| 10.53 Uhr

Anlage an der A59
Langenfeld gibt Windkraft-Pläne auf

Anlage an der A59: Langenfeld gibt Windkraft-Pläne auf
CDU-Mitglied Johannes Sühs ist erfreut über die Absage an Windräder in Berghausen. Der Wasserski-Unternehmer hatte eine schwere Beeinträchtigung des Naherholungswerts seiner Freizeitanlage durch WKA befürchtet. FOTO: Matzerath/Archiv
Langenfeld. Zusammen mit Monheim wollte die Stadt fünf Anlagen an der A59 ermöglichen. Jetzt hat sie ihren Ausstieg verkündet. Von Heike Schoog

Mit einer schlichten Presseerklärung verabschiedet sich die Stadt Langenfeld gut einen Monat vor den Kommunalwahlen von ihren Windkraftplänen in Berghausen. "Da wir weder den Trinkwasserschutz noch den Artenschutz an dieser Stelle ignorieren, werden wir uns endgültig von diesem Alternativ-Standort verabschieden", erläutert Bürgermeister Frank Schneider (CDU) diesen Schritt. Er bezieht sich dabei auf einen Zwischenbericht der Bezirksregierung zum Artenschutz auf diesem Gelände. Danach ist eine der geplanten Windkraftanlagen (WKA) aufgrund des Fledermausaufkommens nicht zu verwirklichen.

Bei der Bezirksregierung reibt man sich angesichts dieser Verlautbarung verwundert die Augen. "Nach unserem Kenntnisstand hat die Stadt Langenfeld ihr Änderungsverfahren am 17.12.13 aufgegeben", schreibt Bernd Hamacher, Sprecher der Bezirksregierung. Warum Trinkwasser- und Artenschutz jetzt zur Begründung herangezogen würden, konnte man gestern bei der Landesbehörde nicht nachvollziehen. Bürgermeister Schneider findet diese Sicht der Dinge "völlig unverständlich. Wenn dem so wäre, hätten wir frühzeitig gesagt, dass wir unsere Pläne aufgeben", sagt er und zitiert ein Schreiben der Bezirksregierung aus Januar 2014, worin die Ergänzungsstandorte für Windräder behandelt werden.

Ursprünglich waren auf Langenfelder Stadtgebiet zwei Anlagen vorgesehen, jede bis zu 200 Meter hoch. Eine sei bereits aus Trinkwasserschutzgründen verworfen worden, die zweite nun zum Schutz der Arten. Günter Herweg, Bürgermeisterkandidat der Grünen, reagierte gestern mit Befremden auf das Vorgehen der Stadt. Er vermutet, dass die Absage an die Windkraft dem Wahlkampf geschuldet ist. "Man muss genau hinterfragen, warum sich die Stadt ausgerechnet jetzt aus der Windkraft verabschiedet", sagt Herweg mit Blick auf die Konkurrenzpartei BGL, die im Wahlkampf bei windkraft-kritischen CDU-Wählern hätte punkten können. Erst müsse das gesamte Gutachten vorliegen. Der Politiker wirbt deshalb dafür, das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans für die Anlagen zu Ende zu bringen.

Frank Schneider sieht keine Chance mehr für Windkrafträder. FOTO: rm-

In der Windkraftkonzentrationszone Reusrath, in der ältere Pläne wegen einer Höhenbegrenzung praktisch auf Eis liegen, steht laut Herweg ein Rechtsstreit an: "Es gibt einen Investor für eine Anlage dort." Der klage jetzt gegen den Kreis, der für die WKA-Genehmigung zuständig ist. Kreissprecherin Anne Grassberger bestätigte dies gestern.

Bürgermeister Schneider zweifelt gleich generell an der Genehmigungsfähigkeit von Windkraftanlagen in Ballungsräumen wie der Rhein-Ruhr-Schiene. Grund: die "große Zahl an zu beachtenden Parametern". Sollten sich jedoch "einschneidende Veränderungen in diesen Verfahren" ergeben, müsse der Rat in der nächsten Wahlperiode noch einmal prüfen. Aktuell erkennt Schneider keine Chance für Windkraftanlagen - auch nicht in Monheim.

Dessen Bürgermeister Daniel Zimmermann sieht die Lage entspannt. "Es gibt die Problematik von Arten- und Trinkwasserschutz", räumt er ein. "Allerdings ist unsere Fläche größer als die Langenfelder, so dass wir weiter daran festhalten, eine, vielleicht sogar mehrere Windkraftanlagen zu installieren", sagt der Peto-Politiker. Bislang waren insgesamt fünf Anlagen entlang der A 59 geplant - davon drei auf Monheimer Gebiet. "Man muss für jede einzelne Anlage prüfen, wie weit sie vom Verbandswasserwerk entfernt ist und wo die Fledermaus-Kolonien sind", erläutert Zimmermann. Zudem müsse die Wirtschaftlichkeit untersucht werden. Udo Jürkenbeck, Chef der Monheimer Elektrizitäts-und Gaswerke (Mega), sieht noch Möglichkeiten, Windräder aufzustellen. "Wenn wir entsprechende Auflagen beachten, könnte das gehen." Die Trinkwasserschutzzone 3a sei ohnehin unkritisch.

Für Markus Gronauer, Chef der Monheimer CDU, ist der Langenfelder Ausstieg aus den Plänen nur die logische Konsequenz aus der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Er geht nicht davon aus, dass Windräder in Langenfeld oder Monheim in den Genuss einer Förderung kommen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Anlage an der A59: Langenfeld gibt Windkraft-Pläne auf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.