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Langenfeld
Neuer Anlauf für Holocaust-Gedenken

Langenfeld. Die Verlegung von fünf "Stolpersteinen" ist bislang am Widerstand betroffener Hauseigentümer gescheitert. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Von Thomas Gutmann

Sie sind mit einer Messingplatte versehen, darauf Name, Lebensdaten und Sterbeort - meist Auschwitz, Theresienstadt oder eines der anderen NS-Vernichtungslager. Die "Stolpersteine", die der Künstler Gunter Demnig seit 20 Jahren in ganz Deutschland verlegt, erinnern an Opfer des Holocausts - genau dort, wo sie vor ihrer Deportation und Ermordung gewohnt haben. Zehn dieser Stolpersteine gibt es in Langenfeld, die Verlegung von fünf weiteren scheiterte bislang am Widerstand der Eigentümer, vor deren Haus die Steine platziert werden sollen. Jetzt ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen, wie der zuständige Fachbereichsleiter Jürgen Öxmann vor dem Rat berichtete.

Grund ist ein Generationen- bzw. Eigentümerwechsel bei zwei der drei betroffenen Häuser. "An der Berghausener Straße waren die Eltern gegen die Verlegung, ihre Kinder wollen das jetzt noch mal im Familienkreis besprechen", erklärte Öxmann. Am Ganspohl wechsele die Immobilie den Besitzer - "danach werden wir den neuen Eigentümer kontaktieren", kündigte der Dezernent an. Einzig an der Grenzstraße sei er noch nicht weitergekommen, "weil wir den dort gemeldeten hochbetagten Bewohner bislang nicht erreicht haben".

Die nach dem Ratsbeschluss von 2005 noch ausstehenden Stolpersteine, davon drei an der Berghausener Straße, sollen an Angehörige der Familien Meyer, Herz, Salomon und Berg erinnern. Diese Langenfelder jüdischen Glaubens wurden 1941/42 von Staats wegen in eines der Vernichtungslager im von der deutschen Wehrmacht eroberten Osten deportiert und dort ermordet. Insgesamt fielen dem Holocaust bis Kriegsende 1945 etwa sechs Millionen Juden zum Opfer.

Der Ratsbeschluss von 2005 macht die Verlegung der Stolpersteine vom Einverständnis der aktuellen Hauseigentümer abhängig. In einer interfraktionellen Arbeitsgruppe soll diese Klausel jetzt noch einmal zur Debatte gestellt werden. Günter Herweg von den Grünen wiederholte im Rat die Kritik seiner Partei an der Regelung. Nach dem Verständnis der Grünen ist die Einwilligung von Anwohnern für ein Holocaust-Gedenken im öffentlichen Straßenraum zwar wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Anders die CDU-Mehrheitsfraktion: Sie hat die Furcht von Hauseigentümern vor Stigmatisierung bislang respektiert.

Einstimmig bei einer Enthaltung abgelehnt wurde im Rat der Bürgerantrag des Felix-Metzmacher-Freundeskreis, drei weitere Stolpersteine zu verlegen - für die Familie des Kinderarztes Dr. Hugo Zade. Grund: Für sie gibt es bereits Stolpersteine in Köln, dem letzten Wohnort der Familie. "Wir bedauern zwar die Regelung, dass Stolpersteine nur für diejenigen verlegt werden sollen, die direkt von Langenfeld aus deportiert wurden, aber wenn es in Köln bereits einen Stein gibt, hat sich das wohl für Langenfeld erledigt", sagte Grünen-Ratsherr Herweg. Jürgen Brüne (CDU) wies darauf hin, dass im künftigen Neubaugebiet am "Berghausener Blumentopf" eine Straße nach Hugo Zade benannt werde.

Rolf Gassen vom Metzmacher-Kreis will sich trotz der Ablehnung weiter für Stolpersteine für Famlie Zade einsetzen: "Sie haben in Köln nur wenige Jahre verbracht und sind auch nur dort hingezogen, weil das NS-Regime sie wirtschaftlich ruiniert hat. Dr. Zade, seine Frau und seine Tochter haben jahrzehntelang in Langenfeld gelebt - Langenfeld war ihre Heimatstadt", insistierte der ehemalige Ratsherr.

Quelle: RP
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