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Langenfeld
Langenfelderin studiert Medizin - mit 51 Jahren

Langenfeld: Langenfelderin studiert Medizin - mit 51 Jahren
Die 51-jährige Gaby Monjau aus Langenfeld studiert Medizin an der Düsseldorfer Uni und steht kurz vor dem ersten Staatsexamen. FOTO: RALPH MATZERATH
Langenfeld. Früher war sie Lektorin, jetzt steht Gaby Monjau vorm Staatsexamen. Eine behinderte Tochter motivierte sie zur zweiten Karriere. Von Isabel Klaas

"Du kannst nicht zu Oma, die muss in die Uni..." Wenn Selina (25) diesen Satz zu ihrem Söhnchen Noah sagt, muss sie immer lachen. Dass ihre 51-jährige Mutter Gabi Monjau gerade vor dem ersten Staatsexamen in Medizin steht, findet die junge Mutter, die selbst noch studiert, großartig. "Sie hat schon, als ich noch ein Kind war, davon geschwärmt, Ärztin zu werden", sagt Selina. "Es ist so toll, dass sie es nun wirklich macht."

Dabei hat Gaby Monjau, die fünf Jahre für die Grünen im Langenfelder Rat saß, schon ein komplettes Studium in Geschichte und Germanistik absolviert, war Lektorin in Leitungsposition in einem Kölner Fachverlag. Ein Schicksalsschlag führte sie auf neue Pfade und brachte sie letztlich ihrem Kindheitstraum näher. 2005 wurde ihre zweite Tochter Fiona schwer behindert geboren. "Ich musste mich umorientieren. Ein Ganztagsjob in der Medienbranche passte nicht mehr", sagt Gaby Monjau. Von vornherein war ihr klar, dass sie auch mit einem behinderten Kind nie ganz zu Hause bleiben würde. Das Studium ist für sie eine Quelle der Energie und Freude, auch "wenn ich wegen Fiona ziemlich hinterher zockele", sagt sie. "Wo andere zwei Semester für brauchen, brauche ich sechs."

2007 bekam sie ihren Studienplatz in Düsseldorf und musste erst mal wegen ihrer Tochter ein Urlaubssemester einlegen. "Die Frage ist für mich nicht, wann bin ich fertig? Sondern: Wie komme ich weiter, und zwar in kleinen Schritten?". Denn vor Physik und Biochemie spielt immer noch die kleine Fiona die wichtigste Rolle. "Ohne meinen Mann und Selina könnte ich das natürlich alles nicht schaffen."

Studentisches Leben ist für sie nur noch eine Erinnerung an ein längst abgeschlossenes Studium vor vielen Jahren. "Ich bin aber zurzeit nicht die einzige alte Studierende in Düsseldorf. Gerade in der Medizin haben viele eine Berufsausbildung und sind Mitte 30 oder Anfang 40." Dennoch zählt sie sich zu den wenigen "Uraltsocken" im Hörsaal. "Die Situation ist ungewöhnlich, weil ich dort auffalle. Die Professoren verhalten sich mir gegenüber aber völlig neutral und erwarten nicht, dass ich aufgrund meines Alters mehr weiß oder eloquenter bin."

Das größte Problem: Weil sie mit dem Stoff hinterherhinkt, muss sie für Lerngemeinschaften immer neue Menschen finden, die in ihrem Rhythmus leben, in dem der sorgenden Mutter. Und das ist anstrengend. Das Lernen an sich ist es nicht, versichert Monjau. "Ich habe in meinem Leben immer gelernt, zum Beispiel Sprachen und Gebärdensprache. Ich vermute, dass ich etwas langsamer bin als früher, aber das behindert die Effizienz nicht."

In der heißen Phase vor einer Klausur kommt sie nach eigenen Wortern auch schon mal vier Wochen nicht mehr aus dem Zimmer raus. "Wenn andere sich für Sport oder Ausgehen entscheiden, lerne ich Anatomie. Das gibt mir den Push für den Alltag. Mein Ziel ist es, dieses Studium zu beenden und irgendwann mal Fachärztin zu sein."

Quelle: RP
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