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Langenfeld/Monheim
Negativzinsen - der Druck steigt

Langenfeld/Monheim: Negativzinsen - der Druck steigt
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld/Monheim. Otto-Normal-Kunden in Langenfeld und Monheim müssen derzeit keine Gebühren auf Guthaben zahlen - noch. Von Martin Mönikes

Diese Aussage von Dirk Abel, Vorstandschef der Langenfelder Stadt-Sparkasse, steht gleichlautend für die Meinung in den Vorstandsetagen der Banken und Sparkassen in der Region: "Wir versuchen, Negativzinsen für Privatkunden so lange wie möglich zu verhindern." Noch erhebt niemand von den "normalen" Kunden Strafzinsen, obwohl alle Institute seit März dieses Jahres 0,4 Prozent für ihre "freie Liquidität", die Differenz zwischen Einlagen und Ausleihen an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen.

Strafzinsen auf Einlagen ganz ausschließen will indes niemand. "Der Druck steigt", sagt Alexander Litz, Vorstandsmitglied der Volksbank Rhein-Wupper, schließlich müssten die Negativzinsen aktuell quersubventioniert werden. Eine Genossenschaftsbank am Tegernsee erreichte im Sommer mediale Aufmerksamkeit, weil sie ankündigte, knapp 140 Privatkunden mit rund 40 Millionen Euro Einlagen auf Sparbüchern und Ähnlichem die 0,4 Prozent aufzudrücken. Es sei denn, die Betroffenen wechselten zu für die Bank rentableren Anlageformen. Volksbank-Vorstand Litz sieht in dem Fall eine lokale Extremsituation - hohe Guthaben, geringer Kreditbedarf.

Bernhard Schwarz, Vorstand der Raiffeisenbank Rhein-Berg, will abwarten, mit Prognosen ist er vorsichtig geworden. "Keiner hätte sich vor wenigen Jahren diese Zinsentwicklung vorstellen können", sagt er. Es gelte, die Mitbewerber im Blick zu haben. "Wenn einer anfängt, kann ein Domino-Effekt folgen."

Die Pressestelle der Commerzbank lässt wissen, dass aktuell keine negativen Zinsen von Privat- und Geschäftskunden erhoben werden. Bei den Beträgen, die auf von Firmenkunden, großen Konzernen, institutionellen Kunden und Kunden des öffentlichen Sektors geparkte hohe Guthaben verlangt werden, gehe es nicht darum, "diese Gebühr zu erheben, sondern in Gesprächen mit den Kunden gemeinsam alternative Anlagekonzepte zu entwickeln."

Auch die für Monheim zuständige Stadtsparkasse Düsseldorf verfolgt zurzeit keine Pläne, den Negativzins an Sparer im breiten Privatkundengeschäft weiterzugeben, sagt Privatkundenvorstand Michael Meyer. Das liegt sicher auch daran, dass -im Gegensatz zu dem Tegernsee-Beispiel - die regionalen Institute keine massiven Passivüberhänge haben. Anders sieht es bei einzelnen vermögenden Kunden mit Einlagen im Millionenbereich aus, dort habe man "individuelle Vereinbarungen getroffen", sagt Meyer, der grundsätzliche Kritik äußert. "Die Strafzins-Politik der EZB gefährdet langfristig das etablierte Geschäftsmodell der Sparkassen und Genossenschaftsbanken." Auch Langenfelds Sparkassen-Chef Dirk Abel bestätigt, dass die Stadt-Sparkasse über "Verwahrentgelte" für Firmenkunden mit Geldanlagen in Millionenhöhe nachdenkt.

In allen Instituten ist derweil die Nachfrage nach Schließfächern gestiegen. Ob aus Furcht vor Einbrechern oder als Vorbereitung auf einen Negativzins für private Kunden, bleibt offen. Für Banken selbst ist die Ansammlung von großen Bargeldmengen in Tresoren kein Thema - "die Versicherungskosten liegen höher als die EZB-Zinsen", heißt es.

Beide Seiten der Zinsentwicklung in den letzten Jahren kennt Sabine Noll, Kämmerin der Stadt Monheim. Die Gänselieselstadt verfügt dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen über Geldreserven, für die nur noch wenig Zinsen gezahlt werden - und jetzt droht der Strafzins. "Bisher zahlen wir keine Negativzinsen", sagt Noll, aber "es gibt erste Hinweise und Gespräche". Geld leihen und verleihen ist ein Geschäftsmodell, es gilt im Wettbewerb der Banken und Sparkassen permanent die besten Angebote zu finden - unter zwei Gesichtspunkten, betont Noll: Die tägliche Liquidität muss sichergestellt sein, und der Umgang mit Steuergeldern verlangt besondere Sorgfalt.

Quelle: RP
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