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Jörg Schwenzfeier
"Mein Kopf hat angefangen, in Vierzeilern zu denken"

Langenfeld. monheim 44 vier-Zeiler in einem Lyrik-Band. Diesem Projekt hat sich Jörg Schwenzfeier mit seinem Lyrikband "Just 4" gewidmet. Es ist sein erstes Buch nur mit Gedichten. Kurzgeschichten und ein Roman sind schon erschienen.

Herr Schwenzfeier, warum haben Sie sich dafür entschieden, von der Prosa zur Poesie zu wechseln?

Schwenzfeier Ich habe nicht wirklich gewechselt. Gedichte schreibe ich schon seit meiner Jugend. Doch Lyrik ist die Königsdisziplin. Deswegen war ich in puncto Veröffentlichung sehr zurückhaltend. Gleichwohl erinnere ich mich noch sehr gut an mein allererstes Gedicht. Ich war als junger Mensch vom ortsansässigen Förster als Belohnung für mein Engagement im Naturschutz zur großen Treibjagd im November eingeladen worden. Doch als ich dann Aufstellung nahm, kamen mir Zweifel, die nach Ausdruck verlangten.

Warum haben Sie sich auf die Kurzform des Vier-Zeilers beschränkt?

Schwenzfeier Meine Frau arbeitet mit der Bruderschaft von Taizé in einem brasilianischen Straßenkinderprojekt mit. Als sie vor vier Jahren einen Vortrag über die Arbeit mit den Kindern hielt, zeigte sie auch zahlreiche Kinderfotos mit so unbeschwert und fröhlich dreinblickenden Kindern, dass mir ganz elend zumute wurde bei dem Gedanken, dass die meisten dieser Kinder trotz aller Hilfsanstrengungen schon in wenigen Jahren vermutlich "abgestürzt" sein würden. Daraufhin entstand mein erster Vierzeiler (Just 4-08) Damit war das Thema für mich komplex bearbeitet. Und so hat mein Kopf vor Jahren angefangen in Vierzeilern zu denken. Fast vier Jahre ging das so. Es sind hunderte Vierzeiler entstanden aus denen ich - mit Unterstützung meiner Freunde von den Baumberger Schreiberlingen und meiner Frau - versucht habe, die pointiertesten herauszufiltern.

Wie geht man an so ein Gedicht heran, und worauf muss man besonders bei der Komposition achten?

Schwenzfeier Wie so oft bei Gedichten geht etwas vom Gefühl aus. Wut, Hass, Liebe, Trauer auszudrücken, ohne dass es kitschig oder pathetisch wird, ist nicht leicht. Als Schutz dient mitunter subtile oder offene Ironie, Ehrlichkeit als Fundament ist aber unverzichtbar. Wenn ich schreibe, dass ich keine Filme schauen kann, ist das übertrieben, aber die tiefe Sehnsucht nach weniger "Gehetztsein", weniger "Hamsterrad" kommt da sehr gut zum Ausdruck.Schwer fielen mir auch die Verse zu Just-4 39. Darin beschreibe ich einen Menschen, der ich selbst gern wär', der ich aber nicht bin und den vermutlich nur wenige Menschen zum Freund haben.

Bei der Lektüre fällt auf, dass die Themen mal philosophisch und mal banal sind. Wie kamen Sie auf die Ideen für die Gedichte?

Schwenzfeier Philosophisch mitunter ja, banal ist meines Erachtens keiner der Texte. Wer das Buch mehrfach zur Hand nimmt, wird feststellen, dass die Doppelseiten sich darin nicht nur häufig entgegenstehen, sondern dass darin auch eine Geschichte erzählt wird. Um den zweiten Teil Ihrer Frage zu beantworten: Ja, es sind Eindrücke, Momentaufnahmen, teilweise auch aus der Lektüre entstandene Gedanken, die da Verarbeitung fanden. Manchmal , wenn alles passt, stellen sich die Verse im Kopf auf und wollen nur noch aufgeschrieben werden.

JULIETTE THIESSEN STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
 
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