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Langenfeld
Millionenraub '97: Hinweise auf die RAF

Langenfeld: Millionenraub '97: Hinweise auf die RAF
Das Langenfelder Archivbild von 1997 zeigt den Geldtransporter und den zuvor gestohlenen Mercedes. FOTO: dpa
Langenfeld. Fast 20 Jahre nach einem bislang ungeklärten Überfall auf einen Geldtransporter in Langenfeld gibt es neue Aspekte. Von Stephan Meisel

Haben Linksterroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) im Juni 1997 eines der spektakulärsten Verbrechen der vergangenen Jahrzehnte in Langenfeld begangen? Bislang schien die Suche nach den Tätern des bewaffneten Raubüberfalls auf einen Geldtransporter mit einer Beute von bis zu 1 Million Mark im Sande verlaufen zu sein. Doch in Norddeutschland haben kürzlich die untergetauchten Terroristen Daniela Klette (57), Ernst-Volker Staub (61) und Burkhard Garweg (47) bei zwei missglückten Überfällen nach dem gleichen Schema Gen-Spuren hinterlassen. Und dies ergibt bei der Tätersuche plötzlich neue Ansätze. "Der Langenfelder Überfall ist bei uns jetzt wieder im Blickfeld", bestätigte Ralf Herrenbrück von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf Anfrage.

Rückblende. Am Samstag, 21. Juni 1997, überfällt zur Mittagszeit ein mit Panzerfaust und Schnellfeuergewehr bewaffnetes und mit Sturmhauben maskiertes Trio vor dem Allkauf-Supermarkt (heute: Real) an der Rheindorfer Straße einen Geldtransporter. Mit einem gestohlenen Mercedes rammen sie das gepanzerte Fahrzeug, das gerade die Sicherheitsschleuse des Einkaufszentrums passiert. Zwei Maskierte zerschießen einen Vorderreifen des Transporters und zwingen die beiden Insassen zum Aussteigen. Mit den aus verschiedenen Geschäften abgeholten Einnahmen von insgesamt bis zu 1 Million Mark entkommen die Täter in einem gestohlenen BMW, den ein Komplize steuert.

Die missglückten Überfälle auf Geldtransporter vor Real-Supermärkten in Stuhr bei Bremen (6. Juni 2015) und Wolfsburg (28. Dezember 2015) liefen frappierend ähnlich ab: ein maskiertes Trio, Panzerfaust und Schnellfeuergewehr, ein als Blockade eingesetztes Auto. Doch in beiden Fällen gelang es den Sicherheitsleuten, ihren Geldtransporter geschlossen zu halten, obwohl in Stuhr die Täter dreimal schossen. Die Bundesanwaltschaft sieht "keinen terroristischen Bezug" der Überfälle, geht davon aus, dass das untergetauchte RAF-Trio sein Leben im Untergrund finanzieren wollte. Nicht nur, weil nach einem Überfall auf einen Geldtransporter 1999 in Duisburg ein gefundenes Haar per Gen-Test Ernst-Volker Staub zugeordnet werden konnte, geraten ungeklärte Überfälle auf Geldtransporter bei Allkauf in Hagen (1998) und eben Langenfeld wieder in den Blickpunkt. Bei der Kreispolizei Mettmann ist der Fall von 1997 laut Sprecherin Nicole Rehmann zwar aktuell nicht in Arbeit. Doch auf Nachfrage unserer Redaktion bei den nach den jüngsten Taten in Norddeutschland ermittelnden Staatsanwaltschaften Verden und Braunschweig sowie bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wurden Parallelen deutlich. Deshalb ist jetzt auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wieder an dem ungeklärten Langenfelder Fall dran. "Wir prüfen die Spurenlage unter neuen Gesichtspunkten", sagt deren Sprecher Herrenbrück. "Vielleich lassen sich ja noch Asservate finden, die sich für eine DNA-Auswertung mit den seit 2006/7 beim Landeskriminalamt eingesetzten, sehr leistungsfähigen Geräten eignen."

Quelle: RP
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