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Auf Dem Weg Zur Weihnacht
Mit Ochs und Esel, Pfarrer und Hund

Langenfeld. Die Evangelische Kirche Langenfeld hat ihre Seniorenfeiern diesmal unter das Motto "Weihnachten der Tiere" gestellt. Von Daniel Gehrmann

LANGENFELD Wer waren die ersten, die mitbekamen, dass Jesus geboren wurde? Natürlich: Maria und Josef. Und dann die Hirten. Aber war da nicht noch wer?

Na klar! Noch vor den Hirten mit ihren Schafen waren noch zwei weitere Vierbeiner zur Stelle, denn das Christuskind wurde bekanntlich in einem Stall geboren. Nur, dass viele dem lieben Vieh meist keine weitere Beachtung schenken. Dabei sind Ochs und Esel "ganz einfache Zeugen, wie Gott Mensch wird", sagt Pfarrer Hartmut Boecker von der Evangelischen Kirchengemeinde in Langenfeld. Der Seelsorger sagt dies in einem Gottesdienst in der Immigrather Erlöserkirche, an den sich eine Weihnachtsfeier für Senioren im benachbarten Pfarrzentrum anschließt. Diesmal steht der Nachmittag unter dem Motto "Weihnachten der Tiere".

Tiere sind Teil von Gottes Schöpfung. "Ab und zu werde ich gefragt: Kann man ein Tier segnen? Kann man es taufen? Kann man es kirchlich begraben?", erzählt Boecker. "Da sehe ich, wie wichtig vielen Menschen Tiere sind."

Vielleicht habe die Kirche die Tiere vorschnell in ihrer Bedeutung übergangen, sagt der Pfarrer und erinnert an ein Schuldbekenntnis, in dem Theologen vor 20 Jahren bekannten, Tiere nicht genügend gewürdigt und "ihnen als unseren geringsten Brüdern" nicht "gedient" zu haben. Wer noch Zweifel hegt, ob das denn mit der Bibel vereinbar sei, kann in Psalm 104 einen wunderbaren Lobpreis auf die Schöpfung hören, in dem Reiher, Steinbock, junge Löwen und andere Kreaturen ganz selbstverständlich vorkommen.

Antonius von Padua soll ja sogar den Tieren gepredigt haben. Was sie wohl dazu gesagt haben? Und was mag so ein Dackel sich denken, wenn Herrchen oder Frauchen ein Stück Stollen oder einen Keks essen? Vielleicht war der traditionelle Bann doch zu stark: Bei der ersten Weihnachtsfeier für Senioren sind nicht nur Ochs und Esel im Stall, sondern auch Hund und Katze und Schildkröte daheim geblieben; zur zweiten Feier wollte Pfarrer Andreas Pasquay immerhin seinen Dackel mitbringen.

In Gedanken und Texten sind die Tiere aber durchaus schon an diesem Nachmittag dabei: Pasquay hat vergnügliche Geschichten und Gedichte herausgesucht, etwa von der berühmt-berüchtigten "Weihnachtsmaus" von James Krüss, die nachts, wenn alle schlafen, heimlich an Marzipan und Gebäck knabbert. Und natürlich haben viele Gäste Erfahrung mit Haustieren. So etwa Adolf Halke (75) und seine Frau Christel (74) aus Langenfeld. Ihr Hund Pancho, ein Mischling, musste 2006 im Alter von 15 Jahren eingeschläfert werden - für Hunde ein geradezu biblisches Alter. Ihr Nachbar Alfred Missal (84) züchtet Brieftauben. Sie haben alle Preise gewonnen, die es zu gewinnen gibt, berichtet er stolz. "Wir haben das ganze Haus voller Pokale", sagt seine Frau Renate (80) lachend. Eine seiner Tauben ließ in diesem Jahr bei einem 500-Kilometer-Wettbewerb 10.740 Artgenossen hinter sich und landete auf Platz 1. Auch der Friedensvogel passt gut zum Thema des Nachmittags, war es doch eine Taube, die Noah von seiner Arche aussandte und die mit einem Zweig im Schnabel zurückkehrte.

Seine beiden Kaninchen ließ Pfarrer Boecker vorsichtshalber daheim: "Wenn jemand einen großen Hund oder eine hungrige Katze mitbringt, weiß ich nicht, ob es Pünktchen und Anton so gut ergeht."

Quelle: RP
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