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Monheim/Langenfeld
Marienkapelle - Zankapfel im Kirchenstreit

Monheim/Langenfeld: Marienkapelle - Zankapfel im Kirchenstreit
Die Marienkapelle in Monheim wechselte mehrfach ihre religiöse Zugehörigkeit. Hans Schnitzler kennt die Geschichte. FOTO: rm-
Monheim/Langenfeld. Die Gotteshäuser der damaligen "Freiheit" Monheim wurden während der Reformation zu Streitobjekten. Hans Schnitzler, Vorsitzender des Vereins Marienkapelle, kennt dieses Kapitel der Kirchengeschichte. Von Alexander Riedel

Die Pietà in der über 500 Jahre alten Marienkapelle am Monheimer Rheinufer steht sinnbildlich für den Konflikt der Konfessionen: Vom reformierten Prediger Absalon von Kessel in den Rhein geworfen, soll das Abbild der Muttergottes wieder der Kirche zugetrieben worden sein, so dass sie zwei Fischer an Land und schließlich an ihren ursprünglichen Platz zurückbrachten. Die Geschichte der Reformation in Monheim ist reich an Wendungen und Zuspitzungen - wie auch Hans Schnitzler vom Verein Marienkapelle bestätigen kann. "Sie spielte im Verlauf der Reformation eine besondere Rolle", sagt er. An jenem Ort fand im Jahr 1619 die 50. Bergische Synode der Reformierten statt - ehe das Gotteshaus wenige Jahre später wieder in katholischen Besitz überging.

In einem Vortrag ließ Schnitzler jetzt die Zeit wiederaufleben, in der die Herzöge von Berg die weltlichen Herren der Stadt am Rhein waren und der Grund und Boden sowie die Kirchen in den Händen des Gereonsstifts in Köln lagen. Zum Amt Monheim gehörten damals Reusrath, Immigrath, Wiescheid und Richrath. Erste reformierte Gemeinden entstanden in der Region ab 1530. Dabei seien es oft katholische Pfarrer gewesen, die ihre Gemeinden in die neue Lehre überführten, erklärt Schnitzler: "Sie trafen sich in Privathäusern, abgelegenen Höfen und anderen sicheren Orten, da sie vielerorts verfolgt und bestraft wurden." Auch die Bergischen Herzöge Johann III. und sein Sohn Wilhelm V., der sich vom Humanist Conrad Heresbach beraten ließ, gehörten zu Wegbereitern der Reformation im Gebiet rund um Monheim. Als 1609 in Johann Wilhelm der letzte Herzog von Jülich-Kleve-Berg starb, verwalteten Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg an der Donau und Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg dessen Territorium - ein konfliktbehaftetes Erbe.

1611 trat Absalon von Kessel auf Initiative der brandenburgischen Räte die Pfarrstelle in der Kirche St. Gereon an und wurde damit erster reformierter Pfarrer Monheims. Hoch her ging es vor allem in der Frage, wer die Kirchen nutzen durfte. Zwar billigte der Kölner Erzbischof die reformierten Gottesdienste in katholischen Kirchen, zu einer Entspannung der Lage trug das aber nicht bei: Regelmäßig kam es zu Übergriffen von Anhängern beider Konfessionen. Nachdem St. Gereon wieder katholisch geworden war, drangen von Kessel und Mitstreiter gewaltsam in das Gotteshaus ein.

1613 konvertierte Wolfgang Wilhelm vom Lutherismus zum katholischen Glauben. Das hatte in der damaligen Zeit auch politische Folgen, denn somit trat der Pfalzgraf der katholischen Liga bei, während sein Rivale Johann Sigismund der Protestantischen Union angehörte. Der Xantener Vertrag aus dem Jahr 1614 verhinderte schließlich einen Krieg und bewirkte die Einigung im Erbfolgestreit: Das Herzogtum Kleve fiel an Brandenburg, Wolfgang Wilhelm bekam das Gebiet Jülich-Berg. Im selben Jahr erhielten die Anhänger der Reformation die Marienkapelle. Doch nach zehn Jahren war auch sie wieder in den Händen der Katholiken - fehlende Einnahmen hatten der reformierten Gemeinde Monheims zunächst ein Ende bereitet. Ihre Mitglieder schlossen sich danach der Pfarre Urdenbach an.

Eine vorläufige Einigung in religionspolitischer Hinsicht gab es im Jahr 1647. Die Regelung sah vor, dass alle kirchlichen Gebäude der Religionsgemeinschaft angehören sollten, die bereits 1609 in ihrem Besitz war. Die 1612 jeweils verbreitete Religion sollte auch in Zukunft praktiziert werden können. "Danach hatten die Reformierten weder an der Kapelle noch an den Pfarrkirchen Monheim und Baumberg Anteil", berichtet Schnitzler, "wohl aber das Recht, eine eigene Religionsgemeinde zu bilden."

Endgültige Klarheit schuf ein Vertrag vom 26. April 1672. Bis zur Gründung einer reformiert-lutherisch-evangelischen Kirchengemeinde in Monheim und Baumberg sollte allerdings noch weitaus mehr Zeit ins Land gehen: Das geschah erst in den 1830er Jahren. Die jetzige Altstadtkirche entstand 1848.

Quelle: RP
 
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