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Monheim
Mit der Auenbegleiterin durch die Kämpen

Monheim: Mit der Auenbegleiterin durch die Kämpen
Hecken und Wiesen gehören zu den Gestaltungsmerkmalen und Lebensräumen in den Baumberger und Urdenbacher Kämpen. FOTO: Ralph Matzerath
Monheim. Im Mittelpunkt der Führung mit der Ärztin Ingeborg Lackinger-Karzer stehen Hecken und Wiesen. Sie dienen der Abgrenzung, dem Schutz und als Lebensraum für kleine Tiere. Von Beate Gostincar-Walther

Wer am Ostersonntag durch die Urdenbacher Kämpe walkt, könnte meinen, es sei eine Gruppe zum Ostereiersuchen unterwegs. Denn die Leute bleiben stehen, heften ihre Augen auf die Wiese oder erkunden sie mit den Händen. Ostereisucher? Weit gefehlt. Hier ist die ehrenamtliche Auenbegleiterin Ingeborg Lackinger-Karger mit rund dreißig Interessierten auf den Spuren von Wiesen und Hecken. "Heute ist Premiere, ich mache dieses Thema zum ersten Mal", erklärt die Ärztin lachend. So viele Teilnehmer hat sie am Ostersonntag nicht erwartet.

Der Himmel trägt Blau, die Sonnenstrahlen wärmen ein wenig, die Bäume recken kahle Äste in die Höhe, doch in den Hecken zeigen die Haselsträucher zarte Blätter und Blüten. "Hecken sind Schutz und Grenze gleichermaßen und immer von den Menschen angepflanzt", beginnt Ingeborg Lackinger-Karger die Exkursion. Wer es rabiat findet, dass manchmal nur die Stümpfe aus dem Boden ragen, erfährt, dass es wichtig ist Hecken "auf den Stock zu setzen", weil sie sonst aus der Form geraten und anderen Pflanzen und Tieren den Lebensraum nehmen.

Die Gruppe marschiert etwas irritiert mitten über Ochsen- und Kuhwiese - erlaubterweise. "Hier wird zweimal im Jahr gemäht, sonst machen sich Ahorn- und Pappelsamen breit und binnen kurzer Zeit würde die Wiese verholzen", erklärt Lackinger-Karger. Der "Hahnenfuß" - landläufig als Butterblume bekannt - wagt sich tatsächlich aus dem Boden, etwas spärlich der Wiesenkerbel, der Ampfer und die wilde Möhre. "Es ist alles noch nicht sehr weit, man muss Geduld haben", erläutert sie. Doch da steht der trittfeste und unverwüstliche Wegerich mitten im Weg. "Daneben hätte er sich verirrt", scherzt die Auenbegleiterin. Dass Pappeln schnell wachsen und sich das leichte Holz gut zum Herstellen von Obstkisten und Streichhölzern eignet, dass Misteln Schmarotzer sind, aber nicht für das Baumsterben verantwortlich, erzählt die Naturschutzbeauftragte. Ebenso anschaulich erläutert sie vielfältige Wiesenschätze, die Mythologie der Esche, die Verwendung der Schlehen-Früchte oder die Arbeit des Bibers, eines Baumeisters, der die Kämpe hoffentlich bald findet, denn er kann das Landschaftsbild noch wandelbarer und interessanter gestalten.

Dass nur eine gemischte Wiese aus Gras und Kräutern eine hervorragende "Hasenapotheke" ist, leuchtet den Auenwanderern ein. Der Hase, so Lackinger-Karger, braucht diese Vielfalt. Mitten im Schlamm fragt sich die Gruppe, wie das hier möglich sein kann, und die Erklärung kommt prompt. "Die Jägerschaft hat nahe bei Haus Bürgel eine Haseninsel angelegt, dorthin gehen die Tiere, wenn das Wasser steigt", informiert Lackinger-Karger. Dass die Erde herangeschafft werden musste, weil die der Kämpe verunreinigt war, sei kein Witz. "Es ist alles neu und spannend, die vielen Sorten und was wofür wichtig ist." Heike Rother, mit Begleiter aus Eller gekommen, ist begeistert. Später im Jahr will sie noch einmal dieselbe Führung mitmachen: dann mit blühenden Hecken und Wiesen.

Quelle: RP
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