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Langenfeld/Monheim
Klimpergeld wird unbeliebter

Langenfeld/Monheim: Klimpergeld wird unbeliebter
FOTO: Jens Schierenbeck
Langenfeld/Monheim. Ginge es nach manchen Kunden, würden Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft. Andere achten "auf jeden Cent". Von Valeska von Dolega und D. Schmidt-Elmendorff

Wer in Skandinavien oder bei den Nachbarn in den Niederlanden einkauft, kennt das Prinzip des Auf- oder Abrundens. "Hoffentlich wird das auch irgendwann mal in Deutschland eingeführt", sagt Roland Aalbers. In Ratingen kennt man ihn als den "Holländer", an der Bechemer Straße betreibt er einen Obst- und Gemüsehandel. Centgenaues Abzählen ist oft quälend langsam. "Vor allem, weil viele die Ein- und Zwei-Cent-Münzen schwer voneinander unterscheiden können."

Ginge es nach Peter Hilgenberg von der Bäckerei Schüren, die auch eine Filiale in Langenfeld betreibt, würde diese Art Kleingeld "sofort abgeschafft werden". Eine Abschaffung könne jedoch nur bundesweit funktionieren. Deshalb glaubt Hilgenberg auch nicht an das Experiment der Stadt Kleve am Niederrhein: Seit dem 1. Februar schaffen 70 Firmen, die im City-Netzwerk organisiert sind, besagtes Kleingeld ab. Vorteile dieser Maßnahme kann Lutz Strenger, Sprecher der Kreissparkasse Düsseldorf, leicht aufzählen: Kunden haben weniger Kleingeld im Beutel, Händler haben weniger Zählaufwand - und weniger Kosten bei der betreuenden Bank, wenn das Münzkleingeld gutgeschrieben wird.

Die Institutionen, die für den Geldverkehr zuständig sind, haben selber dazu beigetragen, dass sich der Umgang mit Münzgeld - also die Ver- und Entsorgung - so verteuert hat, weil es für sie "lästig und gefährlich ist", sagt Heinz Hövener, Betreiber von insgesamt vier Edeka-Lebensmittelmärkten in Langenfeld und Monheim. Deshalb habe er inzwischen ein Geldtransportunternehmen dafür engagiert. In seiner Branche sei er allerdings immer auf genügend Kleingeld angewiesen, deshalb müsse er oft Geld dazukaufen: "Für eine 50-Cent-Rolle mit 1-Cent-Münzen muss ich dann aber 60 bis 65 Cent zahlen."

Betriebswirtschaftlich betrachtet ist die Herstellung eines Ein-Cent-Exemplars unrentabel, in der Produktion kostet das Stück nämlich 1,6 Cent, erläutert Thomas Besting, Sprecher der Sparkasse Hilden, Ratingen, Velbert (Sparkasse HRV). Im Trend liege ohnehin die bargeldlose Bezahlung. Entwickelt wurden selbst für Kleinstbeträge entsprechende Verfahren: Bei Bäcker Schüren zum Beispiel kann auch der Minibetrag per "Girogo"-Karte für Kleckerbeträge beglichen werden. "So bleibt das lästige Kleingeld aus dem Portemonnaie." Und die Wartezeiten an der Kasse reduzieren sich. Die Idee mit dem Auf- und Abrunden ist nicht neu. Allerdings sind davon nicht alle begeistert. "Da gibt es einige, die auf jeden einzelnen Cent achten", sagt Sparkassen-Mann Thomas Besting. Sein Kollege Lutz Strenger zitiert eine Erhebung der Deutschen Bundesbank. "Eine Umfrage 2015 ergab, dass fast 70 Prozent der Bundesbürger die bisherigen Münzstückelungen für gut befinden." Abgesehen davon könne man Kunden nicht bevormunden und ihnen vorschreiben, auf Geld zu verzichten.

Quelle: RP
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