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Langenfeld/Monheim
Kleine Waffenscheine: Zahl schnellt hoch

Langenfeld/Monheim. Im ersten Halbjahr stellte der Kreis 1330 Berechtigungen für Gas- und Schreckschusspistolen aus. 2015 waren es 204. Von Stephan Meisel

Die Berichte über die Silvesterattacken in Köln und anderen Großstädten haben bei vielen Menschen Angstgefühle verstärkt, Gewalttätern schutzlos ausgeliefert zu sein. Deswegen haben immer mehr Leute eine Gas- oder Schreckschusspistole bei sich, wenn sie das Haus verlassen. Die Zahl der dafür notwendigen "kleinen Waffenscheine" ist 2016 im Kreis Mettmann gestiegen wie nie zuvor. "Im ersten Halbjahr bis Ende Juni waren es 1330 Stück", sagt Polizeisprecherin Claudia Partha auf Anfrage. Zum Vergleich: In ganz 2015 waren es nach ihren Angaben 204 kleine Waffenscheine.

Über die Gründe des Anstiegs mochte Partha nicht spekulieren. Warum sich jemand eine Gas- oder Schreckschusspistole zulegt, werde nicht statistisch erfasst. Doch der Leitende Polizeidirektor Manfred Frorath sieht einen deutlichen Zusammenhang mit den Silvesterattacken. "Allein in den ersten vier Januarwochen wurden mehr als 600 kleine Waffenscheine beantragt, überwiegend von Frauen."

Als Inhaberin eines Langenfelder Waffengeschäfts hatte im Januar auch Sigrid Wurmann diese verstärkte Nachfrage nach frei verkäuflichen Waffen bestätigt. "Weniger bei den Gas- und Schreckschusspistolen als bei Reizgas- und Pfefferspray sowie Elektroschockern, Mitteln zum Selbstschutz, die in die Handtasche passen." Den weiteren rapiden Anstieg im ersten Halbjahr mochte Wurmann nicht kommentieren, verwies auf den Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB). Dessen Geschäftsführer Ingo Meinhard hatte auf Anfrage zwar keine absoluten Verkaufszahlen der Branche parat. "Aber nicht erst seit Silvester, sondern bereits nach den Terroranschlägen in Paris vom November haben die Leute aus einem irrationalen Gefühl der Angst alles gekauft, was frei erhältlich ist. Dabei kommen Gott sei Dank nur die allerwenigsten Menschen tatsächlich mal in eine Notlage, in der sie sich hiermit wehren müssen." Auf diese Diskrepanz zwischen Angstgefühl und tatsächlicher Bedrohungslage weist auch Manfred Frorath hin. Der Leitende Polizeidirektor rät von Gas- und Schreckschusspistolen oder auch Pfefferspray in der Handtasche ab. "Wenn man den Umgang mit solchen Waffen nicht gewöhnt ist, kann die Handhabung in Stresssituationen problematisch werden. Und das Pfefferspray kann vom Angreifer aus der Hand gerissen und gegen einen selbst eingesetzt werden." Stattdessen empfiehlt Frorath, besser eine so genannte taktische Taschenlampe oder ein Alarmgerät mit schrillem Ton bei sich zu haben. Diesem Rat schließt sich VDB-Chef Meinhard an.

Nach seinen Erkenntnissen lassen viele Inhaber eines kleinen Waffenscheins ihre Pistolen zu Hause, um sich etwa gegen einen nächtlichen Einbrecher zu schützen. "Das klack-klack des Durchladens einer Schreckschusspistole unterscheidet sich nicht von einer scharfen Waffe. Wenn das ein auf schnelle Beute bedachter Einbrecher hört, ist er ganz schnell weg." Zum Selbstschutz unterwegs eigne sich besser eine taktische Taschenlampe. "Sie ist mit etwa zehn Zentimeter Länge super handlich. Wer mit bis zu 1000 Lumen einen Angreifer blendet, setzt ihn erst einmal minutenlang außer Gefecht." 60 bis 100 Euro koste solch eine Taschenlampe, für etwa zehn Euro sei ein bis zu 120 Dezibel lauter Schrillalarm zu haben. "Wie bei den kleinen Waffenscheinen hat die Nachfrage rapide zugenommen."

Quelle: RP
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