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Meisterwerke im Kreuzstich

Langenfeld. Martina Pallasch aus Langenfeld stickt nach den Vorlagen alter Meister. Von Isabel Klaas

Langenfeld Martina Pallasch malt mit Nadel und Faden. Sieben winzige Kreuzstiche setzt sie auf einen Zentimeter, so dass ein einzelner Stich nicht größer ist als ein Stecknadelkopf. So schafft sie Nachbildungen von klassischen Gemälden, wie etwa Dürers Betende Hände oder Spitzwegs Bücherwurm, den Seerosen von Monet oder dem Abendmahl von Leonardo da Vinci. Das Abendmahl hat sie auf 70 mal 28 Zentimetern nachgestichelt, was man aber erst aus allernächster Nähe sieht: nicht Ölfarben und Pinsel wurden hier eingesetzt, sondern Nadel und Baumwolle.

Bereitwillig gibt Martina Pallasch zu: "Es hat schon etwas Obsessives, was ich hier mache...". Bis zu zehn Stunden pro Tag sitze sie am Fenster oder unter ihrer Sticklampe. Handarbeiten habe sie schon immer gern angefertigt, bekennt sie. Doch seit 15 Jahren befasst sie sich ausschließlich mit dem Nacharbeiten berühmter Gemälde.

In der Stadtbibliothek Langenfeld hatte sie bis vor kurzem ein gutes Dutzend ihrer spektakulären Werke ausgestellt. "Insgesamt 1.114.692 Stiche waren da zu sehen", sagt sie stolz. Obwohl die Zahl der Stickereien mittlerweile auf 100 angewachsen ist, wagte sie sich in der Bücherei zum ersten Mal in die Öffentlichkeit. "Ich habe mich immer geschämt, weil es so nutzlos ist, was ich hier mache. Ich verschwende viel Zeit und Geld, richtig peinlich war mir das."

Nach den bewundernden Kommentaren vieler Betrachter ist das anders geworden. Pallasch hat den Wert ihrer Arbeit erkannt. "Die Leute haben sich tatsächlich interessiert und waren fasziniert", sagt sie glücklich.

Und so ist ihr Hobby mehr geworden als ihre ganz persönliche Therapie in einer schwierigen Lebensphase. Als die Sprachenlehrerin aus psychischen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte, brauchte sie einen Ausgleich. "Sticken tut mir gut und beruhigt mich", sagt sie, "denn Ausdauer und Geduld - das sind die Eigenschaften, die mich ausmachen."

Zwei Monate braucht sie im Schnitt zum Nachsticken einer klassischen Vorlage. "Ich tauche dann komplett in die Bilder ab, ich lebe mit ihnen", erklärt die Bewunderin impressionistischer Malerei. "Mein Ursprungsgedanke war es eigentlich, dass ich mir gerne bekannte Bilder zu Hause aufhängen wollte. Drucke kamen für mich nicht in Frage, also begann ich zu sticken."

Heute kann sie keinen Tag ohne Stickrahmen genießen. Eine Sucht, die Schönes schafft. Die meisten Vorlagen findet die Langenfelderin im Internet. Ein Computerprogramm zerlegt das virtuelle Bild in Pixel und stellt die einzelnen Farben als Symbole dar. Es handelt sich dabei lediglich um einen Schwarz-Weiß-Ausdruck mit Kästchen, die kleiner sind als die auf Lottoscheinen. In manchen Bildern befinden sich bis zu 200 Farbtöne, die Stich für Stich gesetzt werden. Dabei ist das Baumwollgarn erheblich dünner als die Wolle, mit der man Gobelins auf Stramin fertigt. Über 470 Garntöne stehen Pallasch zur Verfügung.

Für weitere Arbeiten hat sie zahllose Pläne: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring", Nolde, Marc und Macke will sie noch "kopieren".

Quelle: RP
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