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Langenfeld
Jung erklärt Alt das Smartphone

Langenfeld: Jung erklärt Alt das Smartphone
Ein Gerät mit sieben Siegeln? Nicht mehr für Gertrud (65). Jan-Philip (16) hat's ihr erklärt. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld. Im Langenfelder CBT-Haus können Senioren bei Schülern den "Handy-Führerschein" machen. Von Thomas Gutmann

Mehr als 40 Jahre war Christel mit einem IT-Fachmann verheiratet. Natürlich nicht in erster Linie mit einem IT-Experten, aber dieser steckte eben auch drin in ihrem Mann. Dann, vor einem halb Jahr, starb ihr Gatte, und die Langenfelderin stand plötzlich alleine da mit ihrem Smartphone. "Im Grunde weiß ich nichts", sagt die 75-Jährige über ihre Kenntnisse im Umgang mit dem Samsung. Anna-Maria aus der neunten Klasse der Felix-Metzmacher-Schule, die neben ihr sitzt, weiß der alten Dame zu helfen.

Vom Ein- und Ausschalten über die Anrufliste bis zur Nutzung des Nachrichtendienstes WhatsApp erklärt die 15-Jährige der 60 Jahre Älteren alle wichtigen Funktionen ihres Handys. So wie die beiden sitzen an diesem Nachmittag ein gutes dutzend weitere Pärchen in verschiedenen Räumen des CBT-Wohnhauses an der Eichenfeldstraße: jeweils Jung und Alt, wobei Jung Alt das Mobiltelefon erklärt. "Handy-Führerschein" nennt sich die Aktion, die das Caritas-Heim viermal im Jahr im Rahmen der generationsübergreifenden "Quartiersarbeit" anbietet.

"Die Resonanz wird immer besser", sagt Marita Furthmann-Baur. Die 65-Jährige, bis vor einem Jahr Lehrerin an der Metzmacher-Schule, rief das Projekt vor fünf Jahren ins Leben. "Diesmal mussten wir sogar zwei Termine anbieten, um alle Angemeldeten in einer Eins-zu-eins-Betreuung unterzubekommen", sagt sie stolz.

Begonnen wird jedes Mal kurz in großer Runde. Im Stuhlkreis stellt sich jeder vor, die Senioren fügen noch hinzu, wo es zwischen ihnen und ihrem Handy hakt. "Mein 34-jähriger Sohn hat mir Facebook darauf eingestellt, aber jetzt leider keine Zeit mehr, mir beizubringen, wie ich es nutzen kann", sagt zum Beispiel Brigitte. Inge hat sich ihr Gerät "schon so oft" von ihren Kindern erklären lassen, aber "das meiste immer noch nicht richtig verstanden". Und Christa findet "Verschiedenes auf dem Handy nicht mehr wieder".

Dann schnappen sich Dustin, Sarah und die anderen Neuntklässler jeder einen Senior, und los geht's. Gertrud (65) etwa holt ein Ohrstöpselpaar aus ihrer Handtasche. Jan-Philip (16) zeigt ihr, wie sie es beim Telefonieren oder Musikhören mit ihrem Tastenhandy benutzen kann. Carsten (16) hat Hans (80) und Iris (70) erklärt, wie sie den Stand ihres Prepaid-Guthabens abrufen können.

"Jetzt möchte ich noch wichtige Telefonnummern speichern", sagt Iris und hält ihrem jungen Handy-Lehrer einen Zettel mit der Nummer von Freundin Sigrid hin.

Nach etwa anderthalb Stunden mit reichlich Input, etwas Kaffee und Plätzchen wissen die Senioren mehr über ihr Handy - und die Jugendlichen haben sich ein Zertifikat fürs Engagement außerhalb des Unterrichts verdient.

"Wichtiger ist mir aber die Begegnung über die Generationen hinweg", sagt Organisatorin Furthmann-Baur: "Die Schüler erzählen nachher oft, wie freundlich und dankbar die alten Menschen waren. Und die Senioren zeigen sich immer wieder angetan von der Höflichkeit der Jugendlichen."

Christel sagt das auch über Anna-Maria, die mal Ärztin werden will. "In dem VHS-Kursus, den ich besucht habe, waren so viele, die mit ihrem Handy schon richtig umgehen konnten", berichtet die alte Langenfelderin. "Da habe ich gar nichts verstanden" Ganz anders hier im CBT-Haus: Wegen der Eins-zu-eins-Betreuung habe sie einiges mitgenommen. "Ich kann jetzt auf jeden Fall schon mal telefonieren, und sogar ein paar Sachen mehr."

Quelle: RP
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