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Analyse
Monheim setzt weiter auf Begrüßungskultur

Monheim. Die Stadt am Rhein zieht bei der Aufnahme von Flüchtlingen dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten vor. Von Dirk Neubauer

Selbst wenn sich die Flüchtlingszahlen von derzeit rund 600 Menschen bis zum Jahresende verdoppeln, soll die Begrüßungskultur in Monheim erhalten bleiben. Das ist das Ergebnis einer Sitzung zwischen Stadtverwaltung, dem Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SKFM) und dem "Beratungscentrum". Die Stadt stellt den Initiativen zusätzliches Geld in Aussicht, so dass weitere Sozialarbeiter eingestellt werden können. Auch soll nach Möglichkeit die Monheimer Praxis erhalten bleiben, Flüchtlingsfamilien in Wohnungen unterzubringen - und nicht in Sammelunterkünften. Um Engpässe abfedern zu können, sei in Baumberg eine Containerwohnanlage für 150 Menschen entstanden. Der erste Beigeordnete der Stadt, Roland Liebermann, sagt: "Wir sind mit dem Stand der Dinge im Ort sehr zufrieden und haben viel erreicht."

Diesem positiven Fazit schließen sich auch die Geschäftsführerin des Beratungszentrums Monheim, Claudia Porysiak-Haag und Frank Nickel vom SKFM an. Zuletzt habe es zwischen beiden Organisationen geknirscht. Die Zuständigkeiten waren nicht klar. Bei einem Gespräch wird jetzt festgelegt, dass sich der SKFM um Flüchtlingsfamilien kümmert, das Beratungscentrum Monheim konzentriert sich auf allein angereiste Personen und auf die Eingliederung in das Berufssystem.

Idealerweise läuft es in Monheim so ab: Der erste Anlaufpunkt der Asylbewerber ist das Rathaus. Dort werden die Ankommenden erfasst, die Beamten weisen einen Wohnraum zu und es gibt einen Scheck, der den Bedarf der ersten Tage decken soll. Zugleich bekommen das Beratungscentrum (BC) und der SKFM eine Nachricht. Mitarbeiter des BC begleiten die Personen in die Wohnungen und zur Bank und helfen bei der ersten Orientierung.

Sind Kinder vorhanden, so übernimmt der SKFM die Lotsenfunktion. So ist sichergestellt, dass jede Person außerhalb des Rathauses einen Ansprechpartner hat. "Man muss eine Beziehung zu den Menschen aufbauen", sagt Frank Nickel vom SKFM, der für die Arbeit mit den Flüchtlingen eingestellt wurde. Befragt nach seinem größten Erfolg, muss er einen Moment lang nachdenken. "Dazu gehört die Sache mit dem Schulbesuch." Eine ganze Weile hätten 90 Prozent der Schulpflichtigen tagsüber auf der Straße getobt. Durch Erklären, Zureden, Nachfassen gehen jetzt an derselben Stelle 90 Prozent der Kinder täglich in die Schule: "Diese Familien kannten das einfach nicht."

Gemeinsam mit dem Beratungs-centrum gehen die anerkannten Flüchtlinge dann die nächsten Schritte. Der wichtigste ist das Erlernen der deutschen Sprache. Anschließend steht die Vermittlung eines Jobs auf dem Plan. Dabei geht es den Helfern manchmal nicht schnell genug. "Manche Flüchtlinge warten bereits seit einem Jahr, in einem Fall seit zwei Jahren auf ihr Erstinterview", klagt Claudia Porysiak-Haag. Dieses Gespräch stehe bei den Bundesbehörden am Anfang des Asylbewerberverfahrens.

Ansprechpartner unter www.skfm-monheim.de und www.beratungscentrum-monheim.de

Quelle: RP
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