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Langenfeld/Wiescheid
Kinder erwecken Steine zum Leben

Langenfeld/Wiescheid. In einem Volkshochschul-Kursus auf der Wasserburg Haus Graven lernen Kinder, aus Steinen Skulpturen zu hauen. Von Viola Gräfenstein

Weißer Staub und Steinbrocken bedecken den Boden des Innenhofes der Wasserburg Haus Graven. Unter einem weißen Zelt hauen, feilen und raspeln acht Jungen und zwei Mädchen an weißen Steinblöcken herum. Zum Schutz gegen springende Steinsplitter tragen sie Brillen und Kittel. Zehn Ytong-Blöcke stehen zur Bearbeitung auf Getränkekisten bereit. Innerhalb von vier Tagen versuchen die Kinder in dem VHS-Kursus "Kann man Bilder hauen?" aus einem groben Stein mit Hammer und Meißel ein Kunstwerk zu machen. Alle Kinder arbeiten zum ersten Mal mit Steinblöcken. Ideen für ihre Motive haben sie sich in der afrikanischen Skulpturenausstellung geholt, die derzeit auf der Wasserburg zu sehen ist.

"Hier haben sie sich mit Objektkunst vertraut machen können. Danach haben sie ihr Lieblingsmotiv aufgezeichnet und einige haben zunächst eine Skulptur geknetet, um die Dreidimensionalität zu verstehen. Es ist schwer, sie auf einen Stein zu übertragen", erklärt Laura Schäfers, die den Workshop der VHS-Langenfeld begleitet und die Kinder mitbetreut. Nick arbeitet an einem Gesicht. "Ich möchte ein abstraktes Gesicht mit einem Arm und einem Bein machen. Das habe ich in der Skulpturenausstellung gesehen", sagt der Elfjährige. Mia hat sich eine Skulptur mit zwei Herzen und einer Blume in der Mitte auf Papier aufgezeichnet. Das überträgt sie jetzt auf ihren Steinblock. "Das eine soll aus dem anderen hervorlugen, das ist gar nicht so einfach", sagt die Zehnjährige. Maria hat sich für einen Fisch entschieden. Raphael macht aus seinem Block eine Kugel. Mit einer Raspel feilt er den Stein glatt. "Von eckig zu rund zu arbeiten fällt mir schwer. Da kann ja immer etwas abbrechen", sagt der Schüler.

Gottfried Schmitt leitet den Workshop. Der Steinbildhauer und gelernte Steinmetz arbeitet seit Jahren als Objektkünstler in Langenfeld. Einige seiner Werke sind auch in der derzeitigen Ausstellung zu sehen. "Ich möchte den Kindern zeigen, wie man einen Stein zum Leben erwecken kann", sagt der Künstler. Dabei ist die Technik das A und O, denn mit einem verkehrten Schlag kann jeder Stein schnell kaputt gehen. "Das Schwierige ist, die richtige Schlagstelle bei einem Stein zu finden." Etwas, was für alle Bildhauer die größte Herausforderung ist. "Man muss den Stein zuvor richtig studieren. Mit dem Hammer testet man, ob es Schwachstellen gibt. Klingt er dumpf oder hohl, dann kann er brechen", sagt Schmitt. Weil ein Marmor- oder Sandsteinblock die Kosten des Workshops gesprengt hätte, arbeiten die Kinder mit weißen Ytong-Steinen. "Das Material ist weicher und gut zu bearbeiten. So schafft man ein Kunstwerk auch in relativ kurzer Zeit".

Am dritten Tag ist Nick mit seiner Skulptur fast fertig. "Ich habe das Bein abgehauen. Nur mit Arm finde ich mein Gesicht viel schöner", sagt der Elfjährige lachend. Nick, Raphael, Mia, Maria, Henry und die fünf anderen können sich gut vorstellen, an einem weiteren Workshop teilzunehmen. "Wir haben hier viel gelernt, und es macht einfach Spaß, Steine zu hauen", sagt Mia.

Quelle: RP
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