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Monheim
Naturschützer führt zu Fledermäusen

Monheim: Naturschützer führt zu Fledermäusen
Fachmann Frank Gennes (hier mit einer Fledermaus-Figur) führt Familien durch den Marienburgpark. FOTO: Matzerath
Monheim. Im Monheimer Marienburgpark können Besucher bei Führungen flatternde Nachtschwärmer entdecken. Von Dirk Neubauer

Es knattert, wenn normalerweise Unhörbares hörbar wird. Genau auf dieses Geräusch warten 18 Menschen auf der Obstwiese des Marienburgparks. Doch noch ist es zu hell - oder die Nacht zu klar, Frank Gennes jedenfalls zuckt mit den Schultern und hält den taschenrechnergroßen Scanner in die Höhe, der Ultraschallsignale in Frequenzen übersetzt, die für ein menschliches Ohr zugänglich sind. Da knattert nichts. Und deshalb müssen wir einfach noch ein wenig auf die versprochenen Fledermäuse warten. Die Natur lässt sich nicht herumkommandieren. Doch um das Happy End dieser Führung von Naturschutzbund (Nabu) und der Monheimer VHS vorwegzunehmen: Am Ende haben alle 18 Teilnehmer eine Fledermaus vorbeihuschen gesehen.

Das ist nicht selbstverständlich. Okay, die in Monheim am häufigsten vorkommenden Zwergfledermäuse haben eine Spannweite von 25 Zentimetern. Doch dieses Flügelmaß gehört zu einem Kerlchen, das gerade mal so viel wiegt wie eine Zwei-Cent-Münze: zwei Gramm. Bis Frank Gennes und weitere Mitstreiter aus dem Lager der Naturschützer kamen, hatten die Flattermänner gar keine Lobby. Im Gegenteil! Die nachtaktiven Flieger waren den Menschen eher unheimlich. Im Alten Testament mit einem Verzehrverbot belegt. Im Horrorgenre mit dem Vampir Graf Dracula verknüpft. Da ist beim Image Luft nach oben.

Der Vorteil eines Fledermaus-Abendspaziergangs mit Frank Gennes und seiner Tochter: Es gibt keinen langweiligen Frontalvortrag. Sondern eine Abfolge von Stationen, bei denen der Nabu-Beauftragte sein Wissen über die weltweit 900 Fledermausarten, in Deutschland leben 23 davon, mitteilt. Dabei bezieht er jederzeit die Erwachsenen und Kinder ein, die ihm zuhören.

Da wird um Teilnehmerin Renate Karwallo ein Seil gespannt, damit sich alle anderen die Spannweite einer Zwergfledermaus vorstellen können. Auf der Obstwiese werfen Teilnehmer mit verbundenen Augen Plastikteile auf Plastikdeckel - und versuchen so nachzuempfinden, wie schwierig es trotz eines Hochleistungs-Ultraschallradar für die nachtaktiven Fledermäuse ist, einem Baum auszuweichen oder gar im Flug Nahrung zu finden. Die auch immer weniger wird, seit die Menschen Insektizide versprühen.

Wann immer Fledermäuse in ihrem Winterschlaf gestört werden - das ist meist im Frühjahr der Fall - oder sich Junge verfliegen und erschöpft zu Boden gehen - zumeist im Herbst -, ist Frank Genes Retter in der Not. Er ist der Fledermausexperte von Monheim und Langenfeld: "Wenn Sie eine schlafende Fledermaus finden - bitte niemals wecken. Sie verbraucht allein dadurch viel Energie." Notfälle päppelt er mit zerstampften Mehlwürmern und Wassertropfen aus einem Pinsel wieder hoch. Die Exkursion im Marienburgpark soll die Teilnehmer dazu ermutigen, achtsamer mit den Fledermäusen umzugehen. Das ist Gennes gelungen.

Quelle: RP
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