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Monheim
Monheim hilft bei der Pflege dementer Eltern

Monheim: Monheim hilft bei der Pflege dementer Eltern
Hildegard Klauke berät im Rathaus Monheim, wenn alte Menschen Betreuung benötigen. FOTO: RALPH MATZERATH
Monheim. Der Soziale Dienst unterstützt Angehörige, die den Alltag mit den Kranken organisieren müssen. Für viele Dienstleistungen gibt es Zuschüsse. Von D. Schmidt-Elmendorff

Wenn die eigenen Eltern hilfsbedürftig werden, kriegen das die weit entfernt wohnenden Kinder oft gar nicht mit. "Gerade am Telefon kann man eine beginnende Demenz gut verbergen, ist die zunehmende Verwahrlosung der Wohnung nicht sichtbar", sagt Hildegard Klauke vom Sozialen Dienst. "Dazu kommt, dass die älteren Menschen ihren beruflich eingespannten Kindern nicht zur Last fallen wollen und sich dann mit ihrer Gebrechlichkeit einrichten."

Dabei gibt es viele Hilfsmöglichkeiten: "Die meisten steigen mit haushaltsnahen Dienstleistungen ein", sagt Klauke. Seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes kann ein Senior monatlich 125 Euro für solche Dienste in Anspruch nehmen. "Das schließt die Erledigung von Einkäufen, Hilfe im Haushalt, die Begleitung zum Arzt, aber auch Freizeitaktivitäten ein." Wichtig: Der Dienstleister muss anerkannt sein. Der Kreis Mettmann führt eine Liste mit 88 Anbietern.

Die Hauptlast der Pflege tragen oft die jeweiligen Ehepartner, die diese "Rund-um-die-Uhr-Pflege" laut Pflegeplan des Kreises als sehr belastend empfinden. Der Anteil der pflegenden Angehörigen, die die Pflege als "belastend empfinden, lag kreisweit bei 44,7 Prozent, 19,3 Prozent empfinden sie als "sehr belastend". Eine stunden- oder tageweise Entlastung bietet da die Tagespflege, weiß Klauke.

In Monheim verfüge nur das Diakoniezentrum über solche Plätze. Dort müsse man aber lange Wartzeiten in Kauf nehmen, bedauert Klauke. Im Sozialausschuss hatte die Awo beklagt, dass in Monheim Kurzzeitpflegeplätze fehlten, womit Angehörige bis zu sechs Wochen auf Kosten der Kasse eine sogenannte "Verhinderungspflege" wahrnehmen können - etwa wenn sie in Urlaub fahren wollen. "Diese Plätze gibt es aber nur vereinzelt", sagt Klauke. Obwohl das Gesetz diese teilstationäre Aufnahme auch für Patienten ohne Pflegegrad vorsehe, sei es in der Praxis schwierig, einen Platz zu ergattern.

Auch in den Nachtstunden, wo Demenzkranke oft unruhig durch die Wohnung streifen, können sich Angehörige - theoretisch - entlasten lassen. Allerdings wurde das Angebot zur außerhäuslichen Nachtpflege in Garath mangels Nachfrage eingestellt.

Irreführend und daher sehr konfliktträchtig findet Klauke den Begriff "24-Stunde-Betreuung". "Diese, meist aus dem osteuropäischen Ausland stammenden Betreuerinnen, bleiben meist zwei Monate, sind aber natürlich nicht 24 Stunden im Einsatz", betont Klauke. Da sie keine pflegerisch-medizinischen Tätigkeiten ausüben dürfen, werden sie in der Regel zusätzlich zu einem Pflegedienst engagiert. "Wir arbeiten hier mit den Agenturen zusammen, der Kreis hält dazu eine Adressliste vor. Aber es müssen auch seitens der Kunden bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wie etwa ein eigenes Zimmer für die Person oder W-Lan." Insgesamt sei das Wissen um die Hilfsmöglichkeiten inzwischen breiter gestreut. "Denn wer Pflegeleistungen in Anspruch nimmt, hat Anspruch auf eine Beratung durch die Kasse - das hat sich herumgesprochen", sagt Klauke. Dabei würden auch Hausbesuche gemacht. Sie bedauert, dass es ausschließlich die Angehörigen sind, die Pflege planen. Es geschehe selten, dass sich ein Senior schon vor einer etwaigen Pflegebedürftigkeit informiere. Es komme häufiger vor, dass Rentner wissen wollen, wie sie gegen Fremdbetreuung vorsorgen können. Beim Umgang mit Dementen stehe oft das Thema Sicherheit im Vordergrund. "Die Angehörigen sorgen sich, dass der Patient das Haus verlässt und nicht mehr zurückfindet oder das Essen auf dem Herd vergisst", sagt Klauke. Als schlimm empfindet sie, wenn sie Vereinsamte erlebt, die in ihren Wohnungen verwahrlosen, aber als geschäftsfähig gelten. "Wir können nicht entscheiden, dass ihnen geholfen werden muss."

Quelle: RP
 
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