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Langenfeld/Mettmann
Insektensterben alarmiert Naturschützer

Langenfeld/Mettmann. Kreis-Beirat befasst sich mit Artenschwund. LVR-Klinik Langenfeld und Nabu verstärken Kooperation. Von Thomas Gutmann

Heute beginnt in Bonn die 23. Weltklimakonferenz. Während es am Sitz vieler UN-Organisationen vor allem darum geht, wie die Erderwärmung gebremst werden kann, macht den Naturschützern im Kreis Mettmann verstärkt das Insektensterben Sorge. Studien, die auf einen teils dramatischen Schwund an Biomasse hindeuten, hatten kürzlich Aufsehen erregt. So ist das Insektensterben auch Thema bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung am Mittwoch im Mettmanner Kreishaus.

Im großen Sitzungssaal, Düsseldorfer Straße 26, lässt der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde ab 19 Uhr über die Frage diskutieren: "Artenschwund - was tun?". Anlass ist unter anderem der Agrar-Report 2017 des Bundesamts für Naturschutz. Darin nennt die Behörde den Zustand der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft alarmierend: "Beispielhaft für den eklatanten Artenschwund stehen die Bestandsrückgänge bei wildwachsenden Pflanzenarten, Vögeln in der Agrarlandschaft und Insekten. Überproportionale Bestandsrückgänge bei den Kleininsekten und Spinnen fressenden Vogelarten lassen indirekt auch auf einen Rückgang der Insekten schließen. Der Trend der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ist anhaltend rückläufig." Am Mittwoch wird Biologie-Professor Werner Kunz (Uni Düsseldorf) über den "Artenschwund durch Überwachsen der Landschaft" referieren. Anschließend berichten Johannes Kircher und Bernd Kneer über ihre Erfahrungen als örtliche Landwirte. Einblicke in Naturschutz und Landschaftspflege mit Bagger, Kreiselmäher und Schafen vermitteln Susanne Heimann von der Naturschutzbehörde des Kreises und Holger Pieren von der Biologischen Station Haus Bürgel in Monheim. Nach den Vorträgen ist Gelegenheit zur Diskussion.

So wichtig Naturschutzgebiete wie die Urdenbacher Kämpe für die Artenvielfalt sind, so nötig ist der Blick über diese hinaus. Etwa auf Parks oder parkähnliche Areale wie das 35 Hektar große Gelände der LVR-Klinik in Langenfeld. Die hat jetzt angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zu verstärken. Dazu zählt die Installation von Insektenhotels, Futterhäuschen und Nistkästen für Vögel und Fledermäuse, die von Patienten in der Ergotherapie gefertigt werden. Geplant sind zudem weitere Blühwiesen und Kooperation beim Bio-Gartenbau. "Wir können uns eine ganze Reihe von weiteren gemeinsamen Projekten vorstellen, die Kooperation soll langfristig sein", sagte Holger Höhmann, Vorstandschef der LVR-Klinik, im RP-Interview.

Laut Michael Hungenberg vom Nabu sind auf dem Klinikgelände bei ersten Begehungen Tierarten gesichtet worden wie Eichhörnchen, Igel, Grünspecht, Waldkauz, Rotkehlchen, Wildbienen oder Libellen. "Das weitere Spektrum soll ab Frühjahr 2018 beobachtet und kartiert werden", sagte Hungenberg im selben RP-Gespräch. Wie sehr die Tiere (und letztlich der Mensch) auf Artenvielfalt angewiesen sind, macht der Naturschützer am Beispiel der ebenfalls auf dem Klinikgelände lebenden Fledermäuse deutlich: Diese nähmen je Nacht etwa 30 Prozent des eigenen Körpergewichts an Nahrung zu sich. "Eine Zwergfledermaus, die zirka fünf Gramm wiegt, erbeutet pro Nacht rund 1000 Stechmücken."

Quelle: RP
 
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