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"Bananensprayer" in Langenfeld
Kunstverein verteidigt Ausstellung mit umstrittenem Erdogan-Bild

Langenfeld: Kunstverein verteidigt Erdogan-Bild von Bananen-Sprayer Thomas Baumgärtel
"Das Bild ist entstanden, nachdem Jan Böhmermann sein Schmähgedicht geschrieben hat", erklärt Baumgärtel. FOTO: Matzerath, Ralph
Das Erdogan-Bild von Künstler Thomas Baumgärtel, der für seine gesprayten Bananen bekannt ist, provoziert Diskussionen. Anfangs hatte Bäumgärtel keine Galerie gefunden, die bereit war, das Bild auszustellen. Die Kuratorin des Kunstvereins Langenfeld verteidigt ihre Entscheidung.  Von Sandra Grünwald, Langenfeld

Es ist kontrovers und provokant, und es hängt nun in einer neuen Ausstellung des Kunstvereins Langenfeld - ein Erdogan-Bild von Thomas Baumgärtel. Der als "Bananensprayer" bekannte Künstler ist zurzeit mit einer Einzelausstellung in Langenfeld vertreten. Und zeigt dort eine Arbeit, die Türkeis Präsidenten in gebückter Haltung mit einer Banane im After abbildet.

"Ich habe das Bild einen Tag, nachdem Jan Böhmermann sein Schmähgedicht veröffentlicht hat, gemacht", erzählt der Künstler, der in Rheinberg geboren wurde und in Köln lebt und arbeitet. "Das Gedicht ist ja in seiner Art und seinem Ausdruck eine kunstvolle Aktion gewesen, die leider niemand verstanden hat." Der Fernsehmoderator Jan Böhmermann hatte Ende März ein Schmähgedicht über Erdogan vor laufenden Kameras verlesen, sich vom Gesagten aber gleichzeitig distanziert. Das ZDF nahm die Sendung dennoch aus seiner Mediathek, zudem stellte Erdogan Strafantrag wegen Beleidigung.

Keine Galerie wollte das Bild zeigen

Als in der Böhmermann-Affäre schließlich diskutiert wurde, was Kunst darf und was nicht, habe er mit seinem Bild zeigen wollen, "wie man es nicht machen sollte", erklärt Thomas Baumgärtel. Von seiner ursprünglichen Idee, das Bild ins Internet zu stellen, habe ihm ein Künstlerkollege abgeraten. Man befürchtete Übergriffe. Zudem fand Baumgärtel niemanden, der das umstrittene Bild zeigen wollte. "Alle Galeristen haben davon Abstand genommen", sagt er. Allein der Langenfelder Kunstverein war nun bereit, das Erdogan-Bild auszustellen.

Thomas Baumgärtel, bekannt als "Bananensprayer", scheut bei seiner Ausstellung in Langenfeld auch Provokationen nicht. FOTO: RALPH MATZERATH

Sie wolle auch den politisch engagierten Künstler Thomas Baumgärtel der Öffentlichkeit vorstellen, sagt Kuratorin Beate Domdey-Fehlau - bekannt ist der Künstler bislang weltweit vor allem für seine Bananen-Graffiti, die er an die Eingänge von Kunstmuseen und Galerien sprüht. "Seine Bilder sind nicht nur Spaß und Provokation, sondern sie greifen auch brandaktuelle politische Themen und Skandale auf", sagt Domdey-Fehlau. Darum habe sie auch das Erdogan-Bild zeigen wollen. Die türkische Botschaft in Berlin sowie das Generalkonsulat in Düsseldorf äußerten sich trotz Anfragen unserer Redaktion nicht zu der Ausstellung.

"Kunst hat einen politischen Auftrag"

"Kunst hat einen politischen Auftrag", sagt Domdey-Fehlau. "Kunst ist auch Politik." Dass Künstler heute in Deutschland Angst haben müssten, ihre Werke zu zeigen, empfinde sie als äußerst beängstigend. "Wer es nicht sehen will, braucht es sich nicht anzuschauen", sagt die Kuratorin. Aber die Freiheit der Kunst gehe über alles. 

Die Ausstellung "Politische Bilder" ist bis 6. November im Kunstverein Langenfeld, Kulturzentrum, Hauptstraße 135, zu sehen. Geöffnet dienstags, freitags und samstags 10 bis 13 Uhr, donnerstags 15 bis 20 Uhr und sonntags 15 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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