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Hannes Wader
Mal hier, mal dort und bald in Langenfeld

Hannes Wader: Mal hier, mal dort und bald in Langenfeld
"Heute hier, morgen dort" und andere Lieder trägt Hannes Wader am Montag in der Stadthalle vor. FOTO: Michael Petersohn
Langenfeld. Hannes Wader gilt als Liedermacher-Legende. Am kommenden Montag spielt er in der Langenfelder Stadthalle.

Herr Wader, eines Ihrer bekannten Lieder heißt "Heute hier, morgen dort". Sind Sie mit Mitte 70 immer noch so rastlos? Oder kommen Sie langsam zur Ruhe?

Hannes Wader Natürlich bin ich mit den Jahren ein bisschen ruhiger geworden. Aber ich bin ja auch immer noch unterwegs und auf Tournee. Nicht mehr so lange und endlos wie früher, aber immerhin noch mit 50 Konzerten im Jahr.

Sie touren ja gerade wieder. Was schätzen Sie an Kleinstadtbühnen?

Wader In kleineren Städten sind die Säle kleiner. Das kommt meiner Neigung zu intimeren Situation entgegen. Und egal, ob großer Saal oder kleiner Saal, ich habe zum Konzertbeginn immer noch ein bisschen Lampenfieber. Dann spiele ich "Heute hier, morgen dort", dieses Lied, das ich auch im Schlaf kann. Es hilft mir, die erste Hürde zu nehmen. Wenn ich das geschafft habe, bin ich nicht mehr so nervös.

Die Toten Hosen spielen "Heute hier, morgen dort" auf der ganz großen Bühne. Was macht das mit Ihnen?

Wader Ich freue mich da sehr drüber und es bringt mich zum Staunen. Die Toten Hosen sprechen ein ganz anderes Publikum an. Dass die das übernommen haben, finde ich ganz toll.

Sie kennen Sänger Campino sicher persönlich.

Wader Ja, natürlich. Wir sind schon zusammen aufgetreten und uns gegenseitig sehr sympathisch. Campino ist unglaublich. Er hat so eine ganz freundliche Art, auf andere zuzugehen. Auch die Atmosphäre backstage ist entspannt. Es ist friedlicher und kollegialer als bei vielen anderen. Die Hosen aber sind ganz entspannte Leute - und wenn sie dann auf die Bühne gehen, lassen sie es krachen.

Wenn man Hannes Wader hört, denkt man ja auch an politische Lieder. Wie politisch ist so ein Herbsttour-Abend?

Wader Da wird das ein oder andere politische vorkommen, aber das ist nicht mein Schwerpunkt. Ich habe da in der Vergangenheit mal mehr auf die Tube gedrückt, mal weniger. Ich lege Wert darauf, auch Themen zu behandeln, um die es in der Gesellschaft geht oder die mich beschäftigen. Es ist aber nicht schön, in die Schublade politischer Liedermacher gesteckt zu werden. Diesen Widerstand teile ich mit Bob Dylan. Dieses musikalische Genie war plötzlich die Stimme der sich wehrenden Weltjugend und wollte das gar nicht sein. So eine Rolle bekommt man nicht gerne übergestülpt. Ich versuche auch immer, nicht zu sehr den Erwartungen des Publikums zu entsprechen. Damit ich unangepasst bleibe.

Worum geht es in Ihren neuen Liedern?

Wader Ich bin gerade dabei, meine Erinnerungen für mich aufzuzeichnen. Beim Bilanzziehen kommt die turbulente Vergangenheit wieder hoch. Davon handelt auch das ein oder andere Lied. Alles mit Hinblick darauf, wie war es. Was jetzt wird, über die Zukunft kann ich ja nichts sagen, aber ich fürchte mich davor.

Was macht Ihnen Angst?

Wader Zum Beispiel das europaweite Anwachsen rechter Kräfte. Das scheint mir nicht nur eine Mode oder etwas Vorübergehendes zu sein. Damit werden wir es in der nächsten Zeit verstärkt zu tun haben. Neulich ging es im Fernsehen um Wahlkampsitten. Darum, wie sie verrohen, und zwar nicht nur zwischen Clinton und Trump, sondern auch regional. Die Menschen, ob links oder rechts, sie schrecken immer weniger vor Gewalt zurück, um Gegner zu treffen, und zwar auch physisch. Davor fürchte ich mich.

SABINE SCHMITT STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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