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Monheim
Modellclub baut Original-Bahnhof nach

Monheim. Im Keller des Monheimer Eki-Hauses entsteht der Langenfelder Bahnhof der 1960er Jahre im H0-Format. Von Thomas Gutmann

Es riecht nach Lötqualm. In dem Kellerraum noch hinter dem Fahrradkeller zeigt eine Bahnhofsuhr die Zeit an, etwa ein Dutzend Männer ab 40 aufwärts sind in Tüfteleien vertieft oder fachsimpeln in der Sitzecke mit "Modellbahnclub Monheim"-Tischwimpel. Hier, auf den vielleicht 50 Quadratmetern im Untergeschoss des Eki-Hauses im Berliner Viertel, schlägt das Herz des Vereins. Die Mitglieder sind an etwas Großem zugange: Sie bauen den früheren Langenfelder Bahnhof nach, so maßstabs- und originalgetreu wie möglich.

"Wir rekonstruieren den Zustand von vor etwa 50 Jahren", sagt Gerd Rudolph (68), ein pensionierter Lehrer für Technik, Mathe und Geschichte, der ein wenig an Mario Adorf erinnert. "Langenfeld (Rhld.)" um 1965, das war noch ein echter DB-Bahnhof mit rund 70 Mitarbeitern, mit Reisegepäck- und Expressgutschalter und einem Güterbahnhof, durch den täglich viele Tonnen von Mineralölprodukten, Pappen, Zuckerrüben und anderem gingen.

Die Schienen auf den bauchhoch aufgestelzten Holzplatten sind bereits verlegt. "Der Abschnitt reicht vom heutigen S-Bahnhaltepunkt bis zur Hitdorfer Straße", sagt Rudolph. Weil das im Original fast 1000 Meter sind, haben die Modellbauer diese Länge für ihre gut sieben Meter lange H0-Version gerafft. "Sonst müssten wir in den Fahrradkeller hineinbauen", sagt Rudolph.

Am "Südende" ist die "Abteilung Oberleitung" damit beschäftigt, das Tragwerk mit den Spanndrähten zu installieren. Wolfgang Stender (84) und Udo Fehn (85) arbeiten nach alten Reichsbahnplänen. "Das hier ist kein Hobby von alten Opas", sagt Fehn, während er dem Kompagnon beim "Ablöten" hilft. "Die Oberleitungen für Schnellfahrstrecken", erläutert Stender, "werden anders als die für Nahverkehrszüge mit Federung eingehängt". Logo, dass es bei so viel Detailtreue Woche für Woche nur zentimeterweise vorangeht. Die Modellbauer sind seit ihrem Umzug von der Baumberger Kniprode-Schule in den Eki-Keller vor drei Jahren mit dem Projekt beschäftigt. Die Vorarbeiten reichen aber noch länger zurück. "Wir haben hunderte alte Fotos und Dokumente gesichtet und mit Zeitzeugen gesprochen", erzählt der Clubvorsitzende Rudolph, in den Händen das Bahnhofsgebäude im H0-Maßstab. "Ein Kunstwerk", schwärmt er über das Modell seines Vereinsfreunds Ulrich Guttke. "Da stimmt jedes Schild!" Der ehemalige Berufssoldat habe das Original dafür zusammen mit seiner Tochter extra vermessen. Zigarettenautomaten neben dem Eingang zur Bahnhofswirtschaft fehlen ebensowenig wie haarfeine Gitterstäbe vor einem der Fenster oder ein rotumrandetes Hinweisschild für Wasserleitungen, das selbst im Original kaum größer war als zwei Handflächen.

Beschriftetes Papier zeigt an, wo noch weitere Bauten hinkommen werden, vor allem Stellwerk, Bahnsteige, Güterschuppen. "Da wurde früher alles Mögliche angeliefert", erinnert sich Rudolph. "Ich selbst habe da noch einen Dackel abgeholt, den meine Schwester bei einer süddeutschen Zucht bestellt hatte."

In einer anderen Ecke des Clubraums lehnt eine der verschienten Holzplatten an der Wand und gibt ihre Unterseite frei. Markus Lorenz (57) und Karl Kreuer (49) haben Stromleitungen, Weichenmotoren und Dekoder verlegt. "Über einen Kleincomputer werden wir die ganze Anlage vom Tablet aus steuern können", sagt einer der beiden "Elektriker". Gefahren werden soll natürlich nach einem Original-Kursbuch aus den 60ern. Fertigstellen wollen die Modellbauer ihren Bahnhof 2016. "Dann rauscht hier der TEE Paris-Ruhr durch", verkündet Gerd Rudolph, der sich außerdem besonders auf die alte AEG-Lok freut, wie sie im Original draußen am "Monheimer Tor" steht.

Quelle: RP
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