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Monheim
Kostbare Antiquitäten locken die Monheimer

Monheim. Schon als Kind hatte Barbara Kurzreuther eine Vorliebe für alte Sachen. Heute hat sie einen Antiquitätenladen und vermietet Zimmer. Von Isabel Klaas

Barbara Kurzreuther umgibt sich gerne mit alten Dingen. "Mit Dingen, die Wert haben", sagt sie, "nicht mit so einem Billigkram aus Asien, den man in jedem Geschenke-Laden kriegt." Ihre Vorliebe gilt alten Meistern, Bauhaus-Design, Bronze-Skulpturen, Silbersachen und Schmuck. Im April 1992 machte sie diese Leidenschaft für Antiquitäten zu ihrem Beruf und eröffnete gegenüber vom ehemaligen Krankenhaus in der Altstadt ihr erstes Geschäft für Altertümchen. "Ich war im Steuerbüro an der Turmstraße beschäftigt und sah dieses leerstehende Ladenlokal . . .", erzählt sie, "da bin ich eingezogen mit meinen Sachen. Dann habe ich einfach vergessen, wieder aufzuhören."

Heute hat sie ihr Antiquitätengeschäft immer noch an der Turmstraße aber hinterm Turm vom Rathaus aus gesehen, wo sich in letzter Zeit viel getan hat: Cafés, Kneipen, Gaststätten - dort ist die Mittfünfzigerin in bester Gesellschaft. Ein bisschen ist Barbara Kurzreuther eine Institution auf ihrer Straße. Die Ladentür ist immer weit geöffnet und lädt zum Schwätzchen ein. Jeder ruft etwas hinein oder kommt zum Stöbern vorbei. So wie Walter Kosten und Ingrid Werner, die fast täglich reinschauen immer wieder eine hübsche Kleinigkeit zu Trödelmarktpreisen finden. Obendrein ist Kurzreuther immer entspannt, gut aufgelegt und hat einen Witz parat.

Die Vorliebe für Antiquitäten liegt ihr im Blut, sagt sie. "Schlesische Vorfahren von mir sollen in einem Schloss gelebt haben. Und ich habe schon als Kind kleine Sammlungen von Sachen angelegt, die andere weggeworfen hatten. Ich habe die dann aufgearbeitet."

Mit den Jahren hat sich Kurzreuther von Experten viel Fachwissen über Antiquitäten angeeignet. Und so bietet sie denn auch wertvolle Schränke, echte Teppiche, altes Porzellan, Kristall, echtes, altes Küchenleinen, Vasen und Besteck an. Viele Sachen stammen aus Haushaltsauflösungen, andere ersteigert sie, wieder anderes verkauft sie in Kommission.

"Eigentlich kaufe ich lieber an, als dass ich verkaufe", gesteht sie. Am leichtesten trennt sie sich von schönen Dingen, wenn ihr die Käufer sympathisch sind. Bei ihr einzukaufen, ist ein bisschen, wie Mutter oder Oma einen schönen alten Kerzenleuchter abzuschwatzen.

Ihre Ankauf-Auswahl trifft Barbara Kurzreuther mit Fachkenntnis und Bauchgefühl. "Ich schau mir alle Angebote an und entscheide dann, was ich für meinen Laden brauchen kann. Oft kann ich schlecht nein sagen, wenn die Menschen, die etwas anbieten, so nett sind", sagt sie. Auch zu Hause in Burscheid liebt sie es nostalgisch. Ihr Privatleben verbringt sie zwischen historischem Fachwerk, an das sie bisweilen selbst Hand anlegt, streicht und repariert.

Ein Traum ist für Barbara Kurzreuther bereits in Erfüllung gegangen: ihr Antiquitätenladen. Ein anderer ist noch in Arbeit. "Ich hätte gerne ein kleines Hotel", sagt sie. Auf dem Weg dahin ist die Sammlerin bereits, denn seit Jahren vermietet sie Zimmer in der Altstadt und am Gartzenweg an Feriengäste, Messebesucher und ausländische Arbeitnehmer, die vorübergehend in der Umgebung arbeiten.

Da strahlt sie und berichtet von netten Asiatinnen, die sie bei sich einquartiert hat, von dem Marokkaner, der seinen Gebetsteppich mitbrachte, oder von polnischen Gästen, die sich in ihr Herz geschlichen haben und denen sie alte Fahrräder besorgte, damit sie außerhalb der Arbeitszeit mobil sind.

"Ich fühle mich manchmal wie eine Herbergsmutter", sagt sie. Übrigens: Ihre Gäste wohnen in Kurzreuthers Antiquitäten. Nicht selten kaufen sie die Rembrandt-Kopie, an die sie sich während ihres Aufenthalts in Monheim so sehr gewöhnt haben oder die hübsche alte Murano-Vase, die das Pensions-Zimmer geziert hat.

Quelle: RP
 
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