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Monheim
Musikschule versteigert alte Schätzchen

Monheim: Musikschule versteigert alte Schätzchen
Die Musiker Christopher Esch (l.) und Michiel Wiesenekker fachsimpeln bei der Besichtigung der Auktionsware mit Hobbysänger Werner Prast (r.). FOTO: Matzerath
Monheim. Eine Gitarre für 5, eine Fanfare für 10, ein Keyboard für 20 Euro - in Monheim kam jetzt einiges unter den Hammer. Von Thomas Gutmann

Musikschule Monheim, Kammermusiksaal, 5. Stock. Das einzige Instrument, das ertönt, ist ein Hammer. Alle anderen, von der Oboe bis zum Tenorsaxophon, kommen unter selbigen, wenn auch nur sinnbildlich. "25 Euro zum dritten. Die Zither geht für 25 Euro an den jungen Mann im grünen Jacket", ruft Hans-Peter Anstatt in den Saal. Eigentlich kümmert sich der 55-Jährige im Rathaus um Sozialthemen, doch an diesem Abend hilft er als Auktionator aus. "Alles muss raus" lautet die Parole der Musikschule. Zusammen mit der städtischen Kunstschule hat sie zur Versteigerung von ausgemustertem Inventar geladen: Instrumente vor allem, dazu zum Beispiel Lautsprecherboxen, Staffeleien, Konvolute von Kabeln - 57 Posten insgesamt.

Anstatt trägt eine kunterbunte Krawatte mit Cello-Motiv. Aber nicht nur äußerlich ist er der richtige Mann am Hammer: In St. Gereon hilft er hin und wieder als Organist aus. Außerdem beliebt er zu scherzen. "Viel Vergnügen, denn darum geht es", hat Musikschul-Vize Jörg Sommerfeld zu Versteigerungsbeginn den etwa 30 Leuten im Saal gewünscht. Auktionator Anstatt trägt dazu bei. So ist das "grüne Jackett" in Wahrheit ein Kapuzenpulli. Der junge Mann mit blonder Freundin, der es trägt, ersteigert nicht nur die Zither, sondern auch eine Western-Gitarre im Koffer für 70 Euro. Vorausgegangen ist ein harter Schlagabtausch mit einem weißhaarigen Gemütlichen der Sorte Jazzmusiker.

"Wir verschleudern hier kein städtisches Vermögen", hat Sommerfeld vor der Versteigerung klargestellt: "Die Instrumente sind nach langjährigem Gebrauch nicht mehr einsetzbar oder entsprechen nicht mehr heutigem Standard. Eine Reparatur würde sich nicht rechnen." Vielleicht könnten Bastler was damit anfangen. Oder jemand, der seinen Partykeller dekorieren will. "Schämen Sie sich also nicht, wenn Sie heute ein Schnäppchen machen!"

Die Anwesenden nehmen den Musiklehrer beim Wort. Eine junge Frau im AC/DC-Hoody ersteigert eine Gitarre ohne Saiten für 5 Euro, eine fröhliche Frau mittleren Alters eine Fanfare für 10 Euro, ein Bandleadertyp der Marke Wolfgang Niedecken vier Faltzelte für 45 Euro. Die schwersten Gegenstände sind zwei Werkbänke. Sie gehen für 27 und für 100 Euro weg. "Das ist aufregend", sagt die fröhliche Frau mit der Fanfare zu ihrer Sitznachbarin und meint damit Bieter-Duelle wie das um ein Yamaha-Keyboard. Der Gitarrist Michiel Wiesenekker (33) will es für 15 Euro haben, am Ende sind 90 fällig.

Spaß haben er und sein Kollege Christopher Esch (30) aber auch so. "Das ist eine schöne Gelegenheit, billig an Instrumente zum Ausprobieren zu kommen", sagt Wiesenekker in der Besichtigungsstunde vor Auktionsbeginn. Am Ende der gut zweistündigen Versteigerung nennt der Holländer unter anderem diverse Mikrofone (42 Euro) sein eigen, Kollege Esch ersteigert zwei Wandspiegel (5 Euro). Werner Prast (69), die eine Hälfte des früheren Baumberger Gesangsduos "Heipi und Werner", hat es auf Instrumente für seine drei Enkel abgesehen. Immerhin reicht es für zwei Boxenständer für 10 Euro. Andere sind nur zum Spaß da. Wie die Kölnerin mit dem Pagenschnitt und der curryfarbenen Strickjacke, die nur ihr Alter (49) verraten will. England-Liebhaberin sei sie und wie die Briten ein Fan von Versteigerungen: "Ich war schon auf Antiquitäten- und Kuh-Auktionen", erzählt sie begeistert.

80 Prozent der Sachen sind die Musik- und die Kunstschule am Ende los. "Die Einnahmen, insgesamt mehr als 1000 Euro, werden wir in Neuanschaffung stecken", sagt Jörg Sommerfeld tags darauf.

Quelle: RP
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