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Langenfeld verschrottet seinen Juki-Bus

Langenfeld: Langenfeld verschrottet seinen Juki-Bus
FOTO: Stadt Langenfeld
Langenfeld. Scheiben undicht, Anlasser defekt, Betreuungsaufwand hoch - das städtische Spielmobil hat seine Tage hinter sich. Von Thomas Gutmann

Seine Artgenossen fahren zur "Götsche" oder nach "Langenfeld, Marktplatz" - bei ihm steht einfach nur "JuKi" auf der Stirn. Auch was das Herumrollen angeht, ist dieser Bus seit 13 Jahren ein Sonderling. Fast eine Million Kilometer hat der 27-Jährige auf dem Tacho, doch das meiste davon dürfte er in seinem Vorleben als Linienbus abgespult haben. Denn der Langenfelder "Jugend- und Kinderbus", so sein vollständiger Name, steht mehr, als dass er fährt. Das sollte er auch, doch jetzt ist das Problem: Der Juki steht nur noch. Deshalb haben sie jetzt im städtischen Jugendhilfe-Ausschuss den Daumen gesenkt: Der Bus wird verschrottet.

Die Politiker trafen die Entscheidung schweren Herzens, das sah man ihnen an. Jahrelang fuhr der Juki-Bus unter der Regie des städtischen Kinderhauses unter anderem Grundschulen, Kitas und Sportanlagen an. Mit Tisch- und Outdoor-Spielen sowie Bastelmaterial. Doch seit anderthalb Jahren zeigt er verstärkt Verschleißerscheinungen: "Er wurde seit 2015 nur noch selten eingesetzt", berichtet der städtische Fachbereichschef Ulrich Moenen. Jugendamtsleiterin Elke Burg zählt seine Gebrechen (die des Busses) auf: Heizung defekt, Scheiben undicht, springt nicht mehr an. "Es war zuletzt immer was kaputt." So kaputt, dass selbst seine Vorbesitzerin, die Rheinbahn, die ihn gut kannte, ihn nicht mehr habe reparieren wollen.

Seit drei Monaten steht der Mercedes-Spross in der Werkstatt von Marleaux an der alten B 8. "Der Kostenvoranschlag lautet - nur für die Inbetriebnahme - auf 10.000 Euro", sagte Elke Burg im Ausschuss. "Hinzu käme mindestens noch die Beseitigung von Schäden durch einen Einbruch." Dem Juki bleibt auch nichts erspart, seufzten da die Politiker und ließen sich durch weitere Argumente von seiner Notschlachtung überzeugen.

Angefangen hatte alles im April 2004, gerade für Kinder ein Datum aus grauer Vorzeit, Angela Merkel war noch nicht mal Kanzlerin. Eben noch Rheinbahner, wurde der Bus außen lustig angemalt, innen seiner Sitzbänke entledigt und auf "Juki" getauft. Statt der Bänke kamen eine Bastel- und eine Entspannungsecke sowie eine Kochnische und reichlich Spiel-Platz hinein. Ein Spielmobil, das in den Folgejahren neben Schulen und Kitas zum Beispiel auch bei Festen und Ferienaktionen zum Einsatz kam.

"Doch das Konzept, das der Juki-Bus zugleich Werbung fürs Kinderhaus macht, ist leider nicht aufgegangen", sagt Burg. Die Kinder hätten gerne in und an dem Bus gespielt, kaum eines wäre deshalb jedoch in die Freizeiteinrichtung am Winkelsweg gekommen. Für die Jugendarbeit sei so ein Bus schon gar nicht geeignet, meint Ulrich Moenen: "Nimmt die eine Clique ihn in Beschlag, dann ist er für die anderen gestorben." Soviel also zum Revierabgrenzungsverhalten adoleszierender Homo sapiens.

Hinzu kommt: Auch ein Juki fährt (und bespaßt) nicht von allein. Der Personalaufwand sei besonders deutlich geworden beim Einsatz vor Flüchtlingsunterkünften, berichtet Burg. Schließlich sei auch bei Kinderbelustigung auf Rädern Betreuung nötig. "Da war der Andrang riesig, und wir standen vor der Entscheidung: Öffnen wir heute das Kinderhaus oder woanders den Juki-Bus?"

Der wird nun begraben - damit auch das Konzept? Nach den Worten von Fachbereichs-Chef Moenen sieht es ganz danach aus: "Die Grundschulen haben dank Ogata heute selbst genug Spielzeug."

Bustouren samt Stellplatz-Suche seien da einfach nur unpraktisch. Auch die Rückfahrt mit dem Juki habe sich gelegentlich als schwierig erwiesen.

Einmal, bei einer Auswärtsfahrt in Düsseldorf, habe sogar ein Taxi zum Geleit angeheuert werden müssen, um den orientierungslos gewordenen Fahrer aus der Großstadt herauszuführen.

Quelle: RP
 
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