuten Leistungsberechtigten seien Menschen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien. In Monheim sind das mit 391 (148 davon in Vollzeit) 13,3 Prozent der Menschen. "Wir leisten dann oft nur knappe Zuschüsse, die meist mit zu teuren Unterkünften oder hohen Heizkosten zu tun haben", sagte Würker.

FOTO: Radowski

Das seit 1. Januar geltende Gesetz zum Mindestlohn habe dem Jobcenter bisher keine Entlastung gebracht, so Würker auf Nachfrage aus dem Ausschuss. Sie habe keine Anträge von Arbeitgebern erhalten, die für die Option einer Befreiung für sechs Monate bereit waren, einen Langzeitarbeitslosen zu beschäftigen.

Angesichts dieser harten Realitäten zeigte sich selbst die Jugend ratlos. "Die Zahlen sind ernüchternd", bemerkte Laura Töpfer (Peto). "Obwohl wir schon ja so viel tun."

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Quelle: RP
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