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Elke Löpke
Mittags schaue ich am Teich Libellen zu

Elke Löpke: Mittags schaue ich am Teich Libellen zu
Elke Löpke weiß den Wert von Bienen, Wespen und Mücken im biologischen Gleichgewicht der Natur zu schätzen. Das Bild zeigt sie an einem Apfelbaum auf der Streuobstwiese in Baumberg. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Langenfeld. Die Leiterin der Biologischen Station in Monheim sagt, was zurzeit im Garten und auf dem Balkon um uns herum schwirrt.

Monheim Sommerzeit ist Insektenzeit. Wespen am Kaffeetisch, Mücken und andere Blutsauger sind für viele Menschen eher lästig. Doch Insekten haben auch ihre schönen Seiten und eine wichtige Funktion für unser Ökosystem.

Welche Arten machen sich in unserer Region derzeit besonders unbeliebt?

Löpke Vor allem Mücken und Bremsen. Sie sind auf unser Blut als Nahrung angewiesen. Das ist für uns natürlich lästig und manchmal auch schmerzhaft. Hummeln, Bienen und Wespen hingegen sind nicht von sich aus aggressiv. Sie stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Bremsen und Mücken suchen dagegen ganz gezielt nach Menschen und Tieren als Nahrungsquelle.

Warum fliegen Mücke und Co so auf unser Blut?

Löpke Weil sie zu ihrem Überleben darauf angewiesen sind. Die einen sammeln Nektar, die anderen Blut. Bei manchen Arten stechen nur die Weibchen, bei anderen beide.

Was ist an lauen Sommerabenden der beste Schutz?

Löpke Es gibt Tinkturen zum Einreiben, aber darüber kann ein Apotheker besser Auskunft geben. Nach meinen Erfahrungen helfen biologische Mittel, wie beispielsweise Teebaumöl. Im Wald benutze ich oft einen Farn als Fächer, denn durch den Wind können die Tiere nicht so gut auf der Haut landen. Nach einem Stich hilft kühlen und der Saft von Spitzwegerich. Der wächst überall. Wer die Blätter zerreibt und auf die Stelle gibt, lindert die Schwellung und den Juckreiz. Der Körper entwickelt mit der Zeit eine natürliche Abwehr und reagiert nicht mehr so stark. Ausnahme sind allergische Reaktionen.

Welche Insekten lassen sich denn gerade in den Abendstunden gut beobachten und belauschen?

Löpke Meine Liebe gilt den Glühwürmchen, die gerade im Juli im Wald oder auch im Neandertal unterwegs sind und ihre Leuchtsignale aussenden, um ein Weibchen zu finden. Das hat für mich etwas Geheimnisvolles und ist der Inbegriff von Sommer. Mein Kollege sagte eben, ihm würde ohne Grashüpfer etwas fehlen. Eine Wiese in der es zirpt, pulsiert vor Leben. Meine Bewunderung haben auch die Hirschkäfer mit ihrem eindrucksvollen Geweih, die es beispielsweise noch im Ittertal gibt. Sie fliegen im Juli und August durch die Dämmerung, paaren sich und dann verkriecht sich das Weibchen in den Boden und legt seine Eier. Die Larven leben dort acht Jahre, bis der Kreislauf von neuem beginnt. Was für ein Aufwand.

Welche wichtige Funktion haben Insekten in der Natur?

Löpke Sie haben eine unglaubliche Bestäubungsleistung. Ohne sie gäbe es keine Ernte. 80 Prozent unserer Pflanzen sind auf die tierische Bestäubung angewiesen. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Nahrung für Vögel und Fledermäuse. Deshalb ist der Rückgang so dramatisch.

Was sind Ursachen und Folgen dieses Insektensterbens?

Löpke Nach unseren Untersuchungen ist ihre Menge in den vergangenen 20 Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Die Gründe dafür liegen in der ausgeräumten Landschaft mit immer weniger Blüten und der intensiven Landwirtschaft mit massivem Einsatz von Insektiziden. Klatschmohn, Kamille und Kornblume sind fast verschwunden. Die Natur stirbt leise. Für einen Sommer mit Vielfalt müssen wir bereit sein, Lebensmittel mehr Wert zu schätzen. Bei jedem Apfel, in den wir beißen, muss uns bewusst sein, dass es ihn ohne die Insekten nicht gäbe.

Welche Insekten haben Sie in diesem Sommer schon beobachtet?

Löpke Mittags sitze ich gerne an unserem Teich und sehe Libellen bei der Jagd zu. Das ist eindrucksvoll.

DOMINIQUE SCHROLLER STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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