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Wiescheid
In Stein gehauen

Wiescheid: In Stein gehauen
Ingo Henckels und Doris Wasserrab-Noelte vom Förderverein mit einer der Skulpturen aus Südostafrika. FOTO: Matzerath
Wiescheid. In der Wasserburg Haus Graven sind jetzt die Arbeiten von Bildhauern aus Simbabwe zu sehen. Von Viola Gräfenstein

Afrikanische Trommeln erklingen im Saal der Wasserburg Haus Graven. Doch die traditionelle Musik zur Vernissage passt nur fast zur Ausstellung nebenan. Denn die Schau mit dem Titel "In Stein gehauen - Bildhauer aus Simbabwe" gibt einen Einblick in die moderne Kunst aus dem südostafrikanischen Land. Der Verein Wasserburg Haus Graven hat sich eine Ausnahmeschau ins Haus geholt, die beweist, dass alte Mauern einen spannungsreichen Kontrast zu modernen Skulpturen bilden können.

Die Plastiken aus Serpentingestein stammen von Kunstschaffenden aus Simbabwe, die heutzutage mit ihren Werken in den größten Häusern und Sammlungen der Welt vertreten sind und auf den Weltausstellungen in Sevilla und Hannover für Aufsehen sorgten. Auf der Biennale in Venedig erhielten die Objektkünstler sogar einen eigenen Pavillon. Zur Verfügung gestellt wurden alle Werke von der Kunsthalle Schnake in Münster-Hiltrup.

Zur Vernissage in der Wasserburg bot die Gruppe "AfriCulture" afrikanische Trommelmusik. Die Besucher klatschten spontan mit. FOTO: Förderverein

"Die Auswahl des Rohlings für die Objekte ist für die Künstler von größter Bedeutung. Die Inspiration kommt aus dem Stein selbst", sagt Sammler Eberhard Schnake. Steht der Betrachter vor den Objekten, dann erinnern diese auf den ersten Blick an die Kunst von Max Ernst, Picasso, Henry Moore oder Kirchner. Doppelköpfe, ineinander verdrehte Körper, ausgehöhlte Steine und maskenhafte Gesichter, die in Stein gehauen und mit Feuer, Wasser und Wachs behandelt und geglättet wurden, schmücken die Wasserburg. Dazu zeigt der heimische Bildhauer Gottfried Schmitt einige seine Werke in direktem Vergleich aus europäischer Sicht, die verblüffende Ähnlichkeiten zu den afrikanischen Objekten aufweisen. Allerdings hatten die Afrikaner keine Möglichkeit, die (Kunst-)Welt zu bereisen und zu erkunden. Sie haben mit Hammer und Meißel unter Verzicht auf jegliches elektrisches Gerät die Struktur der Serpentinsteine studiert. "Ich verspüre Seele in den Werken der Künstlerinnen und Künstler", sagte Bürgermeister Frank Schneider bei der Eröffnung. Thomas Hengstenberg, Experte für afrikanische Kunst aus Unna, erkennt in den Arbeiten einen "tiefen Respekt, den die Kunstschaffenden für ihre Steine empfinden". Diese seien "mit dem Herzen erschlossen worden, und man möchte die Objekte fast berühren".

Die Geschichte der modernen Steinskulptur Simbabwes ist noch jung. Sie entstand eher zufällig in den 1950er Jahren, als der Landwirtschaftsberater Joram Mariga einen grünen Stein fand, der ihn so faszinierte, dass er begann, ihn zu bearbeiten. Frank McEwen, Direktor der Rhodesischen Nationalgalerie in Salisbury, erkannte das Potential des jungen Mannes und machte Bildhauererei zu einem Schwerpunkt seiner Werkstattschule. Seitdem gilt die Objektkunst aus Simbabwe als eine der wichtigsten neuen Kunstformen der Gegenwart. "In keinem anderen Land des Kontinents hat es etwas Vergleichbares gegeben. Als Synthese aus Tradition und Moderne hat sie etwas Einmaliges, das sie in ihrer Bewertung unabhängig macht von den Orten ihrer Entstehung", ist Hengstenberg überzeugt.

Quelle: RP
 
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