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Langenfeld/Monheim
Kutscher: Wir sind keine Tierquäler

Langenfeld/Monheim: Kutscher: Wir sind keine Tierquäler
Kutscherinnen des Reitbetriebs Schnitzler machen eine Tour durch Langenfeld. Verbotsforderungen von Tierschützern halten sie für abwegig. FOTO: Matzerath
Langenfeld/Monheim. Hiesige Fahr- und Ausbildungsbetriebe weisen Verbotsforderungen von Tierschützern nach einer Reihe von Unfällen mit Kutschen zurück. Von Petra Czyperek

Herbert Reuter (53) ist mit Pferden aufgewachsen. Seine Familie betreibt in der vierten Generationen eine Kaltblutzucht auf Haus Bürgel in Baumberg. Und seit den 1970er Jahren organisierte sein Vater Planwagenfahrten. Schon als kleiner Junge saß Herbert Reuter auf dem Kutschbock: "Ich bin da reingewachsen". Deshalb betrachtet er die Diskussion, eine Führerschein-Pflicht für Kutschen einzuführen, wie sie nach einer Reihe schwerer Unfälle gefordert wird, mit Skepsis. "Wer vorher keinen Umgang mit Pferden hatte, lernt das nicht mal eben in drei Wochen", weiß der Züchter und Landwirt.

Ähnlich sieht es Andrea Schnitzler, Leiterin des gleichnamigen Reit- und Fahrbetriebs in Langenfeld. Um professionell fahren zu können, bedürfe es mehrerer Lehrgänge. "Anfänger brauchen ein halbes Jahr, bis sie eine Kutsche sicher lenken können". Schnitzler sowie die Landesreit- und Fahrschule in Langfort bieten eine solche Ausbildung inklusive Prüfung an. Der nächste Termin Am Weißenstein ist vom 19. bis 24. Oktober. Dafür komme extra der ehemalige Landestrainer Stefan Stehle nach Langfort. Er bringe Kutsche und Pferde mit, erläutert Trainerin und Stallmeisterin Ute Schulze. Das Fahrabzeichen, häufig auch "Kutschenführerschein" genannt, würde mit zwei gut ausgebildeten und verkehrssichereren Tieren und einer vierrädrigen Kutsche gemacht. "Wir fahren auf der Straße." Weitere Lehrgänge gibt es für angehende Pferdewirte. Bei deren Ausbildung gehöre das Kutschfahren dazu, erläutert Schulze. Habe der Reiter direkten Körperkontakt zum Pferd, müsse er die Tiere auf dem Bock gut beobachten und könne sie nur über die Leine und mit seiner Stimme lenken.

Acht rheinisch-deutsche Kaltblüter stehen in Reuters Stall. Alle Tiere werden ab einem Alter von drei Jahren für Planwagen und Kutsche ausgebildet. "Nicht nur der Fahrer muss es können!" Rund ein Jahr lang lässt der 53-Jährige seine Pferde den Wagen durch die Auenlandschaft und im Straßenverkehr ziehen, bevor zahlende Gäste einsteigen. "Erst dann sind die Tiere sicher und ohne Scheu."

Meistens bewegt jeweils ein eingespieltes Gespann pro Saison den Planwagen, in dem bis zu 16 Kinder und Erwachsene Platz haben. Er wird von Schulklassen, für Familienfeiern oder auch bei den Bürgeler Aktionstagen gebucht. Kaltblüter würden extra für solche Lasten gezüchtet, räumt Reuter mit dem Vorwurf von Tierschützern auf, das sei Tierquälerei. Diese hatten ein generelles Verbot von Pferdekutschen gefordert. Kaltblüter könnten aber - anders als Ponys oder kleinere Pferde - das dreifache ihres Eigengewichts von rund 850 Kilogramm ziehen. "Das sind drei Tonnen", sagt Reuter. Man müsse in der Diskussion deshalb differenzieren. "Selbst wenn der Planwagen voll besetzt ist, erreicht man nicht einmal die Hälfte dieses Gewichts." Schnitzler ergänzt, Kutschpferde würden in der Regel weniger "verschlissen" als Reitpferde. "Natürlich brauchen sie Pausen und dürfen nicht stundenlang in der Hitze stehen."

Quelle: RP
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