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Langenfeld
Landwirte beklagen den Landverbrauch

Langenfeld: Landwirte beklagen den Landverbrauch
Bauerntreffen in Langenfeld: Norwich Rüße, Martin Dahlmann, Ophelia Nick und Jutta Velte (v. li.) diskutierten über Ausgleichsflächen und den Einsatz von Düngemittel. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Die Kreisbauernschaft hatte Landtags-Grüne eingeladen, um einen Dialog über Pacht, Familienbetriebe und den Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie Nutztierhaltung im Kreis zu sprechen. Von Dirk Neubauer

Experiment gelungen - ganz am Ende war Landwirt Josef Aschenboich zufrieden, im Rahmen des Möglichen jedenfalls: "Ich glaube, mit unserer Veranstaltung konnten wir unseren Gästen reichlich Stoff zum Nachdenken mit auf Weg geben." Der grüne Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag, Mehrdad Mostofizadeh, die Landtagsabgeordnete Jutta Velte und die grüne Tierärztin Ophelia Nick wünschten sich zum Abschied eine baldige Fortsetzung des Dialogs.

Dass es zwischen klassischen Bauern und klassischen Grünen schon beim ersten Termin zu einer Verbrüderung kommen würde, hatte niemand erwartet. Dennoch wollte die Kreisbauernschaft einen Gesprächsfaden zur grünen Landtagsfraktion in Düsseldorf aufnehmen. Denn da sind viele Themen, bei denen beide Seiten stirnrunzelnd der jeweils anderen gegenüberstehen. Und weil es um die Praxis gehen sollte, hatte Aschenbroich seine Maschinenhalle ausgeräumt, Stühle dort aufgestellt, auf denen über den Kreisbauernausschuss rund 100 Standeskollegen Platz nahmen. Insgesamt vertritt die Kreisbauernschaft rund 800 Landwirte.

Aus Sicht der Landwirte einer der dringendsten Punkte: der Mangel an landwirtschaftlichen Flächen. Während sich Investoren Parzelle um Parzelle sichern, können viele Bauern die Pacht nicht mehr zahlen und haben das Nachsehen. Dass der Grüne Landwirtschaftsminister Johannes Remmel nun auch noch die Regeln für Ausgleichsflächen verschärfen will, bringt Bauern zum Brodeln. Statt im Verhältnis 1:1 sollen nach Remmels Willen für jeden Quadratmeter Bauland vier Quadratmeter Fläche renaturiert werden. Wohlgemerkt - nicht mit landwirtschaftlicher Fläche, sondern mit Wald und Biotopen. "Das nimmt uns bäuerlichen Familienbetrieben, die wir auf Pachtflächen angewiesen sind, die Luft zum Atmen", klagte einer der Zuhörer. Lachende Dritte seien Agrargroßunternehmen. "Wollen Sie als Grüne das?"

Auch dass die Bauern ihre Flächen überdüngten, zu viele Gifte gegen Unkraut und Insekten einsetzten und für die Verseuchung des Grundwassers verantwortlich seien, müsse richtiggestellt werden - fanden die Bauern.

"Mal ganz davon ab, dass keiner von uns ein Interesse daran hat, mehr Geld als unbedingt nötig in diese Mittel zu investieren", sagte Gastgeber Aschenbroich. Ein Vertreter des Langenfeld-Monheimer Wasserwerks bescheinigte den örtlichen Bauern einen sparsamen Umgang mit Dünger und Pestiziden. Die im Grundwasser festgestellten Werte gingen seit Jahren zurück.

Natürlich versuchten die Grünen ihrerseits, die Bauern von der biologisch ausgerichteten Landwirtschaft zu überzeugen. Das kam aber nicht bei jedem Zuhörer gut an, besonders als klar wurde, dass ein Biobauer auf dem Podium lediglich einen Nebenerwerbsbetrieb führte: "Wir müssen von unserer Arbeit eine Familie ernähren, die häufig aus mehreren Generationen besteht", hielt einer der Landwirte dagegen.

Das Thema der Massentierhaltung war demgegenüber schnell vom Tisch. Im Rheinland sind die Betriebsgrößen und Haltebedingungen deutlich kleinteiliger als in den Großbetrieben in Westfalen oder Niedersachsen.

Quelle: RP
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