| 12.50 Uhr

Monheim
Jedem sein eigenes Nest

Düsseldorf. Standort und Bau des Nestes ist bei jeder heimischen Vogelart unterschiedlich. Doch geschützt müssen die Behausungen sein, damit nach einigen Wochen neues Leben aus den Eiern schlüpfen kann. Von Ingrid Knebel

"Alle Welt fühlt sich gehoben, blinzelt glücklich schräg nach oben und bewundert die Natur…" – wie trefflich fabuliert Erich Kästner über den Frühling und spricht vielen aus der Seele. Endlich hat dieser nicht enden wollende Winter kapituliert. Helligkeit und überall sprießendes Grün wecken die Lebensgeister. Für Vogelmänner beginnt nun eine schwere Zeit: Sie müssen nicht nur ihr Balzritual abspulen, um ein Weibchen zu bezaubern, sie müssen auch noch für ein passables Nest sorgen, damit erfolgreich gebrütet werden kann.

Ins gemachte Nest setzen

Ähnlich wie bei den Menschen, gibt es aber solche und solche unter den Ehemännern. Eulen und Falken zum Beispiel haben mit Nestbau nicht viel am Hut. Sie setzen sich quasi lieber ins gemachte Bett. Bevorzugt nehmen sie hoch oben in Pappeln verlassene Krähennester. Und Falken verschmähen auch nicht die vom Menschen aufgehängten Nisthilfen.

Manche der Brutplätze sind so versteckt, dass man fast aus Versehen über sie stolpert. So saß an einem Gartenteich mit naturbelassenem Umfeld in einer Mulde ein Stockentenweibchen im Gras auf den Eiern. Wenig heimlich, dafür aber sehr ungewöhnlich, konnte im vorigen Jahr am Benrather Schlossweiher das Nest von pfiffigen Teichhühnern beobachtet werden. Einige Zweige einer Platane reichten fast bis zur Wasseroberfläche. Und dort wurde ein Nest gebaut und sogar noch mit einer Plastiktüte "geschmückt".

Ebenfalls gerne in der Nähe von Gewässern nisten die größten und auffallendsten heimischen Vögel, die Schwäne. Ihr Nest, das enorme Dimensionen hat, wird außen von groben Stöcken gehalten, während es innen mit feinem und morschem Holzmaterial ausgepolstert ist. Obwohl wildlebende Vögel scheue Wesen sind, leben manche ganz gern in unmittelbarer Nachbarschaft von Menschen: zum Beispiel Meisen, Amseln, Schwalben und Mauersegler. Meisen profitieren von den ihnen zur Verfügung gestellten Nistkästen und bereiten dem Nachwuchs aus Moos und Tierhaaren ein weiches Bett.

Doch auch in diese geschützten Höhlen kehrt manchmal vorzeitig der Tod ein. Wenn einem Elternteil etwas passiert, ist der Partner gezwungen, die Brut aufzugeben. Rauchschwalben haben es besonders schwer. Sie brüten nämlich innen in Ställen und Schuppen. Zum einen finden sie kaum noch feuchten Lehm für den Nestbau, zum anderen gibt es nur noch wenig landwirtschaftliche Betriebe mit offenen Räumen.

Unter das Dach geklebt

Da haben es die Mehlschwalben schon leichter. Ihre Nester kleben außen unter dem Dach an der Hausfassade. Auch künstliche Nisthilfen werden von den Tieren gern genommen. Doch am Haus eines Vogelfreundes in Baumberg haben Mehlschwalben noch nicht die zwei piekfeinen Wohnungsangebote entdeckt. Als Ausgleich dafür hat ein Spatzenpärchen den enttäuschten Vogelfreund entschädigt und zwischen Holzabdeckung und Dachrinne einen Platz für die Familie gefunden.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Monheim: Jedem sein eigenes Nest


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.