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Langenfeld
Kunstverein zeigt Bilder aus Kroatien

Langenfeld. Im Rahmen des städtischen Mottojahres stellt der Kroate Fulvio Juricic seine Werke im Kunstraum aus. Die Retrospektive zeigt seine künstlerische Entwicklung der letzten 25 Jahre. Von Dorian Audersch

Seine wohl düsterste Schaffenszeit hatte Fulvio Juricic Anfang der 1990er Jahre. Der gebürtige Kroate erlebte damals den Zerfall seines Heimatlandes Jugoslawien - und die damit verbundenen Kriege. Ein guter Freund von ihm litt zudem an einer schweren Krankheit. Chaos, Unsicherheit und Trauer verarbeitete er an der Leinwand. Für ein Bild, erzählt er, sei ihm Schwarz nicht schwarz genug gewesen. Also habe er auf Teer zurückgegriffen, um das in die Leinwand genähte Leinentuch zu färben.

Zu sehen ist das Werk aus dem Zyklus "Schwarzes Segel" in der Ausstellung, die bis zum 22. Mai im Kunstraum des Kulturzentrums läuft. Die Werkschau zeigt eine Retrospektive des Künstlers, der seit mehr als 25 Jahren enge Kontakte zum Kunstverein pflegt. Die Verbindung zu der Künstlergruppe aus Pula kam über einen jugoslawischen Kulturverein in Langenfeld zustande, der sich auch dem kreativen Austausch widmete. Es gab wechselseitige Ausstellungen und Besuche.

Eine Zeit lang war sogar eine Städtepartnerschaft mit Pula angedacht. Dann kam der Krieg - und veränderte alles.

"In diesen Jahren ist trotzdem eine besondere Freundschaft entstanden, die bis heute anhält", meint Beate Domdey-Fehlau, Kuratorin des Kunstvereins. "Wir freuen uns sehr, dass wir im Rahmen des Kroatien-Jahres diese Ausstellung im Programm haben." Die Rückschau auf die Entwicklung des Künstlers sei nicht nur spannend, sondern zeige auch eine interessante Entwicklung. "Fulvio Juricic hat sich in seinen Werken verschiedenen Themen genähert und dabei immer auch einen Teil seiner Gefühlswelt abgebildet."

Neben den Farbflächen, die meist mit wilden Linien und oft auch mit einer Modellierpaste gestaltet sind, sind oft auch maritime Symbole zu erkennen. Vor dem Krieg widmete sich der heute 62-Jährige auch der Schönheit des Meeres, das er in der Küstenstadt täglich vor Augen hatte. Blaue und grüne Farbtöne prägen die Bilder. Es gibt bildhafte Zeichen, die an Segel erinnern. Weite Horizonte sind ebenfalls ein Leitmotiv. Anfang der 1990er Jahre bildet sich der informelle Malstil weiter aus. Die Werke werden spontaner, düsterer und verlieren das Bildhafte. Auffällig sind dabei die Nähte, die sich mit grober Schnur durch die Leinwände ziehen - als müssten sie die Bilder zusammen halten. "Das war der politischen Situation in meiner Heimat geschuldet", erinnert sich der Kroate. Der Zerfall Jugoslawiens beschäftigte den Künstler immer wieder. Die Farbe tritt in den Hintergrund, bis hin zu völliger Dunkelheit. "Es war eine schwierige Zeit für mich, meine Familie und meine Freunde", sagt Juricic.

Nicht nur sein Heimatland sei zerfallen, sondern auch ganze Familien und Freundeskreise. "Das hat sich auch auf meine Kunst ausgewirkt."

Nach dem Jahrtausendwechsel orientiert sich der Künstler neu. Statt kräftiger Malerei gibt es nun auch grafische Elemente in seinen Bildern. Sie erinnern an eingeritzte Kritzeleien. Aus zunächst einfachen Linien und Kreidespuren wird ein dichtes Geflecht von Zeichen. Zunehmend bilden sich Textfragmente heraus. Es sind einzelne Buchstaben zu erkennen, die allerdings keinen Sinn ergeben. Für ihn ist das eine Anspielung auf die moderne Kommunikation im Internetzeitalter, die seiner Meinung nach oft aus "viel reden und nichts sagen" besteht. "Die heutigen Kommunikationswege sind faszinierend, aber irgendwie auch erschreckend", sagt er. "Ich kann die Welt nicht verändern, aber ich kann zeigen, wie ich sie sehe."

Quelle: RP
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