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Langenfeld
Langenfeld diskutiert über Sozialwohnungsbau

Langenfeld: Langenfeld diskutiert über Sozialwohnungsbau
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld. Taugt Monheim mit seiner neuen städtischen Gesellschaft als Vorbild? Die Antwort entzweit Linkskatholiken und CDU. Von Alexander Riedel

Die Lösungsansätze sahen verschieden aus, in der Problemanalyse jedoch herrschte Einigkeit: "Ist das Soziale in Gefahr?" lautete die Fragestellung, über die Vertreter Langenfelder Verbände und Parteien jetzt in der "Martinsklause" an der Richrather Straße diskutierten. Und ihre Antwort lautete eindeutig: "Ja!"

Stephanie Krone vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) etwa berichtete von einer steigenden Kinderarmut in Langenfeld und einer großen Scham unter betroffenen Familien, staatliche Leistungen in Anspruch zu nehmen. Matthias Beck von der Arbeiterwohlfahrt beklagte einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Wegen hoher Mieten und Nebenkosten müssten viele Familien inzwischen die Hälfte ihres Netto-Einkommens für die Wohnung aufbringen. "Da bleibt wenig Geld für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben."

Zum Wohnungsbau gab es in der Gesprächsrunde, zu der der Städteverband Langenfeld/Monheim der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eingeladen hatte, die erste Kontroverse: Während Hans-Georg Ibold (KAB) kritisierte, Langenfeld habe im Gegensatz zu einigen Nachbarstädten versäumt, eine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen und dieses Feld der Privatwirtschaft überlassen, betonte CDU-Ratsherr Rolf Kamp: "Wir wollen keine Wohnungsbaugesellschaft, weil sie ein Fass ohne Boden wäre und eine Zentralisierung des Wohnungsbaus bedeuten würde." Gegensätzliche Auffassungen gab es auch zum bedingungslosen Grundeinkommen, das die KAB fordert. "Wir müssen weg vom auf Sanktionen aufgebauten Hartz IV-System", bekräftigte der KAB-Diözesanvorsitzende Uwe Temme. Die Digitalisierung verringere die Zahl der Arbeitsplätzen. Schon jetzt müssten zu viele arme Menschen beim Staat betteln. Der menschliche Drang, "mehr zu wollen", werde die Motivation, trotz Grundeinkommen arbeiten zu gehen, aufrecht erhalten. Wenig überzeugt von der Idee zeigte sich hingegen Awo-Mann Beck: "Das liefert den falschen Anreiz." Die wesentliche Stellschraube zur Verbesserung der sozialen Situation sei die Bildung. Skeptisch reagierte auch SkF-Frau Krone auf den Vorstoß: Statt eines Grundeinkommens forderte sie Gratis-Mittagessen an allen Schulen und Kitas sowie eine bessere Ganztagsbetreuung für die Kinder alleinerziehender Eltern.

Massive Kritik übten die Redner an der schwarz-gelben NRW-Landesregierung: Die habe zum Beispiel die Unterstützung für das Qualifizierungsprojekt "Schritt für Schritt", das Langzeitarbeitslosen zugute kam, aufgekündigt, sagte Krone. Und Beck ergänzte: "Es wird immer schwerer, Förderungen für Projekte zu bekommen." Für Diskussionsstoff sorgte auch die Bürgerversicherung, für die die KAB ebenfalls eintritt. Am Schluss fasste Moderator Rainer Pfuhl (KAB) zusammen: "Wir brauchen eine Gesinnungserneuerung, die soziale Frage ist bei vielen Menschen nicht mehr in den Köpfen." Auch wenn die Teilnehmer der Debatte letztlich nicht die eine ultimative Lösung präsentieren konnten, betonte Kerstin Hoffmann, Vorsitzende des KAB-Städteverbands Langenfeld/Monheim: "Es ist gut, Ideen zu haben, und die sollten wir mit Elan weiterführen."

Quelle: RP
 
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