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Monheim
"Ming Fott es ze deck!" - auf Platt leicht zu bekennen

Monheim. Wer redet schon gerne in der Öffentlichkeit über seinen dicken Popo? Kaum einer. Es sei denn, man ist Gast beim Mundartabend des Heimatbundes im Deusserhaus-Garten. Da nehmen dann auch eitle Damen durchaus kein Blatt vor den Mund und verkünden vor versammeltem Publikum: "Ming Fott es ze deck!" (Mein Hintern ist zu dick!). Schließlich fällt so ein Bekenntnis in Mundart erheblich leichter als auf Hochdeutsch.

Mit ihrem Gedicht aus der Feder eines unbekannten Autors brachte Anita Giersbach ihre gut 70 Zuhörer zum Lachen. Schließlich gipfelt das Selbstbekenntnis auf Monnemer Platt in der Tatsache, dass selbst Petrus im Himmel die Einlass Begehrende auf ihren immensen Pöppes verweist. "Petrus luurt mech aan mit traurijem Bleck: Du blievs drusse - deng Fott es ze deck!", trägt Giersbach vor. Wie all den anderen Besuchern ist es ihr ein sichtliches Vergnügen, ohne Beschönigung Worte zu benutzen, die Klartext sprechen. Bei der 23. Veranstaltung des Heimatbundes zur Mundart am Samstagabend war das Interesse der Zuhörer ungebrochen. Heftige Schauer taten der Freude an den Vorträgen zahlreicher Amateure keinen Abbruch. Seit Jahrzehnten ist der Heimatbund um den Fortbestand der alten Sprache bemüht sind. "Leider kommen aber keine Jungen dazu", sagt Dieter Sturm, Vorsitzender des Heimatbundes.

Dabei sind die Vorträge zu selbst gebackenem Steinofenbrot mit Flönz und Schmalz zum Altbier kurzweilig. Autor Hans Bruchhausen las aus seinem Buch "Näel met Köpp" die neuesten Gedichte vor und erntete viel Applaus. Einen winzigen Makel hat der beliebte Gast bei den Monheimer Mundart-Abenden dennoch: Er kommt aus Lützenkirchen. "Da gibt es einen kleinen Unterschied zum Monheimer Platt", bekannte er. Verstanden hat man sie aber trotzdem, seine kleinen, feinen Reime, die immer mit einem Augenzwinkern enden.

Und hier eine Kostprobe, die neugierig machen soll: "Üvver de Strooß": An dä Stroß kütt zu Fooß en Möhn jeloofe und deet roofe: "Saat, jonger Mann, künnt ühr dann mesch hee bringe flöck op die angere Sick?" "Ävver sescher dat, maach esch doch jlatt. Wonnt ühr do dann?" "Nä, jonger Mann, esch do et Motorrad stonn han." Ungefähr übersetzt: An der Straße kommt eine alte Frau zu Fuß gelaufen: "Sagen Sie, junger Mann, können sich mich hier schnell auf die andere Seite bringen?" "Aber sicher. Das mache ich glatt. Wohnen Sie denn dort?" "Nein, junger Mann, da steht nur mein Motorrad!"

So gab es dann am Samstagabend jede Menge Dönekes, selbst geschrieben oder selbst gefunden und liebevoll vorgetragen. Wen die Kostproben neugierig gemacht haben: Im Heider-Verlag hat Hans Bruchhausen eine Menge netter Verse verlegt, die zwar von einem Leverkusener stammen, aber selbst bei den Monheimern sehr beliebt sind.

(ik)
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