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Langenfeld/Monheim
Individueller Grabschmuck liegt im Trend

Langenfeld/Monheim: Individueller Grabschmuck liegt im Trend
Der Trend geht zur Kombination von Steinen: Hier arbeitet Steinmetzin Marina Horneber an einem zweigeteilten Grabstein. FOTO: Olaf Staschik
Langenfeld/Monheim. Im November gedenken wir verstärkt der Verstorbenen. Mit dem Wandel der Zeit verändern sich auch die Ruhestätten. Von Daniele Funke

Die Friedhöfe verändern sich. Klassische Erdgräber werden weniger gefragt, Urnengräber - vom Urneneinzelgrab bis zum Baumgrab oder einem Platz im Kolumbarium - umso mehr. Der Trend geht zur Individualität.

Grabstellen Brigitte Dobasis hat 2010 ihren Sohn verloren, seine Asche hat sie in einer biologisch abbaubaren Urne unter einer Säulenhain-Buche auf dem Hildener Südfriedhof beisetzen lassen. Damals wurde der Immobilienmaklerin von der Bestatterin zugesagt, sie könne an einem Findling in Sichtweite der Bäume Grabschmuck ablegen. Mittlerweile sind nur noch Schnittblumen oder bepflanzte Schalen erlaubt. "Ich würde mich nicht wieder für diese Art der Beisetzung entscheiden", sagt Brigitte Dobasis, "denn es ist mir eine Herzensangelegenheit, auch persönliche Dinge dort abstellen zu können."

FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Mit dem Wunsch nach Individualität in der Gestaltung der Grabstelle eines geliebten Menschen steht die Hildenerin nicht alleine da. "Wir stellen auch fest, dass der Trend zu möglichst pflegeleichten Gräbern geht. Familien leben heute oft weit verstreut, oder viele ältere Menschen wollen ihren Kindern nicht die Pflege nach ihrem Tod aufbürden ", erklärt die Hildener Bestattungsmeisterin Anne-Kathrin Kremer: "Dennoch werden Gräber mittlerweile gerne mit einem Foto des Verstorbenen verziert. Besonders beliebt sind auch kleine Engelchen in jeglicher Form."

Grab-Accessoires Ein Trend, den auch Andrea Ende bestätigt, Mitarbeiterin in einem Haaner Discounter. "Kleine Engelchen aus wetterbeständigem Kunststoff, der aussieht wie Stein, mussten wir in den letzten Tagen mehrfach nachbestellen." Zwischen drei und zehn Euro kostet der Grabschmuck, oft verziert mit Sprüchen wie "Geliebt und unvergessen" oder "Liebe ist stärker als der Tod".

"Immer mehr Menschen können sich teuren Grabschmuck einfach nicht leisten oder wollen es auch nicht, weil so viel gestohlen wird", sagt die Verkäuferin aus Erfahrungen mit Kundengesprächen und aus dem privaten Bereich.

Grabsteine Grab-Accessoires bietet der Richrather Steinmetzmeister Martin Pache an. Das Langenfelder Unternehmen gestaltet seit Jahrzehnten individuelle Grabsteine, zunehmend auch kleinere Grabplatten für Urnengräber, zu Preisen ab 700 Euro.

Einen klar erkennbaren Grabsteintrend sieht der Fachmann vor allem in der Steinform und Steinwahl. "Früher wurde ja fast nur Gneis oder Granit, hochglänzender Stein in Felsform, verwendet. Heutzutage tendieren viele Angehörige zu klaren Linien, gerne werden zwei verschiedene Steine miteinander kombiniert. Aber auch Natursteine sind zunehmend beliebter."

Immer mehr seien auch andere Schriftarten gefragt. "Früher gab es ja eigentlich nur die klassische Druckschrift in Großbuchstaben. Heute lieben es die Angehörigen oft verschnörkelt, da wünschen sie sich etwa den Namen des Verstorbenen in Schreibschrift", berichtet der Steinmetz.

Gestecke In der Friedhofsgärtnerei Conen in Monheim hat Mitarbeiterin Gerda Sann derzeit viel zu tun. Alle Gestecke werden handgefertigt, die Stammkunden schätzen die gute Verarbeitung und die Verwendung von Naturmaterialien. "Natürlich kostet bei uns ein Gesteck einiges mehr als zum Beispiel in einem Supermarkt, dafür halten sie dann auch viel länger." Auch um die Winterpflege kümmert sich der Fachbetrieb. "Tannengrün wird viel zur Abdeckung genommen oder auch Bodendecker, deren rote Beeren im tristen Winter Farbtupfer setzen. Es muss auf jeden Fall möglichst pflegeleicht sein", berichtet Gerda Sann.

Grablichter Die klassischen Grabkerzen in rot und weiß sind zeitlos, werden auch in diesem Jahr gerade vor Allerheiligen massenweise gekauft. Während aber die Gärtnerei so gut wie gar keine Nachfrage nach LED-Lichtern sieht, reißen sich die Kunden im Discounter um die 2,95 Euro teure Kunstgrabkerze. Die ist bereits inklusive Batterie.

Satzungsfragen Der Trend zur individuellen Gestaltung, er hat den Friedhof erreicht. Wie weit diese Einzigartigkeit gehen darf, gibt die Friedhofsordnung vor. "Die Gestaltung der Grabstelle muss der Würde des Ortes angemessen sein", betont Bettina Rech vom Hildener Friedhofsamt.

Was das bedeute, sei natürlich Ermessenssache. "Bislang haben wir noch keine Anfragen gehabt, zum Beispiel zu einem Fußballfan-Grab. Wenn dem mal so ist, prüfen wir das. Wir sind den Menschen zugewandt und würden sicher eine Lösung finden."

Quelle: RP
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