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Langenfeld
Neu-Rentner zimmern sich ein Ehrenamt

Langenfeld. "Erfahrungswissen für Initiativen" heißt ein Seminar-Baukasten, mit dessen Hilfe Ältere eigene Projekte verwirklichen. Von Christin Grawe

Ausdrucksmalen für Flüchtlingskinder, ein Reperaturcafé oder eine Taschengeldbörse - das sind Ideen von Ehrenamtlichen aus Langenfeld. "Es zeigt sich, Menschen engagieren sich am meisten, wenn sie ihr Ding gefunden haben. Das, was ihnen am Herzen liegt", sagt Gerrit Heetderks, Leiter des Familien- und Erwachsenenbildungswerk Nordrhein. Und so nehmen die Teilnehmer des Kurses "Erfahrungswissen für Initiativen" (Efi) nicht einfach eine ehrenamtliche Tätigkeit an, sondern entwickeln ihr eigenes Projekt. Der Kurs bildet sie zu so genannten Seniortrainern aus.

"Der kostenfreie Kurs richtet sich dabei vor allem an diejenigen, die gerade aus ihrem Beruf ausgestiegen sind", erläutert Frank Klarmann, ebenfalls langjähriger Freiwilliger. "Sie haben noch so viel Energie und helfen mit ihrem freiwilligen Engagement nicht nur der Gesellschaft, sondern auch sich selbst." Für die Neu-Rentner sei es besonders wichtig, ihre freie Zeit mit einer sinnvollen Tätigkeit zu füllen. Um ihr Projekt zu finden, lernen die Teilnehmer in drei Blöcken mit jeweils drei Tagen wichtige Qualifikationen wie etwa die Selbstreflexion, die Finanzierung und PR-Möglichkeiten kennen.

Heike Müller sagt: "Am Anfang des Kurses habe ich bei mir selber angefangen und dann hat sich aus meinen eigenen Interessen das Projekt entwickelt." Im ersten Block konzentrieren sich die Freiwilligen auf die eigene Persönlichkeit und die eigenen Interessen. Klarmann sagt: "Sie stellen sich zunächst die Fragen, wer bin ich und was möchte ich erreichen." Erst im letzten Block geht es dann um das eigentliche Projekt. Sie stellen dabei etwa einen Businessplan auf und bekommen Tipps zum Sponsoring mit an die Hand. "Ich als Ehrenamtlicher habe eine Idee und suche mir dann selbst einen Träger, der mich dabei unterstützt", erklärt Klarmann. Das sei das "neue Ehrenamt": Freiwillige finden selbst ein Projekt und bekommen keins aufgedrückt.

Dabei sind den Freiwilligen keine Grenzen gesetzt. Heike Müller erzählt: "Ich war letztes Jahr auf Lesbos als freiwillige Helferin und habe die Flüchtlinge gesehen. Da war mir sofort klar: Ich will auch in Deutschland was für diese Kinder tun." Ihre Idee: Ausdrucksmalen mit Flüchtlingskindern. "Ich hoffe, die Kinder bekommen dabei einen wertfreien Raum, können sich kennenlernen und austauschen", sagt die Teilnehmerin.

Auch Gudrun Klement, Mitarbeiterin des evangelischen Familien- und Erwachsenenbildungswerkes, hat ihr eigenes Projekt gefunden: Sie begleitet die Kursteilnehmer bei ihren Projekten, beantwortet Fragen und organisiert Stammtische. "Ich möchte den Austausch zwischen den Ehrenamtlichen fördern und habe selbst am Kurs teilgenommen, um sie kennenzulernen und besser begleiten zu können." Auch Gerrit Heetderks ist überzeugt, dass die Vernetzung von Ehrenamtlichen besonders wichtig ist. "Ich glaube, dass wir in Zukunft, um mit den Themen der Gesellschaft zurechtzukommen, mehr ehrenamtliche Helfer brauchen, die die Gesellschaft zusammenhalten."

Quelle: RP
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