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Langenfeld
Klaus Leisten trotzt der Zeit

Langenfeld: Klaus Leisten trotzt der Zeit
Klaus Leisten feierte jetzt seinen 70. Geburtstag. Stiefschwester Hanne Hobe schenkte ihm eine Uhr. FOTO: rm
Langenfeld. Der Langenfelder hat das Down Syndrom und ist ein medizinisches Wunder. In den 1950er Jahren hatten Menschen wie er eine Lebenserwartung von 20 Jahren. Mit 70 Jahren zählt er weltweit zu den ältesten Menschen mit Trisomie 21. Von Daniele Funke

Zugegeben: Der selbstgebastelte Gutschein über eine Pommes mit Currywurst ist ein wenig schief gefaltet, im Wort "Geburtstag" fehlt ein "t". Aber all das zählt nicht, denn ganz eindeutig ist dieser Gutschein mit größter Ausdauer und Liebe zum Detail entstanden. Jeder Buchstabe ist in einer anderen Farbe gemalt, das weiße Papier beklebt mit bunten Dekokugeln. "Schön?", fragt Anja, als sie ihrem Freund und Mitbewohner Klaus ihr Geschenk überreicht und strahlt dabei über das ganze Gesicht, das vor lauter Aufregung ganz rot ist. Klaus strahlt zurück, seine leicht schrägen blauen Augen blitzen glücklich unter dem faltigen Gesicht hervor. "Ja schön", sagt Klaus und steckt mit seiner unbändigen Freude über das tolle Präsent die vielen Geburtstagsgäste um sich herum an.

Der Jubilar ist 70 Jahre geworden, der Aufenthaltsbereich der Wohngruppe, in der Klaus seit 25 Jahren lebt, platzt aus allen Nähten. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, die vielen Besucher - darunter viele andere geistig behinderte Bewohner der Lebenshilfe - feiern "ihren Klaus". "Der Klaus", schwärmt Angelika aus der Wohngruppe gegenüber. Ihre beiden Mitbewohner Steffi und Michael nicken eifrig. "Der kann soooo schön Musik machen". Und dann fällt ihr noch etwas ganz Besonderes zu Klaus ein. "Der Klaus" - Angelika giggelt und auch Steffi fängt schelmisch zu grinsen, "der schellt immer bei den Nachbarn und trinkt da Kaffee". Zum Geburtstag haben sie ihrem Freund einen Käsekuchen gebacken. "Da hat er sich wahnsinnig drüber gefreut", erzählt Hanne Hobe, die Stiefschwester von Klaus. Und dann scheint es, als würde sie um Fassung ringen. "Wenn ich das hier beobachte, diese Menschen, dieses liebevolle Zuhause der Lebenshilfe, dann geht mir das Herz auf."

Als Klaus am 4. August 1947 geboren wurde, lag seine Lebenserwartung bei maximal 20 Jahren. Seine Mutter starb, als er gerade zwei Jahre alt war. Der Vater heiratete wenige Jahre später die Mutter von Hanne Hobe. "Ich hatte plötzlich einen kleinen Bruder und fand den total süß. Dass er anders war, habe ich gar nicht so registriert. Und auch meine Mutter nahm in sofort wie ihr eigenes Kind an." Damals gab es in der Gesellschaft keinen Platz für Menschen mit Behinderung, keine Schulbildung, keine Arbeit. Erst mit 35 Jahren begann Klaus erstmalig in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten, die Mutter hatte große Angst, den jungen Mann loszulassen. "Sie sagte, ,Hitler hat die auch alle umgebracht, wer weiß was ihm dort geschieht'", erinnert sich die 75-jährige Schwester.

Klaus hat die Mundharmonika herausgeholt. Mit dem ersten Ton versinkt er in der Musik. Seine Begeisterung über den Applaus ist schier grenzenlos, er strahlt wie ein Kind. Dann zeigt der ehemalige Mitarbeiter der Garten- und Landschaftspflege eine zweite Armbanduhr, die er geschenkt bekommen hat. "Oh, wunderschön", schwärmt der Uhrensammler und streichelt liebevoll über das Zifferblatt. Die Aussprache ist undeutlich und oft unverständlich, seine Mimik allein aber sagt alles. Und dann ist da noch eine zweite große Leidenschaft: der BVB. Das neue schwarze T Shirt mit gelben Buchstaben hat der 70-Jährige direkt angezogen. "Ich finde Fußball doof", sagt Anja. "Klaus und ich gehen immer die Hörzu kaufen, das macht Spaß", findet sie. "Ne Klaus?" Heidemarie Busch, eine der Betreuerinnen in der Wohngruppe, räumt das Geschirr in die Spülmaschine. "Gestern Abend haben wir wirklich sehr um Klaus gebangt. Er hustete plötzlich und war schlimm verschleimt. Er hat die Nacht im Krankenhaus verbracht", erzählt die Lebenshilfemitarbeiterin. Hanne Hobe ergänzt. "Ich hatte fürchterliche Angst. Aber als ich ihn heute Morgen im Krankenhaus besuchte, stand er da angezogen und frisch rasiert und meinte, er sei wieder gesund. So ist er. Ein Stehaufmännchen. Es gibt keinen lieberen und freundlicheren Menschen als unseren Klaus."

Quelle: RP
 
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