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Langenfeld
Musterwohnung für barrierefreies Wohnen

Langenfeld: Musterwohnung für barrierefreies Wohnen
Tim Eigenbrodt (l.) und Schreiner Reinhard Kaufmann von "Happy mit Handykap" in der Musterküche mit absenkbarem Küchen-Oberschrank. FOTO: ola
Langenfeld. Eine Musterwohnung mit Hilfsmitteln und Co. Das war bisher eine Marktlücke. Ein Langenfelder hat sie der Marke "Happy mit Handykap" geschlossen. Kunden könnten von weit her anreisen. Von Martin Mönikes

Tim Eigenbrodt fährt in seinem Rollstuhl in die Küche, drückt auf einen Knopf an der Arbeitsplatte, und der Oberschrank der schicken Einbauküche fährt mittels eines eingebauten Lifts so weit herunter, dass der 29-jährige gelernte Bürokaufmann die benötigten Geschirrteile mühelos erreichen kann. Kochplatte und Spüle sind nicht nur nebeneinander auf einer Ebene, was es erleichtert, den heißen Topf vom Herd zu ziehen, sondern zusätzlich in der Höhe verstellbar - "passend zum Handicap, je nachdem, ob der Koch zum Beispiel einen Rollator nutzt oder vom Rollstuhl aus arbeitet", sagt Eigenbrodt, der seit der Kindheit auf einen Rolli angewiesen ist.

Lifte in Geschirr- oder Kleiderschränken. Höhenverstellbare Waschbecken einschließlich Spiegel, unter die der Rolli passt. Variable Arbeitsflächen. Mobile Haltegriffe. Oder auch Treppenlifte. Solche Dinge präsentieren Eigenbrodt und Geschäftspartner Reinhard Kaufmann seit Anfang Mai in einer Musterwohnung in Langenfelds Stadtmitte, gegenüber der Kirche St. Josef. Die 75 Quadratmeter große Wohnung im Erdgeschoss wurde in Teilbereichen komplett ausgestattet. Sie umfasst Küche, Bad, Wohn- und Schlafraum.

"Der Bedarf wächst, speziell älteren Menschen kann durch gezielte Maßnahmen der Alltag erleichtert werden", sagt Tischlermeister Kaufmann. Auch bei baulichen Maßnahmen gibt's Hilfe. Sowohl Kaufmann, seit 15 Jahren, Geschäftsführer der Artifex-Handwerkerkooperation, als auch Installateur Ralf Meyers verfügen über besondere Verbands-Zertifizierungen für "barrierefreie Ausbauten". Es geht immer um "individuelle Lösungen, orientiert an den Einschränkungen des Kunden und den Örtlichkeiten", so die Experten.

Wie kommt man auf die Geschäftsidee, eine komplette barrierefreie Musterwohnung aufzubauen? Sie entstand bei Eigenbrodt und Kaufmann im Laufe der Zeit, unter anderem bei Besuchen der Fachmesse Reha-Care. Irgendwann war da die Erkenntnis, dass es bisher keine Möglichkeit gibt, "die vorhandenen Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände herstellerunabhängig und konzentriert an einem Standort ausprobieren zu können", sagt Eigenbrodt. Das könne auch kein normales Möbelhaus leisten - deshalb erwarten die Geschäftsinhaber sogar überregionales Kundeninteresse.

Die Beratung der mit einem Wort- und Bild-Logo eingetragenen Marke "Happy mit Handykap" geht übrigens sogar über den Wohnbereich hinaus. Es gibt eine Kooperation mit einer Fahrschule, die auf gehandicapte Menschen spezialisiert ist. "Wir vermitteln Kontakte zu Fachfirmen, die Fahrzeuge behindertengerecht umbauen, auch über Rollstühle, Handbikes und sonstige Fortbewegungsmittel verfügen wir über spezielles Wissen", sagen die beiden Unternehmer. Die Aufwendungen für Umbauten und spezielle Einrichtungsgegenstände sind oft ein finanzielles Problem. Auch da hilft die Firma. "Wir kennen die Fördermöglichkeiten und helfen bei Zuschussanträgen."

Quelle: RP
 
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