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Monheim
Monheimer, zeigt her eure Keller

Monheim: Monheimer, zeigt her eure Keller
Diesen Altstadtkeller hat Bauforscherin Maren Lüpnitz bereits untersucht. Sie ist dem "Bollwerk" auf der Spur, das einst das mittelalterliche Monheim schützte. FOTO: ML
Monheim. Wo genau verlief Monheims Stadtbefestigung? Bauforscherin Maren Lüpnitz ist auf der Suche nach Beweisen. Von D. Schmidt-Elmendorff

Kürzlich haben Hauseigentümer an der Grabenstraße, der Freiheit und der Franz-Boehm-Straße Post von der Stadt erhalten. Darin wirbt die Stadt um Mithilfe bei der archäologischen Untersuchung der Altstadt. Die Eigentümer werden gebeten, der Bauforscherin Maren Lüpnitz in dieser Woche Zugang zu ihren Kellern zu gewähren, um etwa von der Ausrichtung oder dem Format der Steine Rückschlüsse auf eine etwaige Befestigungsanlage ziehen zu können. "Grabungen finden nicht statt", betont Laura Siebert, zuständig für das Projekt Altstadtrevitalisierung. Die Bauforscherin fertige lediglich eine Zeichnung an. "Ihr Blick ist so geschult, dass sie erkennt, wo mal Fenster waren oder das Gewölbe aufgebrochen wurde." Meist seien die Eigentümer ja stolz, dass sich in ihren Häusern ein Stück der Stadtgeschichte manifestiert, lockt sie.

Der Abschlussbericht soll Ende August vorliegen. Anlass für die archäologische Untersuchung ist das Bronzemodell, das die Stadt vom mittelalterlichen Monheim anfertigen lassen will. Ausgangspunkt der Arbeit war ein neuerliches Studium des Katasters und der schriftlichen Quellen. "Letztere gaben keinen Hinweis darauf, dass die Alte Freiheit eine Stadtmauer besessen hat", sagt Stadtplaner Thomas Waters. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Herzogtum Jülich-Berg und dem Kölner Erzbischof im 15. Jahrhundert sei wohl ein Palisadenzaun aus Holz errichtet worden. "In den Quellen ist von einem Bollwerk (Bohlenwerk) die Rede", sagt Waters. Beim Friedensschluss am 15. Mai 1416 sei dann vereinbart worden, die Befestigungsanlage niederzureißen. Um den Verlauf der Befestigungsanlage nachzuvollziehen, hat die Bauforscherin dann, ausgehend vom Schelmenturm, Keller an der Grabenstraße untersucht. "An der Ausrichtung und etwaigen Fenstern als Fluchtausgang kann man ablesen, ob es dort einen Graben als Teil der Befestigung gegeben hat", erklärt Siebert. Im Zuge der Umgestaltung des Kradepohls will die Stadt Schnitte machen lassen, um zu gucken, ob dort ein später verfüllter Graben verlief. "Das kann man ja an den Verfärbungen und Materialien erkennen", sagt Siebert.

Bauforscherin Lüpnitz hat noch einen weiteren Untersuchungsgegenstand: den Ursprung von St. Gereon. "Die Kirche war eine Filiale des St. Gereonsstifts in Köln", erklärt Waters. Möglicherweise habe dort der Fronhof gestanden, darauf deuten Mauerreste hin, die Lüpnitz im Bereich der Zollstraße und unter dem "Spielmann" fand und die auf einen baulichen Zusammenhang hinweisen. "Der Hof war ein wichtiger Impuls für die Entstehung der Stadt." Um die Monheimer für ihr historisches Kleinod zu sensibilisieren, soll der Tag des offenen Denkmals am 13. September die Altstadt in den Fokus nehmen. Die Route beginnt am Kradepohl. Dort können Besucher den Dachboden der Altstadtkirche erklimmen. Ferner ist das Haus Grabenstraße 39 zu besichtigen, das derzeit saniert wird. Unter den insgesamt elf geöffneten Bauwerken sind der Schelmenturm, der Spielmann, der Turm von St. Gereon, das Zollhäuschen, das Architekturbüro von Manfred Poell und der Keller vom Bormacher-Festsaal.

Quelle: RP
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