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Katholiken öffnen sich für Protestanten

Analyse: Katholiken öffnen sich für Protestanten
Weiter so, Kirche! Pastoralreferent Detlef Tappen und Konzilstags-Mitorganisatorin Anneliese Schwarz mit einer Aufbruch verheißenden Papierfahne der Langenfelder Künstlerin Brigitte Loschert. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Aus der Not eine Tugend machen - das wollen Vertreter beider Konfessionen in Zeiten von kleiner werdenden Gemeinden sowie von Um- und Rückbau von Kirchenstandorten. Ein katholischer "Konzilstag" in Richrath gab jetzt Hinweise darauf, wohin die Reise geht. Von Thomas Gutmann

Noch einige Tage werden sie in St. Josef und in St. Martin hängen: neun "Fahnen", die die Langenfelder Künstlerin Brigitte Loschert gestaltet hat. Die geradezu kalligraphisch anmutenden Arbeiten aus Stoff und Papier sind nicht wetterfest, doch die Worte, die sie in den Kirchenraum schreiben, dürften beinahe ewig Bestand haben: "Woher - Wohin", "Sehnsucht", "Mut" und "Aufbruch" etwa. Loschert schuf sie zum 50. Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65). Sie taugen aber auch als Wegweiser für die katholische Pfarrgemeinde St. Josef und Martin im 51. nachkonziliaren Jahr. Dieses starke Signal geht von einem "Konzilstag" aus, den die Gemeinde am Samstag veranstaltete.

Etwa 120 der rund 24 000 Langenfelder Katholiken trafen sich im Richrather Pfarrheim, um sich in Vorträgen und Foren einerseits mit dem Reformkonzil zu befassen, das vor einem halben Jahrhundert "katholische Kirche und Aufklärung miteinander versöhnt hat", wie es die Religionslehrerin Anneliese Schwarz (59) formuliert. Um sich andererseits aber auch den Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen. "Weiter.Gehen" stand auf dem Ortsschild, mit dem Schwarz und ihr federführender Mitorganisator Detlef Tappen (57) für den Tag geworben hatten. Darunter - durchgestrichen mit breitem Ortsausgangsrot - "2. Vatikanisches Konzil".

Wie sieht es nun aus im künftigen Ort "Weiter.Gehen" rund um die Kirchtürme Langenfelds? Der Konzilstag gab unter anderen diese drei Hinweise:

Ökumene In Richrath dürften Katholiken und Protestanten zusammenrücken - wenn auch zunächst nur während der Bauzeit für ein verkleinertes Heim der Evangelischen Gemeinde. "Wir werden ihr wahrscheinlich einen Teil unserer Räumlichkeiten als Ausweichquartier anbieten", sagt Pastoralreferent Tappen. Aber auch für eine dauerhafte gemeinsame Nutzung dieser und weiterer Immobilien zeigen sich Vertreter der Pfarre aufgeschlossen. "Wir wollen mit der Evangelischen Kirche ins Gespräch kommen", erklärte in einem Neujahrsempfangs-Grußwort im Anschluss an den Konzilstag Guido Boes (52), im Kirchenvorstand zuständig für Liegenschaften. Nicht nur von der Entfernung, sondern auch vom Gemeindeleben her sind beide Konfessionen gerade in Richrath ohnehin schon nah beieinander. "Hier herrscht Ökumene auf Augenhöhe - großartig", freut sich Christof Bleckmann (51), der in Reusrath lange anderes gewohnt war. Der evangelische Pfarrer war beim Konzilstag dabei und führte den Kölner Referenten Rainer Fischer nach dessen Forum zur "Ökumene-Brücke" zwischen St. Martin und der Lukaskirche.

Öffnung Am kommenden Freitag werden Vertreter der Pfarre und des Erzbistums darüber entscheiden, welcher Architektenentwurf für das neue City-Pfarrzentrum neben St. Josef verwirklicht werden soll. "Die schreckliche Mauer kommt weg", sagt Tappen. Für den dann öffentlich zugänglichen Pfarrgarten ist ein Café geplant, Einrichtungen wie Bücherei oder Weltladen rücken in den Blick der Passanten. 2017 dürfte das Zwei-Millionen-Euro-Projekt verwirklicht werden.

Gottesdienste Zugleich will sich die Gemeinde auch mit ihren Angebotsformen verstärkt dem nichtkatholischen Milieu öffnen, etwa durch Projektchöre. Neue Ideen zur Liturgie ergab ein Planspiel "Das 3. Konzil", in das sich rund 20 Gemeindemitglieder einbrachten. "Wir wünschen uns mehr Themen- und Schwerpunktgottesdienste, von der Bußfeier bis hin zur Jugendmesse", berichtet Daniel Klaas (21), einer der Leiter des Planspiels.

Quelle: RP
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