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Kreis Mettmann
Krieg in Syrien erschüttert Schüler

Kreis Mettmann: Krieg in Syrien erschüttert Schüler
Hubertus Koch zeigt seinen Film und spricht mit den Schülern in der Mensa der Sekundarschule. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Kreis Mettmann. Der Filmemacher Hubertus Koch kommt in Schulen, um seine Dokumentation zu zeigen und zu berichten. Von Gökçen Stenzel

Es ist ein besonderes Schicksal, das die Siebtklässler der Hildener Sekundarschule bewegt: Der Junge, den die Kamera einfängt, ist elf Jahre alt, und in einem anderen Umfeld wäre nichts Ungewöhnliches an ihm. Dieser Elfjährige trägt aber ein Maschinengewehr. Er ist Soldat in der "Freien Syrischen Armee", die nun seine Familie ersetzt, die nicht mehr lebt. "Mir war tagelang ganz anders und sehr merkwürdig zumute", sagt Hubertus Koch, "nachdem ich diesen Jungen kennen gelernt hatte."

Der 26-jährige Journalist und Filmemacher war jetzt in der Sekundarschule zu Gast, um seinen Dokumentationsfilm "Syrien - ein schwarzes Loch" zu zeigen und mit den Schülern zu diskutieren. Die hatten sich das Thema und den Besuch selbst gewünscht: Der Krieg und seine schrecklichen Auswirkungen beschäftigt sie auch im Unterricht immer wieder.

Lehrerin Astrid Kierdorf und Schulleiterin Sabine Klein-Mach luden den Bonner Hubertus Koch daraufhin ein, "und wir haben uns sehr gefreut, dass er uns tatsächlich zusagte", so Schülerin Sara. Was sie alle nun zu sehen bekamen, waren Bilder von Zerstörung, Leid und Elend in unvorstellbarem Ausmaß. Im März 2014 reiste der damals 24-Jährige ins syrische Flüchtlingslager Bab Al-Salameh an der türkischen Grenze. Er begleitete einen Hilfstransport in das Lager und hielt mit seinen Kameras fest, was er sah.

In der anschließenden Runde machte Koch klar, dass er mit seinem Film nicht etwa den Krieg erklären wollte. Nach den Kriegsursachen fragten die Schüler aber dennoch, und Koch erklärte die komplizierten Zusammenhänge bis hin zu den Pariser Anschlägen. "Warum haben wir bis zu den Anschlägen so wenig über den Krieg erfahren?", wollte Schülerin Ahlam wissen. "Der Krieg war für uns lange Zeit weit weg und ist nun ganz nah", antwortete Koch. Er selbst hatte sich in das Lager aufgemacht, "weil ich nicht fassen konnte, dass sich niemand hier dafür interessiert. Dass niemand sich verantwortlich fühlt, dass keiner etwas dagegen macht." Vorher war er Sportmoderator.

Ob er Angst gehabt habe in Syrien? Ja, sicher. "Kurz bevor ich dort ankam, war der IS aber zurückgeschlagen worden und mein Besuch in dem Lager recht sicher. Sonst wäre ich wohl nicht aus der Türkei weiter ins Lager gefahren." Koch warb um Verständnis für die hier ankommenden Flüchtlinge, die Kinder. An der Sekundarschule gibt es derzeit kein Flüchtlingskind: Sie sind entweder in den Grundschulen und in der Internationalen Klasse am Evangelischen Schulzentrum untergekommen. Möglich, dass sie später auch auf andere Schulen verteilt werden. Dennoch wollen die Schüler helfen. "Wir wollen Kartons für Bedürftige hier in Hilden packen", kündigt Sabine Klein-Mach einen aktuellen Elternbrief an. "Sie sind nicht nur, aber eben auch für Flüchtlingskinder gedacht."

Nach Syrien wird Koch so schnell nicht wieder reisen. "Nein", antwortet er auf eine entsprechende Frage.

Quelle: RP
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