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Sandor Pergel Und Berthold Scheuss
Musikschule macht aus TV-Serie Musical

Langenfeld. langenfeld Der Langenfelder Musikschullehrer Sándor Pergel hat sich die Rechte für das Schreiben eines Musicals zur preisgekrönten Vox-Fernsehserie "Der Club der roten Bänder" gesichert, die im vergangenen Jahr in Monheim gedreht worden war. Premiere soll 2018 zum 70-jährigen Bestehen der Stadt sein. Komponist wird Berthold Scheuß sein, Fachleiter an der Musikschule.

Um was geht es in dem Musical?

Pergel Sechs todkranke Jugendliche und Kinder sind als Patienten lange im Krankenhaus und gründen dort einen Club. Das Erkennungszeichen sind die roten Operationsarmbänder. Die Kinder müssen sich auf der einen Seite mit Krankheit und Tod auseinandersetzen und schaffen es auf der anderen Seite, sich zusammen ein Stück Glück, Spaß und Leichtigkeit in ihr Leben zurückzuholen.

Woher kommt die Geschichte?

Pergel Das Musical beruht auf der wahren Geschichte des Autors, Albert Espinosa. Der Spanier war im Alter von 14 Jahren lebensbedrohlich an Knochenkrebs erkrankt. Er war lange Zeit im Krankenhaus und ließ 14 Operationen über sich ergehen, bis er als geheilt ohne Bein und mit halber Lunge gesund entlassen wurde. Dabei lernte er, dass man auch in Extremsituationen das Glück finden kann. Um sich daran zu erinnern, behielt er sein erstes, rotes Operationsband und schrieb über diese Zeit ein Buch.

Das ist keine leichte Kost. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, daraus ein Musical zu machen?

Pergel Nach Atlantis und Robin Hood waren wir als Musikschule auf der Suche nach einem neuem Musical. Ich habe die Serie im Fernsehen verfolgt und fand sie toll. Die Art und Weise, wie Kinder und Jugendliche mit den Themen Tod und Krankheit umgehen, hat mich fasziniert. Es gibt kaum Geschichten, die aus der Perspektive eines Patienten erzählt werden. Espinosa hat gesagt, es gehe ihm darum zu zeigen, dass jedes Leid auch einen Sinn haben und dem Leben eine Wende geben kann. Krankheit und Krise als Chance sozusagen. Das sehe ich genauso.

Wie haben Sie den Zuschlag für das Musical erhalten?

Pergel Ich habe Espinosa persönlich angeschrieben. Daraufhin lud er mich nach Barcelona ein. Ich stellte ihm mein Musicalkonzept vor. Wir hatten sofort die gleiche Wellenlänge. Ich schickte ihm danach zwölf Stunden Filmmaterial von meinen Musicals und Stücken und Espinosa war von der Art und Weise, wie ich inszeniere, total begeistert. Also erhielt ich den Zuschlag. Jetzt darf ich nicht nur das Musical schreiben und in Langenfeld uraufführen, es soll auch in Barcelona und Madrid gezeigt werden.

Wie wollen Sie das Musical besetzen?

Pergel Ich habe meine Darsteller für die Besetzung der Kinder und Jugendlichen schon im Kopf. Die meisten kenne ich aus meinen alten Musicals, Atlantis und Robin Hood. Deshalb wird es nur ein kleines Casting geben. In der Probenzeit mache ich eine Art Trainingslager. Die Darsteller sollen nicht nur spielen, singen und tanzen, sondern auch ein halbes Jahr auf Krücken laufen. Zudem gibt es mit einem Rollstuhlfahrer ein echtes Rollstuhltraining.

Woher bekommen Sie Ihre Ideen?

Pergel Ich versuche mich nicht so sehr an die Fernsehsendung zu halten. Ich lasse mir Details von Espinosa erzählen und lese seine anderen Bücher. All das fließt mit ein.

Herr Scheuß, Sie komponieren die Musik dazu. Wie gehen Sie vor?

Scheuß Sándor teilt mir die Stimmungen und Szenen mit, die er geschrieben hat und ich versuche, sie in Musik umzusetzen. Die Thematik ist anspruchsvoll, weil alle Szenen ambivalent sind. Sie sind immer tragisch und lustig zugleich. Das in Musik zu verwandeln ist eine große Herausforderung. Dadurch hebt es sich aber musikalisch von anderen, kommerziellen Musicals ab.

Woher kommen die finanziellen Mittel für das Musical?

Pergel Das Musical wird zum 70-jährigen Stadtgeburtstag Langenfelds 2018 uraufgeführt. Die Stadt wird einen Zuschuss geben, wir haben erste Firmensponsoren und die Stiftung Deutsche Krebshilfe hat uns ihre Unterstützung zugesagt.

Musicals versprechen Spaß und Leichtigkeit. Wie kann das Musical mit diesem Thema ankommen?

Scheuß Es ist zwar ein ernstes Thema, aber durchaus eine positive Geschichte: Ein Heldenepos, nur dass es sich hier um einen inneren Feind, eine Krankheit, handelt, den man besiegen muss. Die Zuschauer sollen am Ende auf jeden Fall gestärkt mit dem Gefühl daraus gehen, dass es zwar Schmerz in der Welt gibt, zugleich aber auch immer Glück.

VIOLA GRÄFENSTEIN STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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